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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Wie Dennis sich in die Selbstständigkeit kämpfte

30.01.2016

Friesoythe Ein Klassenzimmer in den Berufsbildenden Schulen Friesoythe, Standort Scheefenkamp. An den Tischen sitzen viele junge Frauen, die zwei Männer sind deutlich in der Unterzahl. Die jungen Menschen in dieser Klasse werden zu Heilerziehungspflegern ausgebildet.

Vor ihnen sitzen an diesem Tag keine Lehrer, sondern eine 55-jährige Frau und ein junger Mann. Von Aussehen, vom Alter her könnte er in ihre Klasse gehen. Auf seinem schwarzen T-Shirt prangt ein ACDC-Schriftzug. Er trägt ein dunkles Brillengestell, die blonden Haaren sind kurz geschnitten und er scherzt mit den Mädchen. Dennis Ostermann (27 Jahre) ist aber nicht wie die Schüler der Heilerziehungspflegeklasse. Im Alter von drei Jahren überlebte er einen schweren Autounfall.

Der Crash ist ein Einschnitt im Leben von Familie Ostermann. Dennis Ostermann liegt nach einer schweren Hirnverletzung drei Monate lang im Koma. Er wacht auf, ist aber schwerstbehindert. Hoffnung auf Besserung gibt es kaum.

Seine Mutter Beate Ostermann, die ihn mit in die Klasse begleitet, geht eigene Wege in der Behandlung und Therapie ihres Sohnes. Und von diesem Weg berichtet sie den Schülern der Heilerziehungsklasse. Sie schildert den Verlauf und die Entwicklung, die Dennis Ostermann im Laufe der vergangenen 25 Jahre gemacht hat. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin in einer Wohnung in Cloppenburg.

Die Schüler löchern Beate und vor allem Dennis Ostermann mit Fragen: Wie ist es Dir ergangen, als Du umgezogen bist? Wie hast Du Deine Lebensgefährtin kennengelernt? Ist es anstrengend Deine Mutter jetzt auch als Betreuerin zu haben, seit Du alleine wohnst? Gab es Situationen, in denen ihr verzweifelt seid?

Dennis Ostermann beantwortet alle Fragen ausführlich. Immer wieder bringt er die Klasse mit seinen Antworten zum Lachen, besonders wenn er und seine Mutter sich einen Schlagabtausch liefern. Sein Auszug sei „eine Erleichterung“ gewesen, sagt Dennis Ostermann. Seitdem ist auch das Verhältnis zu seiner Mutter sehr entspannt, obwohl sie ihn nun zusätzlich als Betreuerin begleitet. „Meinem Bruder mussten sie die Kartons packen“, erzählt der 27-Jährige. Er hingegen habe einfach nur aus Löningen weg gewollt.

Die Geschichte, wie er seine Lebensgefährtin kennenlernte, hört sich nicht anders an als die Erlebnisse, die viele Paare miteinander teilen und erzählen. Sie trafen sich auf einer Party, sie schielte den ganzen Abend zu ihm rüber. „Und nach ein oder zwei Bier hat sie sich dann einen Ruck gegeben und ist zu mir rübergekommen und hat den Anfang gemacht“, erzählt Dennis Ostermann. Er lächelt, wenn er an diesen Abend zurückdenkt.

Natürlich gab es viele Situationen, die in den vergangenen 25 Jahren schwierig waren: Der Kampf mit den Versicherungen, die vielen Therapiestunden und die Ungewissheit, wo die Reise hingeht. Für Dennis war es besonders hart zu akzeptieren, dass er niemals einen Führerschein machen kann. „Dafür reicht seine Sehkraft nicht aus“, sagt Beate Ostermann, die sogar ein Buch „Mein anderer Weg. Dein anderes Leben“ über ihr gemeinsames Leben geschrieben hat.

Heute blicken Beate und Dennis Ostermann positiv in die Zukunft. Sie haben es geschafft: Aus dem Jungen, für den an Gehen nicht zu denken war, ist ein selbstbewusster junger Mann geworden.

Lina Brunnée Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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