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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Heimatgefühle kommen nicht mehr auf

07.03.2015

Cloppenburg /Emstek Es war der 20. Januar 1945, als Mathilde Soika den Evakuierungsbescheid in Händen hielt. Der Zweite Weltkrieg tobte, ihr Mann war im Kriegseinsatz, der Winter im Osten des Landes mit rund minus 20 Grad gnadenlos. „Wir sollten für 14 Tage evakuiert werden“, erinnert sich Helene Koopmeiners. Die Cloppenburgerin war die jüngste Tochter von Mathilde Soika und erinnert sich noch gut an ihre Flucht aus Oberschlesien.

Als ihre Mutter den Bescheid erhielt, war Helene gerade einmal zwölf Jahre alt. Ein Mädchen, das gern zum Gymnasium ging und das Leben genoss. Ihre Heimatstadt Beuthen zählte damals knapp 120 000 Einwohner, bis Mitternacht mussten alle ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Mitgenommen werden durfte nur, was notwendig war: Essen, Kleidung, Geld und Sparbücher.

Familie war katholisch

Die Familie war katholisch, der herausgeputzte Weihnachtsbaum stand, wie es die alte Tradition wollte, noch immer in der Stube, darunter die süßen Teller der Kinder. „Wir haben alles eingepackt“, erinnert sich die heute 82-Jährige. „Sogar die Nüsse und einen Nussknacker.“ Den Nussknacker habe sie heute noch – und einen silbernen Löffel.

Erst folgte die Familie den Evakuierungsanweisungen, dann entschied Mutter Soika, sich vom Flüchtlingstreck abzusondern und nach Mellendorf in Niederschlesien zu einem befreundeten Bauern zu gehen. Mit dabei hatte sie außer Helene noch ihren 15 Jahre alten Sohn Josef und Tochter Maria (19). Ihre älteste Tochter Erna war bei einem Kindertransport in Österreich, der älteste Sohn Reinhold kämpfte an der Front.

Drei Wochen Atempause

Knapp drei Wochen blieb die Familie in Mellendorf (heute Mielno), bis auch dort die Evakuierung angeordnet wurde – und wieder entschied sich Mathilde Soika dafür, die Flucht auf eigene Faust zu planen. Mit dem Zug ging es Richtung Westen nach Oldenburg. Die Abteile waren überfüllt, manchmal musste in einem Güterwagon mitgefahren werden. Es war eng und stickig, die Beine wurden dick, das Essen knapp. Nach einigen Tagen kam die Familie in Oldenburg an, fand bei einer Bekannten Zuflucht, rund 950 Kilometer von ihrer alten Heimat entfernt. Kurz darauf kam der Bescheid, dass sich Mutter Soika und ihre drei Kinder im Landkreis Cloppenburg melden sollten.

Am 28. Februar 1945 kam die Familie in Emstek an. Nur einen Monat vorher war die sowjetische Armee in Beuthen einmarschiert.

Innige Freundschaft

Mathilde Soika und ihre Kinder durften bei Familie Hattendorf einziehen. Seit diesem Tag verbindet beide Familien eine Freundschaft, ein Band, das noch heute, 70 Jahre nach Kriegsende gepflegt wird.

Josef ging in die sieben Kilometer entfernte Handelsschule nach Cloppenburg, Helene musste in die Volksschule Emstek, später absolvierte sie eine Lehre zur Hutmacherin, Maria fand Arbeit auf einem Hof. Die Integration fiel der Familie leicht, „wohl auch, weil wir katholisch waren“, vermutet Helene Koopmeiners.

Nach Kriegsende fanden auch die älteren Geschwister Reinhold und Erna den Weg nach Emstek. Ihren Vater sahen sie nicht wieder. Erst Jahre später erfuhr die Familie, dass er zwar wegen Krankheit aus russischer Gefangenschaft entlassen worden war, die Heimreise jedoch nicht überlebt hatte.

Im Oldenburger Land

Nicht nur die Mutter, alle fünf Kinder blieben dem Oldenburger Land treu, verliebten sich, heirateten, machten Karriere, bekamen Kinder, wurden Großeltern. In die alte Heimat wollten sie nicht mehr zurück. Zu Besuch reisten als erste Helene und Josef mit ihren Ehepartnern dorthin. „Das war 1974“, sagt Helene Koopmeiners. Sie besuchten Cousinen, schauten, was von ihrer alten Stadt noch übrig war. Doch Heimatgefühle kamen nicht mehr auf. „Wir sind hier zuhause“, sagt Helene Koopmeiners. Und darüber sei sie sehr glücklich.

Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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