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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Pendeln zwischen Generationen

16.09.2015

Cloppenburg Es ist Herbst, eine Herbstzeit in den 1960er Jahren. Die Kinder haben Ferien, Kartoffelferien, und sie verdienen sich mit dem Kartoffeln suchen ein paar Mark. Karl, der Alte, Maries Schwiegervater, hat die Pfänder abgesteckt, und die Kinder wetteifern, wer als Erster sein Pfand abgesucht hat. Johannes, Maries Mann, bedient den alten Kartoffelroder, der von zwei Pferden gezogen wird. Und er überlegt, ob er die beiden Pferde nicht durch einen modernen Traktor ersetzen soll. Die Zeichen stehen auf Aufschwung, das Wirtschaftswunder hat Wohlstand ins Land gebracht.

Zwei Biografien

Margarete Bertschik kam 1997 als Kunsterzieherin ans Cloppenburger Clemens-August-Gymnasium. Dort war Dr. Hubert Gelhaus bereits seit 1978 als Lehrer für Deutsch und Geschichte tätig. Beide gingen 2014 in Pension. Gelhaus’ weiteres großes Betätigungsfeld ist die Geschichte der Region. Unter anderem promovierte er mit einer sechsbändigen Arbeit zum politisch-sozialen Milieu in Südoldenburg von 1803 bis in die 1970er Jahre.

Die Geschichte, die die ehemalige Cloppenburger Kunsterzieherin Margarete Bertschik unter dem Titel „Zeit der Kornblumen“ erzählt, spielt im evangelischen Ostfriesland, könnte sich so aber auch in Südoldenburg zugetragen haben. Denn die Brinkhus waren Heuerleute, bis sich Johannes, der Bauer einen Traum erfüllt. Er erwirbt eine Siedlerstelle in Moorbrügge, die ihm eine unabhängige wirtschaftliche Existenz verspricht. Denn die Zeit der Heuerleute geht ohnehin zu Ende. Karl, der Alte, sträubt sich gegen den Umzug der Familie, weil in Moorbrügge alle evangelisch sind, aber er findet sich schließlich damit ab.

Der neue Roman von Margarete Bertschik pendelt zwischen verschiedenen Generationen und verschiedenen Zeiten. Er erzählt das Leben von Marie Hoffstede, die 1915 geboren wird, parallel zur Zeitgeschichte bis in die Gegenwart nach der politischen Wende im Jahre 1989. Und ja, Marie hat ein Geheimnis, und sie hütet es lange.

Sie hat ihr Gedichte geschrieben, schon viele Hefte voll, und eines Tages überrascht sie ihr zweiter Mann, der Deutschlehrer Andreas Heinrichs, mit dieser Nachricht: Er habe Kontakt zu einem Verlag aufgenommen und der wolle einige Gedichte veröffentlichen. Denn Marie sei eine Dichterin: „Deine Gedichte sind gut. Sie haben etwas Einfaches, Schlichtes und dennoch Wahres. Etwas, was jeder, der sie liest, nachvollziehen kann.“ So bricht Marie zu einer zweiten Karriere als Autorin auf.

Die Worte des Deutschlehrers kann man getrost auf den neuen Roman von Margarete Bertschik übertragen. Er ist einfach und schlicht und enthält dennoch viel Wahres. In diesem Roman haben Menschen noch Träume, und die Autorin sorgt dafür, dass sich einige sogar erfüllen, trotz noch so widriger Umstände. Dafür ist das Leben von Maria Hoffstede ein gutes Beispiel.

Margarete Bertschik hat einen Roman geschrieben, aber nicht im traditionellen Format. Sie löst das Leben von Marie Hoffstede in Stationen auf, die zentrale Fragen des Menschen beleuchten. Ihr Leben vollzieht sich zwischen Altem und Neuem, Beharrung und Aufbruch und ist auch Krise und Schmerz, und das geht jeden an.

„Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Menschen“, wie ein lateinischer Aphorismus besagt, und nur Eines bleibt, die Natur. Und sie scheint eine gute Freundin der Autorin zu sein, denn sie schildert sie voller Hingabe und mit einer Achtsamkeit, die uns an sie als ehemalige Kunstlehrerin erinnert.

Margarete Bertschik, Zeit der Kornblumen, ISBN: 978-3734799556, 11,99 Euro.

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