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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

„iPad im Kindergarten ist Kindesmisshandlung“

20.09.2013

Cloppenburg „Ein iPad im Kindergarten ist Kindesmisshandlung. Und ein Computer in der Grundschule auch.“ Diese Auffassung hat am Mittwochabend der Gehirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, während seines zweistündigen Vortrags über „Digitale Demenz“ vertreten. Zu dem Referat im Rahmen des OLB-Forums waren rund 750 Besucher in die Cloppenburger Stadthalle gekommen.

Nach einer kurzen Einführung in die Neurowissenschaft hob Spitzer die Bedeutung der frühkindlichen Bildung hervor. Sie sei Grundlage für lebenslanges Lernen. So sei etwa die eigene Handschrift eine wichtige „Krücke für das Gedächtnis“. Digitale Medien verdrängten wichtige geistige Fähigkeiten, so Spitzer weiter. Am Beispiel der Suchmaschine „Google“ untermauerte er seine Theorie: Wer ohne jegliches Vorwissen einen Suchbegriff eingebe, sei mit dem Ergebnis überfordert. Nur wer ein gewisses Grundwissen zu einem Themenkomplex habe, könne die unzähligen Ergebnisse im Geiste filtern.

Durch etliche Studien zeigte Spitzer den schädlichen Einfluss digitaler Medien auf Kinder auf, die zu einem Gedächtnisverfall – sprich: „digitaler Demenz“ – führten, und erntete breite Zustimmung im Publikum.

Dessen Sorgen angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft wusste er durch plakative Aussagen und Vergleiche zu bedienen. Das Thema „Medienkompetenz“ an Schulen ist Spitzer ein Dorn im Auge. Nur weil Medien ein Teil unserer Kultur seien, müsse man den Umgang mit ihnen nicht schon im Grundschulalter lehren. Schließlich bringe man Grundschülern auch keine „Alkoholkompetenz“ bei. Mit Vergleichen wie diesem sorgte Spitzer für Gelächter und Applaus zugleich.

An manchen Stellen nahm Spitzers Vortrag Züge einer Selbstverteidigungsrede an: Der Autor des Bestsellers „Digitale Demenz“ ging im Laufe des Abends immer mehr auf die breite Pressekritik an seinem Buch ein.

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