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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Mit dem Fahrrad zurück in die Heimat

01.04.2015

Altenoythe /Bösel Henriette Dumstorff war eine junge Frau, als sie Ende 1939 den Stellungsbefehl zum Reichsarbeitsdienst erhielt. „Nachbarsjungen brachten mich zum Bahnhof“, erzählt die heute 91-jährige gebürtige Böselerin. Heute lebt die siebenfache Urgroßmutter bei ihrer Familie in Altenoythe. „Es war das erste Mal, dass ich mit dem Zug fuhr“, sagt Henriette Dumstorff. Mehrmals habe sie umsteigen müssen. Ihre Fahrt endete in Gadebusch, Mecklenburg-Vorpommern. Von dort habe sie die letzten sechs Kilometer im Dunkeln gemeinsam mit zwei weiteren jungen Frauen zu Fuß zurückgelegt.

Briefkontakt gehalten

Zu viert hätten sie in einem Zimmer gewohnt, erinnert sich Henriette Dumstorff an die Einrichtung, in der sie ihren Arbeitsdienst absolvierte. Insgesamt 42 junge Frauen waren dort beschäftigt. Der Tag, der morgens mit einem Waldlauf startete, sei klar strukturiert gewesen, sagt sie. „Es gab Innendienst und Außendienst.“ Auch auf Kinder habe sie auswärts aufpassen müssen, erzählt Henriette Dumstorff. Mit ihren Eltern und ihren Geschwistern hielt sie Briefkontakt. „Nur acht Tage Urlaub gab es. Freizeit hatten wir nicht.“

Ein Jahr dauerte ihr Arbeitsdienst. Danach war sie knapp sechs Wochen als Luftwaffenhelferin tätig. Zu diesem Zeitpunkt habe ihr Vater bereits ein Gesuch eingereicht, damit seine Tochter wieder nach Hause konnte. Nach nur vier Wochen habe sie ihr Elternhaus wieder verlassen müssen, erzählt Henriette Dumstorff. Zwei ihrer Brüder wurden eingezogen. Einer kehrte zurück. Der andere fiel 1944.

Erinnerungen

Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Wer dazu eine Geschichte erzählen möchte oder alte Fotos und Dokumete hat, kann sich an die NWZ -Redaktion Friesoythe, Am Alten Hafen 12, Telefon  04491/ 99882900, wenden, E-Mail: red.friesoythe@nordwest-zeitung.de.

Henriette Dumstorff wurde in ein Munitionslager bei Damme abberufen. „Erst war ich ein Jahr in der Küche“, sagt sie. Danach habe sie ein Ekzem am Arm bekommen und musste ihren Arbeitsplatz innerhalb des Lagers wechseln.

Zünder angeschraubt

Fortan wurde sie im Bunker eingesetzt. „Ich musste Zünder für Flakgeschosse andrehen.“ Anfangs habe sie dabei Angst gehabt, sagt Henriette Dumstorff. „Doch man gewöhnte sich daran.“ Neben den Zivilarbeitern und Soldaten seien Tausende Kriegsgefangene unterbracht worden, sagt die 91-Jährige. Einigen von ihnen habe die junge Frau heimlich im Laufgraben Essen zustecken können. Der Kantinenchef habe sie nicht verraten, freut sich die Zeitzeugin.

Während ihres fast dreijährigen Dienstes habe sie auch eine sechswöchige Ausbildung bei der Feuerwehr durchlaufen. „Wir mussten lernen, uns aus 50 Metern Höhe abzuseilen.“ Bei Alarm fuhren sie mit dem Wagen raus. In „Einmannlöchern“ hätten sie zu zweit gesessen und die Flugzeuge beobachtet, sagt die Altenoytherin.

Kurz vor Kriegsende wurde das Lager aufgelöst. „Es kam eine Durchsage, dass wir alle innerhalb von zehn Minuten das Lager verlassen sollen.“ Mit dem Rad fuhren sie und eine weitere Frau Richtung Heimat. Papiere und persönliche Gegenstände habe sie zurücklassen müssen. In der Nacht kamen die Frauen bei einem Bauern unter. „Ein Stück sind wir auf einem Ackerwagen mitgefahren.“ Als Henriette Dumstorff in Bösel ankam, packte ihre Familie bereits. Die Front rückte näher.

Mit dem Ackerwagen flüchteten sie ins Böseler Moor. Dort kam die Familie mit Hunderten weiteren Menschen auf einem Bauernhof unter. „Zu Essen hatten wir genug. Jeder hatte etwas mitgenommen. Es wurde redlich geteilt.“

Ihr Vater habe in dieser Zeit großen Mut bewiesen, erinnert sich die 91-Jährige. Zwei fahnenflüchtige deutsche Soldaten konnte er vor der drohenden Erschießung retten. Ohne zu zögern sei ihr Vater auf den SS-Offizier zugegangen und habe mit ihm gesprochen. Mit Erfolg. Die jungen Männer konnten gehen.

„Wir Frauen haben uns wie alte Leute angezogen, um uns vor den Soldaten zu schützen“, erinnert sich Henriette Dumstorff an die letzten Kriegstage. Als sie wieder zu ihrem Elternhaus zurückkehrte, habe die Familie die erste Zeit nachts im Bunker geschlafen. Die Tage verbrachte sie im Haus.

„Ich habe immer Glück gehabt“, blickt Henriette Dumstorff auf den Krieg zurück.

Melanie Jepsen
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2504

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Feuerwehr Altenoythe | SS

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