Cloppenburg - Das Ausstellungsjahr auf dem zerknitterten Militärführerschein von Wilhelm Boning (92) ist kaum noch lesbar – 1941. In eine zivile Fahrlizenz umschreiben lassen „habe ich ihn 1947/48 in jedem Fall vor der Währungsreform“, erinnert sich der in Wildeshausen geborene Cloppenburger Ex-Banker. Danach folgten die jeweils gültigen Führerscheine. Aktuell steckt, und das ist Boning ein Bedürfnis, der EU-Führerschein in seiner Brieftasche. Das Vorgängermodell hat er schon lange umgetauscht.

Selbst fahren will Boning, der nach zahlreichen Autos vom Fiat Topolino über etliche Ford-Modelle seit mehr als 20 Jahren auf den guten Stern aus Sindelfingen schwört, solange es gesundheitlich geht. Gewähr dafür bieten ihm jährliche Generalchecks beim Arzt sowie regelmäßige Augenuntersuchungen und Blutdruckkontrollen. Als Verkehrsteilnehmer ist er sich seiner Verantwortung in Sachen Sicherheit bewusst.

Während ein Autofahrer, der bei der Polizei einen „Lappen“ vorlegt, den die Reichsführerscheinstelle ausgegeben hat, im 21. Jahrhundert zu den Kuriositäten gehört, sind illegale Fahrlizenzen Tagesgeschäft. Das sagt Oberkommissar Jan-Dirk Meiners, Sprecher der Polizeiinspektion (PI) Cloppenburg/Vechta. Er nennt es Führerscheintourismus. Oft legen deutsche Autofahrer „Karten“ aus Litauen und Polen vor. Die gelten in Deutschland nur, wenn die Inhaber einen Wohnsitz im Ausstellerland haben. Oft liegen nur scheinmäßige Anmeldungen vor.

Bei Zweifeln an der Echtheit eines vorgelegten Führerscheins kommen Dokumentenprüfer zum Einsatz. Diese Spezialisten gibt es bei der PI und bei der Autobahnpolizei in Ahlhorn. Sie filtern auch Fälschungen auf amtlichem Papier heraus. Werden sie fündig, folgt ein Strafverfahren für die Ertappten.

Führerscheinentzüge, das weiß Constanze Thöle von der Fahrerlaubnisstelle im Kreishaus, haben zunehmend Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz als Grund. 2015 waren es im Kreis Cloppenburg 83 Fälle. Sie erinnert sich an einen Mann, der seinen „Lappen“ nach Cannabiskonsum los wurde. Der habe wenig Verständnis für die Behörde gezeigt, warf Thöle vor, Recht zu Unrecht zu machen, und strengte eine Dienstaufsichtsbeschwerde an. Schließlich stellte er den Beamtenstatus als solchen in Frage.

Angenehmere Kundschaft hat Thöles Kollegin Sabine Hochartz. In ihre Verantwortungsbereich fallen Anträge auf den Umtausch von Fahrlizenzen. 2015 waren es 532. So erinnert sie sich etwa an 18-Jährige, die nach dem begleiteten Fahren der Ausstellung ihres ersten richtigen Führerscheins entgegenfiebern.