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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Heimatverein: Immer in die Sprache vertieft

30.07.2019

Ramsloh /Scharrel Karl-Peter Schramm aus Scharrel kann sich noch gut daran erinnern, als der Heimatverein Saterland („Seelter Buund“) vor Jahren einmal in Brüssel als Niedersachsen-Vertretung gewesen ist. Eingeladen worden war der Verein von Marion Erdmann. Sie ist gebürtige Sedelsbergerin, ihr Mann Martin Erdmann war damals Nato-Botschafter und ist heute Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Türkei ist. In Trachten seien die Saterländer damals dort gewesen und hätten an einem saterfriesischen Abend teilgenommen.

Besonders gut in Erinnerung geblieben ist ihm dabei vor allem eins: Gretchen Grosser, wie sie auf Saterfriesisch etwas vorlas und dabei nicht zum Essen kam. Später am Abend habe sie dann zu ihm auf Seeltersk gesagt, dass sie solch einen Hunger hätte. „So sind wir um 24 Uhr noch zum Italiener gegangen“, sagt der Scharreler. Und bei dieser Anekdote muss auch seine „Seelter Buund“-Vorstandskollegin Elisabeth Sibum schmunzeln. „Sie war eine ganz einfache Frau, die viel erzählen konnte...“, sagt Karl-Peter Schramm, „...und die immer in die Sprache vertieft war“, ergänzt Elisabeth Sibum.

40 Jahre Mitglied

Viele liebe Worte haben beide für die kürzlich verstorbene Gretchen Grosser übrig, als sie im Seelterfraiske Kulturhuus in Scharrel über die gemeinsame Zeit mit der Ramsloherin sprechen. Im Archiv des „Seelter Buund“ gibt es zahlreiche Bücher vom Ehrenmitglied des Heimatvereins – von ins Saterfriesisch übersetzte Kinderbüchern wie „Der kleine Prinz“ (Die litje Prins) oder „Der gestiefelte Kater“ (Die stöäwelde Bolsee) über ein saterfriesisches Gesangs- und Gebetsbuch bis zu weiteren Geschichten, die sie auf Seeltersk verfasst hat. Gretchen Grosser war etwa 40 Jahre Mitglied des Heimatvereins, davon 13 Jahre im Vorstand tätig.

„Sie hat unsere Sprache sichtbar gemacht, in dem sie Weltliteratur übersetzt hat. Das ist schon eine Leistung“, sagt Karl-Peter Schramm und betont, welch ein großer Verlust ihr Tod sei. Nach dem Tod von Gesina Lechte-Siemer 2007 und Adelheid Pörschke 2016, sei Gretchen Grosser zuletzt eine der Wenigen gewesen, die noch ins Saterfriesische übersetzt habe. Zwar würden heute viele die Sprache sprechen können, aber übersetzen kaum noch jemand, sagt er. Zumindest nicht im großen Stil, wie Gretchen Grosser es getan hat.

„Sie ist unersetzbar“

So seien zum Beispiel Johanna Evers und Ingeborg Remmers sehr engagiert, was das Übersetzen und den Erhalt der Minderheitensprache angeht. Dennoch: „Gretchen und ihre Kontakte sind unersetzbar“, sind sich Karl-Peter Schramm und Elisabeth Sibum einig. So hofft der „Seelter Buund“, dass Heinz Amberger aus der Pfalz, Student der Frisistik in Kiel, sich weiterhin für die saterfriesische Sprache einsetzen werde. Durch Gretchen Grossers Hilfe hat er sich Seeltersk beigebracht und beherrscht die Sprache heute sehr gut.

Gretchen Grosser selber habe immer gesagt, dass die Sprache nur am Leben gehalten werden könne, wenn schon Kinder für sie gewonnen werden könnten, sagt Elisabeth Sibum. So freute sie sich auch immer, Jurymitglied an den Grundschulen bei saterfriesischen Lesewettbewerben zu sein.

„Frau des Jahres 2018“

Besonders hebt Karl-Peter Schramm auch hervor, dass die Ramsloherin immer selber Geld in die Hand genommen habe, um ihre Übersetzungen zu finanzieren. „Wir vom ,Seelter Buund’ und auch die Gemeinde haben immer versucht, sie zu unterstützen“, sagt er. „Sie war immer ,die Schreiberin’. Wenn wir etwas hatten. wandten wir uns an Gretchen, damit wir es auf Papier hatten“, sagt Elisabeth Sibum.

Der „Seelter Buund“ hatte Gretchen Grosser aufgrund ihres großen Engagements beim Heimatverein und Frauenchor (dort war sie 40 Jahre aktiv) als „Frau des Jahres 2018“ vorgeschlagen – einer Aktion der NWZ und der Spar-und Darlehnskasse. Und dieser Wunsch des „Seelter Buund“ war im Januar 2019 auf dem NWZ-Neujahrsempfang in Erfüllung gegangen. Elisabeth Sibum: „Gretchen hat immer wieder gesagt, wie sehr sie sich darüber freuen würde.“

Tanja Mikulski Friesoythe / Redaktion Münsterland
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