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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Saterfriesin hatte nie das Fernweh gepackt

11.08.2012

RAMSLOH Nie wollte sie woanders wohnen. Bis auf einen kleinen Abstecher, der sie nach Westfalen führte, ist Wilhelmine Espeter – von Freunden kurz Mimi genannt – immer ihrem Saterland treu geblieben. Die Liebe und Verbundenheit zu diesem schönen Fleckchen Erde zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Alles, wofür sich die 77-jährige Ramsloherin engagiert und was sie anpackt, haben zu 99 Prozent mit dem Erhalt und der Pflege der saterfriesischen Sprache zu tun.

Mimi Espeter will weitergeben, was sie als Kind für selbstverständlich hielt: „Zu Hause wurde nur auf Seeltersk gesprochen“, kann sie sich erinnern. Hochdeutsch hat sie erst spät gelernt: „Durch Spielgefährten, die uns das auf der Straße beibrachten.“

Ende der 60er Jahre kam die Wende: „Da wurde es auf einmal verpönt, sich als Eltern mit seinen Kindern auf Saterfriesisch zu unterhalten. Man befürchtete Nachteile fürs Leben.“ Die Folgen waren verheerend: Die Sprache stand kurz vor dem Aussterben.

Das darf nicht sein, dachte sich Wilhelmine Espeter. Auf Initiative des Seelter Buunds, in dem sie 30 Jahre lang Mitglied war, gründete sie 1995 mit Maria Hüntling, Elisabeth Brinkmann und Reanate Brinkmann eine Gruppe, die seitdem wöchentlich die Kinder aus dem St. Jakobus-Kindergarten mit Grundbegriffen der saterfriesischen Sprache vertraut macht. Dort ist auch die Idee entstanden, die alte Tradition vom Kränzebinden und Flöteschnitzen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Immer im Frühjahr, wenn das Eschenholz noch grün und weich ist, treffen sie sich auf dem Torfwerk in Ramsloh, singen dort saterfriesische Lieder und lehren den Nachwuchs, was es heißt, ein waschechter Saterfriese zu sein.

Stolz ist die achtfache Großmutter darauf, dass der Erfolg ihrer aller Bemühungen zu hören ist. Bei Gemeindefesten etwa sieht sie die ehemaligen Kindergartenkinder häufig wieder, mit denen dann erst einmal eine Runde auf Seeltersk geplaudert wird.

Dem Singen gehört die andere Leidenschaft von Wilhelmine Espeter: 17 Jahre bei den Seelter-Sjungeren und seit zwei Jahren bei den Foan-Leeuwerkere – den Moorlärchen. Einen Großteil der Lieder schreibt die 77-Jährige selber. Auch die Liedtexte für den Saterfriesch-Unterricht mit den Kindern stammen von ihr oder der verstorbenen Heimatdichterin Lechte Siemer. Mit einer Auswahl ihrer Liedern haben sie 2008 am Cloppenburger Chorfestival „Kleine Leute, bunte Lieder“ teilgenommen.

Doch bei allem Engagement macht Wilhelmine Espter deutlich: „Man kann sich noch so sehr für den Erhalt der Sprache einsetzen: Es bringt nichts, wenn sich nicht die Eltern zu Hause mit den Kindern auf Saterfriesisch unterhalten. Dort muss es beginnen.“

Mirja Zipfel Friesoythe / Redaktion Münsterland
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