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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

„Nimm Leben selbst in die Hand“

14.10.2017

Westerstede Es war ein schleichender Prozess. Langsam, aber stetig ging es bergab. Stress bei der Arbeit als Krankenpfleger und nebenbei als DJ, massives Drogenproblem, vergebliche Suche nach wirklichen Perspektiven. Und dann auch noch das: Plötzlich ein Messer im Bauch. Die Klinge verfehlt nur knapp das Herz. Akute Lebensgefahr. Not-OP. Auslöser eines schweren Traumas – und gleichzeitig der Wendepunkt im Leben von André Müller-Jekosch.

Den Job quittiert, von den Drogen weggekommen, das Trauma therapiert, hat der 42-Jährige heute einen anderen Blick aufs Leben. Und er hat Wege gefunden, diese Sichtweise und seine Erfahrungen weiterzugeben. Er ist freiberuflicher Supervisor, Coach, Vortragskünstler und einer der führenden Trainer im Umgang mit Hilflosigkeit und Ohnmacht in Deutschland.

Hoffnungsvoll und würdig

Um so viele Menschen wie möglich zu erreichen, hat Müller-Jekosch jetzt ein Bühnenprogramm entwickelt. Die Lebenslust-Tour 2017. „Es ist ein Unterhaltungsabend zwischen Kabarett und Vortrag, mit Humor, Ernsthaftigkeit und Musik, der die Dynamiken des Lebens zeigt und Klarheit, Zuversicht und viele neue Möglichkeiten schafft“, beschreibt er die Veranstaltung, die am Montag, 27. November, im Saal des Kreishauses in Westerstede zu erleben sein wird (siehe Info-Kasten). Kooperationspartner ist das Ammerlandhospiz in Westerstede.

Vorverkauf bereits gestartet

Zum Start der Lebenslust-Tour 2017 hat André Müller-Jekosch drei Termine geplant. Zunächst tritt er am 25. November in seiner Heimat Lilienthal auf. Am Montag, 27. November, kommt er dann nach Westerstede. Beginn im Saal des Kreishauses (Ammerlandallee 12) ist um 19.30 Uhr. Einlass und Öffnung der Bar ist bereits eine Stunde früher. Kooperationspartner ist das Ammerlandhospiz. Einen Tag später folgt ein Auftritt im Friesoyther Forum am Hansaplatz.

Der Vorverkauf ist bereits angelaufen. Karten für die Vorstellung in Westerstede sind für zwölf Euro in der Buchhandlung Lesezeichen an der Peterstraße in Westerstede erhältlich. An der Abendkasse kostet der Eintritt 14 Euro. Von jeder gekauften Eintrittskarte werden zwei Euro an das Ammerlandhospiz gespendet.

Musikalisch begleitet wird Müller-Jekosch von Luna Chaplin aus Bremen. Ihre Lieder werden beschrieben als sanftmütig, mal schonungslos ehrlich, mal voller Energie und Lebensfreude und mal tieftraurig.

Er will die Besucher mitnehmen auf eine „Achterbahn der Tabuthemen“, wie er selbst sagt. Beziehungsdynamik, Abhängigkeit, Stress, Hilflosigkeit, Tod und Abschied sind solche Themen, auf die Müller-Jekosch einen hoffnungsvollen und immer auch würdigen Blick werfen will. Und er möchte die Augen für die Schönheit des Lebens und des Alltags öffnet. Sein Credo: „Nehmt Euer Leben selbst in die Hand.“

„Bei aller Ernsthaftigkeit funktioniert das, was ich vermitteln will, mit Humor am besten“, sagt der 42-Jährige. Man könne zum Beispiel sehr wohl humorvoll aufs Sterben schauen („Man kann traurig sein, muss man aber nicht.“). Auch könne man mit Spaß den Menschen einfach den Spiegel vorhalten. „Das funktioniert gut“, sagt Müller-Jekosch. Es müsse aber kein Zuschauer befürchten, selbst den Spiegel vorgehalten zu bekommen. „Den halte ich mir schon selbst vor. Zum Beispiel was meine eigene Drogenvergangenheit betrifft. Und ich bin mir gegenüber ziemlich respektlos“, sagt er.

Dabei sei der Abend keinesfalls eine alberne Spinnerei, sondern stehe auf einer wissenschaftlichen Basis und biete ernsthafte Modelle. „Das ganze Wissen, wie man mit Problemen umgehen und Wege aus schwierigen Lebenssituationen finden kann, ist ja vorhanden. Und ich mache das Fenster zu diesem Wissen auf.“

Arbeit in der Psychiatrie

Die Veranstaltung im Kreissaal ist für André Müller-Jekosch fast ein Heimspiel. Gebürtig kommt er nämlich aus dem Nachbarlandkreis Cloppenburg. genauer aus Reekenfeld in der Gemeinde Barßel. Er machte am Albertus-Magnus-Gymnasium in Friesoythe 1994 Abitur. Nach seinem Zivildienst am damaligen Barßeler Krankenhaus absolvierte er im Krankenhaus Bremen-Ost eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Danach wechselte er in die forensische Psychiatrie der Bremer Klinik und wurde dort 2001 Stationsleiter.

Fünf Jahre später wurde er in der Psychiatrie von einem gerade eingelieferten Straftäter mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt. Erst einige Monate später machte er eine Traumatherapie und begann mit der Drogenabstinenz. „In dieser Phase war es schwierig, mein Leben zu sortieren“, sagt Müller-Jekosch. Aber er hatte es geschafft. Er kehrte zurück in seinen Beruf und ließ sich 2008 nebenberuflich zum Supervisor/Coach ausbilden. Später machte er sich selbstständig.

Eigene Methodik

Seine Schwerpunkte liegen darin, Menschen in beruflichen Grenzbereichen Hilfestellungen zu bieten, Menschen, die Gewalt und Tod erleben, Wege aufzuzeigen, damit umzugehen. Dazu hat er selbst eine Methodik entwickelt, den sogenannten Ohnmachtszirkel. Seine Klienten reichen von Einrichtungen der Kinderhospizarbeit bis hin zur Polizei. André Müller-Jekosch lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern (vier und sechs Jahre alt) in Lilienthal bei Bremen.

Carsten Bickschlag
Redaktionsleitung Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2900

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Albertus-Magnus-Gymnasium | Polizei

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