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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Einsam für ein Leben mit Gott

14.11.2019

Stapelfeld Ob sie sich so alleine im Wald nicht fürchte, wollte eine Zuhörerin von Maria Anna Leenen wissen. „Nein, was soll mir schon passieren. Erstens findet mich keiner, und wenn doch einer kommt und ,Geld oder Leben’ fordert, dann müsste ich ihm sagen: Das Leben, Geld habe ich keins“, sagte sie.

Seit 25 Jahren lebt die 63-Jährige als Eremitin in einer kleinen Klause (abgeschiedener Aufenthaltsort eines Einsiedlers) im Artland. Sie schreibt geistliche Gedichte und Bücher, bietet geistliche Begleitungen an und hält hin und wieder Vorträge über ihr Leben mit Gott. Beim traditionellen Martinsabend sprach sie nun in der Katholischen Akademie Stapelfeld.

Auf Einladung der Akademie und des Bischöflich Münsterschen Offizialats hörten knapp 150 Personen staunend zu und stellten viele Fragen. „Ich trage keinen Habit, bin nicht weltfremd, keine Nonne, und ich schlafe nicht in einem Sarg“, sagte Leenen und räumte so mit einigen Klischees auf. Eremiten gibt es in Deutschland seit dem vierten Jahrhundert. Seit den frühen 1970er Jahren ist diese Lebensform immer populärer geworden. Heute sind laut Leenen allein in Deutschland über 100 Eremiten bekannt. Leenen selbst gehört keinem Orden an, sondern untersteht dem Bischof von Osnabrück.

Der Lebensweg der gebürtigen Osnabrückerin verlief ursprünglich alles andere als eremitisch. Mit 29 Jahren übersiedelte die seinerzeit evangelische Sportlehrerin und Bewegungstherapeutin mit ihrem Freund nach Venezuela. „Wir wollten dort Wasserbüffel züchten und schnell reich werden.“ Doch irgendwann merkte sie, dass ihr etwas fehlt. Hungrig nach Lesestoff verschlang sie ein Buch über Marienerscheinungen.

„Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“: Dieser einfache Satz aus dem Buch bewirkte bei ihr eine Lebenswende um 180 Grad, berichtete sie. „Man kann das wohl nur schwer verstehen.“ Nach eineinhalb Jahren zog sie wieder nach Deutschland und begab sich auf die Suche nach einem Leben mit Gott.

Sie engagierte sich in der Obdachlosenhilfe und näherte sich dem katholischen Glauben an, den sie schon in Venezuela intensiv kennengelernt hatte. Nach ihrem Übertritt zum Katholizismus probierte sie klösterliches Leben bei einer Ordensgemeinschaft in Münster aus, merkte dann aber doch, dass ihr das Eremitenleben mehr lag. Eine passende Klause fand sie im Artland.

Zuerst sei Einsiedelei wie ein spiritueller Urlaub, sagt die Eremitin. Doch dann beginne ein unmerklicher Prozess der Einsamkeit. Kein Telefon, kein Radio, kein Fernseher, keine Partys, kein Shoppen oder Doppelkopf. Nur arbeiten, beten, die Einsamkeit mit sich selbst und Gott. Natürlich könnten nicht alle Christen als Einsiedler leben, aber das Eremitentum gehört zum Christentum dazu, sagte Leenen, die von intensiven Gotteserfahrungen und Kraftzentren berichtete. So ein Leben sollte man aber nicht zu früh beginnen. Frühestens mit 30 oder 35 Jahren sei man dafür stabil genug, ist ihre Erfahrung.

Viel zum Leben braucht Leenen nicht. Ihren Unterhalt bestreitet sie durch ihre Ziegen, einzelne Vorträge und das Schreiben von Büchern und Gedichten. Dafür hat sie inzwischen auch einen Computer und eine Telefonleitung. Und wer sich mal in ihr Leben hineinversetzten möchte, für den hat sie einen Tipp: „Fangen Sie klein an und versuchen Sie einfach, zehn Minuten still zu sein und nichts zu machen. Da merken Sie schnell, wie lang zehn Minuten sein können.“

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