• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Premiere: Stück zwischen Moral und Gier

08.03.2016

Friesoythe Wenn man in einer schulischen Theater-AG mitwirkt, so müsse man „schon ein wenig masochistisch oder zumindest ein bisschen exhibitionistisch veranlagt sein“, sinniert Regisseur Peter Langer im Programmheft. Schließlich übernehmen die Schüler die Proben- und Organisationsarbeiten zusätzlich zu den schulischen Pflichten, die gerade in der Oberstufe eher zu- als abnehmen. Und es gehört auch Mut dazu, sich in das Abenteuer Theateraufführung zu stürzen: Gerade mal zwanzig wöchentliche Treffen sowie ein paar Probentage, insgesamt etwa 50 Arbeitsstunden, mussten für Textauswahl, Textbearbeitung, Rollenvergabe, Proben, Kostümerarbeitung, Bühnenbild, Beleuchtung et cetera genügen. Kann das gut gehen?

Es kann. Der Spagat zwischen Tragödie, Komödie und Groteske, die allesamt in Friedrich Dürrenmatts Stück „Der Besuch der alten Dame“ angelegt sind, gelingt dank dramaturgischer Ideen und schauspielerischer Leistungen nahezu ohne Brüche. Die 20 Schülerinnen und drei Schüler zeichnen bei der Premiere am Sonnabend gekonnt und treffsicher das Bild einer irgendwo in Mitteleuropa angesiedelten Kleinstadt zwischen Moral und Gier, zwischen Recht und Korrumpierbarkeit, und irgendwann ist man als Zuschauer so stark vom Stück gefangen, dass sich die zentrale Frage ganz von selbst stellt: Wie hätte ich mich entschieden?

Schwierige Entscheidung

Denn die Entscheidung, vor der die Bürger der kleinen, verarmten Stadt Güllen stehen, ist nur auf den ersten Blick einfach: Tötet Alfred Ill, sagt Claire Zachanassian, und die verarmte Stadt bekommt von mir eine Milliarde. Eine Hälfte ist für die Stadtkasse, die andere wird auf die Familien verteilt.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Claire Zachanassian (hervorragend gespielt von Friederike Kreilkamp) ist Multimilliardärin und stammt selbst aus Güllen. Als Kläri Wünsche hatte sie dort in jungen Jahren eine Liebesbeziehung mit Alfred Ill (absolut überzeugend: Janik Daniels), die in einer ungewollten Schwangerschaft endete. Alfred bestritt die Vaterschaft. Kläri verließ die Stadt und wurde auf dem Umweg über das Bordell die Frau und Witwe des Milliardärs Zachanassian. Jahrzehnte später kommt sie unermesslich reich zurück nach Güllen, und ihre verarmte Heimatstadt erhofft sich einen reichen Geldsegen.

Natürlich weist die Bürgermeisterin (Sandra Tebelius macht als Politikerin eine ausgezeichnete Figur) das Ansinnen im Namen der Stadt auf das Schärfste zurück, doch die anfängliche Empörung über das unmoralische Angebot legt sich rasch. Gier schlägt Moral, nach und nach verfallen alle Güllener der Aussicht auf den schnellen Reichtum. Selbst Ills Familie (Lisa Hunfeld als seine Frau, Silja Kröger und Narona Beqiri als Kinder) verfallen dem Geld.

Am längsten dauert der Prozess beim Lehrer, dessen innere Zerrissenheit Lars Feldmann eindrücklich vermittelt. Kann das sein? Dürrenmatt selbst hat im Nachwort zur Buchausgabe geschrieben, dass er sich „von diesen Leuten durchaus nicht distanziert“ und selbst nicht sicher sei, wie er handeln würde.

Gute Wahl getroffen

Die alte Dame ist die einzige, die erkennbar keine Zweifel an ihrem Tun hat. Friederike Kreilkamp mimt die Sicherheit, die Arroganz und Kaltschnäuzigkeit der Milliardärin so überzeugend, als wäre sie auf dem internationalen Finanzparkett zuhause. Ihr gegenüber steht Janik Daniels, der seinen Alfred Ill gekonnt das gesamte Spektrum von Fassungslosigkeit über Angst und Wut bis hin zur Resignation durchleiden lässt. Mit seinen beiden Hauptdarstellern hat Regisseur Peter Langer ohne Frage eine gute Wahl getroffen, doch auch die Nebenrollen überzeugen allesamt, Fee Geesen und Enrico Schlegel als blinde Eunuchen Koby und Loby beispielsweise, deren Geschichte zeigt, dass die Erbarmungslosigkeit der Milliardärin nicht auf Alfred Ill beschränkt bleibt.

Die verbleibenden Aufführungen am kommenden Freitag und Sonnabend, jeweils 19.30 Uhr im Forum am Hansaplatz, haben auf jeden Fall ein volles Haus verdient.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.