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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Plötzlich ist die Kirmes 200 Jahre alt

27.07.2018

Markhausen Dass die Kirmes in Markhausen „Markhüser Bisseken“ eine sehr lange Tradition hat, wissen einige Heimatinteressierte. Walter Beckmann, ehemaliger Fachbereichsleiter der Stadt Friesoythe und „Chef“ des Stadtarchivs, hatte zwar spontan kein historisches Bildmaterial zur Hand, wohl aber das Wissen, dass diese Kirmes zu den ältesten Veranstaltungen der Region gehört. Und er sollte Recht behalten.

Aufhorchen und Augenreiben dann beim fünfzehn-köpfigen Helfertreffen am vergangenen Dienstag im Dorfgemeinschaftshaus in Markhausen. Dieses Haus ist der kulturelle Mittelpunkt in der ehemals selbstständigen Gemeinde Markhausen, die seit 1974 durch die Gebietsreform in Niedersachsen zur Stadt Friesoythe gehört.

Da passt die Nachricht auf Seite 40 in der Chronik „Heimatverein des Kirchspiels Markhausen e.V.“. Renate Geu­ter, ehemalige Landtagsabgeordnete der SPD, hat hier geschrieben „... neben den Vieh- und Kramermärkten in Friesoythe, Ramsloh und Barßel bestehe auch in Markhausen seit 1818 ein historischer Markt, ,Markhüser Bisseken’ genannt, mit welchem ein weit und breit bekanntes Volksfest verknüpft sei“. Die engagierte Kommunalpolitikerin zitierte hier den Landwirtschaftsrat Heinrich Schulte aus seiner Veröffentlichung im Jahr 1930.

„Da haben wir nun gar nicht mit gerechnet“, so Theo Siemer, der seit gut 27 Jahren das „Kirmesheft“ fest in den Händen hält. Er blickte erstaunt in die Chronik, wo es schwarz auf weiß steht. Gespannt darf man sein, wie ein 200-jähriges Kirmesjubiläum, von dem vor ein paar Tagen kaum jemand wusste, nun spontan gebührend gefeiert wird. Die vielen ehrenamtlichen Helfer, die „Macher“ im Ort, die verstorbenen Ortsvorsteher wie Heinrich Niehaus, Hans Timme oder Franz-Josef Müller und auch die treuen Aussteller hätten es verdient.

Vielleicht 200 Liter Freibier am Montag vom Bürgermeister? Ein 200-Meter-Kranz für das Festzelt von den Dorfplatz-Nachbarn? Die Friesoyther sind auf jeden Fall ganz herzlich zum „Vorglühen“ eingeladen, so Siemer, findet doch traditionell eine Woche später das Frie­soyther Schützenfest statt. Wir lassen uns überraschen was kommt, waren sich alle einig.

Dem Organisationsteam unter der Leitung von Theo Siemer aus Markhausen und Petra Oltmann vom Veranstalter, der Stadt Friesoythe, sowie Gerd Hömmken, ehemaliger Leiter der Ludgeri-Schule und einer der „Heimat-Motoren“ in Markhausen, ist es insgesamt zu verdanken, dass diese Kirmes überhaupt „noch lebt“. „Ohne das interessante Zeitungs- und Bildmaterial zum Treffen hätten wir jetzt gar nicht erfahren, dass wir am Wochenende eine ganz besondere Kirmes feiern“, so einer der Helfer. In erster Linie diente das Treffen dazu, der diesjährigen „Markhüser Bisseken“ an diesem Sonntag, 29. Juli und Montag, 30. Juli, den letzten Feinschliff zu verpassen.

Immer am letzten Sonntag im Juli „starten wir hier die Kirmes“, so Heinz Norrenbrock, ein weiteres Urgestein der Markhauser Kultur- und Sportszene, der sich als Ortsvorsteher, Kommunalpolitiker und Sportvereinsvorsitzender viele Jahre unermüdlich für die Kirmes einsetzte. Ihm ist vor allem der neue Dorfplatz zu verdanken, wo seit einigen Jahren etwas „versteckt“ Jung und Alt immer wieder in Markhausen feiern. Wenn auch an seinen fahrbaren Rollstuhl gefesselt, Heinz Norrenbrock ist immer im Ort unterwegs, so Stefan Brand. Er ist hauptamtlicher Schafbock-Lieferant und für die Versteigerung am kommenden Montag mit verantwortlich.

„Ohne die vielen Helfer jedes Jahr ist dieses Fest nicht zu stemmen“, so Siemer, der sich besonders über die Bannerwerbung im Herzen von Friesoythe freute und sich bei Petra Oltmann für die Idee bedankte.

Hier und auch anderswo fragt man sich dann auch, was denn „Markhüser Bisseken“ überhaupt bedeutet. „Wenn dai Kaje uppe Weide rümmelopett un mit’n Stärt dai Bremsen wechweldet, dann is datt dai haiteste Tied in’t Joahr“, so die Kenner der Kirmes. Auf Hochdeutsch – Wenn im Sommer die Kühe auf der Weide herumlaufen und die Bremsen (Fliegen) mit dem Schwanz vom Rücken scheuchen, ist es hier die heißeste Zeit im Jahr.

Die aktuellen Temperaturen passen dann auch zur diesjährigen Kirmes. In der landwirtschaftlich geprägten Region sind Weiden mit Kühen kaum zu finden. Die vielen Maisfelder prägen die landwirtschaftliche Region in und um Friesoythe. „Die Zeiten ändern sich einfach“, so Siemer, selbst Landwirt. Er hofft, dass die Kirmes in Markhausen nicht ausstirbt.

Das Programm für kommenden Sonntag steht jedenfalls mit Kaffee und Kuchen ab 14 Uhr, dank der Landfrauen und der Fußball-Damen des VfL Markhausen. Es folgt die Spielshow „Dat könnt wi bäter“ um 15 Uhr sowie Planwagenfahrten und eine Ausstellung mit historischen Traktoren der „Ackeroldies“. Am Montag ist dann um 11 Uhr der Freibieranstich durch Bürgermeister Sven Stratmann mit einem Platzkonzert des Musikvereins Markhausen und Live-Musik von „Moonlight Dreams“ im Festzelt.

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