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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Wandern und Hämmern für einen guten Zweck

19.09.2015

Friesoythe Es ist laut, es hämmert, es dröhnt. Ohne Ohrenschutz hält man es nicht lange aus. Neben Ohrenschützern trägt sie aber auch noch eine etwas altertümliche Weste, einen Stoffhut und Abzeichen ihrer Zunft. „Es ist ein Stück Freiheit. Man muss das einfach wollen“, sagt sie, Constanze Pfundt. Sie kommt aus Leipzig – ist Goldschmiedin und auf Wanderschaft. Zu Fuß machte sie sich mit knapp 40 weiteren Gesellen auf nach Friesoythe. Hier findet unter dem Motto „Begegnung“ das diesjährige Metallertreffen der wandernden Handwerker statt. Es wird zusammen eine Woche lang gezimmert, geschmiedet und genietet – für den guten Zwecke. Die Gesellen bauen einen neuen Pavillon, der einen Bereich zwischen St.-Marienhospital und St.-Elisabeth-Haus überdachen soll – passend zum Eisenfest.

Wanderschaft

Die Walz, Wanderschaft oder Tippelei genannt bezeichnet die Zeit der Wanderjahre von Handwerksgesellen nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit. Entstanden ist diese Tradition im Spätmittelalter in den Dombauhütten und war bis zur beginnenden Industrialisierung eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Meisterprüfung.

Mit der Zerschlagung der Zünfte wurde die Wanderpflicht aufgehoben. Die traditionelle Wanderschaft blieb aber dennoch erhalten, da die Walz eine gute Möglichkeit bietet, neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Länder und Lebensgewohnheiten kennen zu lernen, sowie Lebenserfahrung zu sammeln.

Die Gesamtanzahl an reisenden Handwerkern schätzen die Wandergesellen aktuell in Europa auf etwa 500. Sie kommen vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Auch Frauen gehen seit dem Ende der 1970er Jahre auf die Walz. Heute machen sie etwa zehn Prozent der reisenden Handwerker in Europa aus.

Doch was verschlägt die Goldschmiede, Schlosser, Steinmetzer, Dachdecker, Holzbildhauer, Maler, Schneider und Tischler nach Friesoythe? Hinter der Idee steckt kein geringerer als Stadtschmied Alfred Bullermann. Im September vergangenen Jahres lud er ein paar bekannte reisende Schmiedegesellen zum Eisenfest an. Darunter war auch Lukas Nelkenbrecher aus Naumburg an der Saale, der zusammen mit Constanze Pfundt und Manuel Mährlein aus Dittenheim in Mittelfranken zur Vorbereitungskommission des diesjährigen Metallertreffen gehört. Bullermann schlug ihnen vor, das nächste Treffen in Friesoythe abzuhalten.

„Die Idee zum Projekt kam dann von der Stadt. Es ist Tradition für uns Wandergesellen, auf unseren Treffen gemeinsam etwas für einen guten Zweck zu bauen“, sagt Projektleiter Mährlein. Gesagt, getan. Nach einer fünfwöchigen Planung ging es am Montag los. Treu dem Motto „von Südosten bis Nordwesten, von der Lausitz bis zur Pfalz und alle auf der Walz“ wanderten die Gesellen ohne Handy und Technik nur mit ihrer kargen Bekleidung – ganz nach Vorschrift und Tradition – nach Friesoythe.

Die Stahl- und Metallbaufirma Kühling an der Friesoyther Eschstraße stellt den Gesellen ihre Halle, Werkzeuge und Räume zur Verfügung. Dort wird übernachtet, gearbeitet und gemütlich beisammen gesessen. Möbel bekamen die Handwerker vom Sozialen Briefkasten gestellt – Verpflegung aus der Krankenhausküche.

Doch das neue sechseckige Dach – sechseckig ist es übrigens wegen den drei Jahren Lehrzeit und den drei Jahren Wanderschaft – ist nicht das einzige Projekt. Aus Schrott haben die fleißigen Hände bereits eine sechs Meter lange Eisentheke hergestellt. „Diese Theke wird am Sonntag um 19 Uhr beim Eisenfest an der Bürgermeister-Krose-Straße still versteigert“, sagt Constanze Pfundt. Der Erlös aus der Versteigerung kommt unter anderem der Friesoyther Tafel und „Jedem Kind eine Chance“ zu Gute.

Nach dem Eisenfest wird weiter gewandert. „So ein Chance bekommt man kein zweites Mal im Leben. Zu Fuß nimmt man mehr mit“, so Pfundt.

Heiner Elsen
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2906

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