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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Soennecken-Sammlung: Historische Schreibgeräte weltweit sichtbar

03.09.2015

Cloppenburg Die kulturhistorisch bedeutende Sammlung von Schreibgeräten aus dem Nachlass des Kommerzienrates Friedrich Soennecken ist jetzt auch online in aller Welt zu sehen. Dazu hat das Museumsdorf in einem umfänglichen Projekt sämtliche Exponate mit Bild und ergänzenden Details digitalisiert. Freigeschaltet wurde die digitale Seite am Dienstag von Museumsdorf-Leiter Professor Dr. Uwe Meiners, dessen Mitarbeitern Christiana Hemken und Dr. Karl-Heinz Ziessow sowie dem Geschäftsführer der LzO-Stiftung Kunst und Kultur, Udo Unger.

600 Schreibgarnituren aus fünf Jahrhunderten

Die Sammlung Soennecken ist die größte bekannte Schreibgarnituren-Kollektion mit rund 600 Einzelexponaten aus fünf Jahrhunderten. In allen Epochen seit der Frühen Neuzeit fanden sich beinahe in jedem Haushalt – je nach Zeitgeschmack und Status – die passenden Schreibgarnituren, mal waren es schlichte Bewahrbehälter aus Holz, mal Fayence-Arbeiten oder auch ein gläsernes Tintenfass in der Form eines Automobils des frühen 20. Jahrhunderts. Bevorzugt wurden die Stücke jedoch aus Keramik hergestellt.

Die ältesten erhaltenen Exponate aus dem 16. Jahrhundert sind in italienischer Manier als Majolika – farbig bemalte zinnglasierte Keramik – gearbeitet. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden vor allem Fayencen hergestellt, die zunächst in den Niederlanden und später in Manufakturen in ganz Europa produziert wurden. Die Epoche der Schreibgarnituren endete im 19. Jahrhundert mit der Erfindung des Füllfederhalters, der seit 1880 in industrieller Massenproduktion gefertigt wurde und innerhalb einer Generation den Gänsekiel sowie den Stahlfederhalter beinahe vollständig verdrängte.

Diese LzO-Stiftung hatte bereits 1989 gemeinsam mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung diese besondere Sammlung erworben und sie dann 1990 dem Museumsdorf als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. „Diese Sammlung an hochwertigen Gegenständen der Gebrauchskunst besticht durch Umfang und Qualität. Mit der Online-Stellung kann jetzt ein noch breiteres Publikum als bisher dieses kulturelle Erbe betrachten“, so Meiners.

„Die mediale Aufbereitung ist den beteiligten Akteuren erstklassig gelungen. Wir sind davon überzeugt, dass Liebhaber schöner Schreibwerkzeuge daran Gefallen finden werden. Dies entspricht unserem Anliegen, die Sammlung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, erklärte Stiftungs-Geschäftsführer Unger.

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Die Sammlung ist auch bei anderen Ausstellungshäusern bundesweit gefragt. So waren Teile des Konvolutes unter anderem im Jüdischen Museum in Berlin sowie im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburgs zu bewundern.

In Deutschland begann 1875 der Fabrikant Friedrich Soenneken als erster mit der industriellen Produktion von Füllfederhaltern und sollte für Jahrzehnte der Marktführer bleiben. Als Sohn eines Schmieds kam der Erfinder und Kaufmann 1848 im Sauerland zur Welt. Schon in der Schule erkannte man sein großes Potenzial, das in dem kleinen Fritz steckte. Ein „Tintenmalheur“ während seiner Lehre gilt als Initialzündung für seinen Erfindungsreichtum und seine Leidenschaft in Sachen Büromaterialien. Er gilt als bedeutender Reformer des Schriftwesens und zugleich Begründer eines neuen Industriezweiges in Deutschland, der sich mit der Herstellung aller Sparten des Bürobedarfs, von der Feder über Aktenordner und Tischkalender bis zu Büromöbeln befasste.

Während eines zweijährigen Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde die Sammlung Soennecken fotografisch neu erfasst und beschrieben. Die 600 Schreibzeuge sind das erste Konvolut von mehr als 5000 Objekten aus dem Museumsdorf und dem Schlossmuseum Jever, die künftig über das Portal „Kulturerbe Niedersachsen“ der Öffentlichkeit zugänglich sein werden.


Über das Internetportal des Kulturerbes Niedersachsen gelangt man zur Sammlung unter   http://kulturerbe.niedersachsen.de/viewer/browse/slg0155/-/1/-/-/ 
Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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