• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

226 Kilometer lang enorme Willenskraft

22.07.2017

Barßel /Roth Es war eine Leistung des absoluten Willens. Der Triathlet Heinz-Hermann Thelken vom STV Barßel ist an seine körperlichen Grenzen gegangen – mit Erfolg.

Der 55-Jährige ist beim Wettkampf „DATEV Challenge Roth“ 2017, der als weltweit größte Triathlon-Veranstaltung auf der Langdistanz gilt, ins Ziel gekommen. Thelken bewältigte die intensiven 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und die 42,2 kilometerlange Marathondistanz im mittelfränkischen Roth in starken 11:16:53 Stunden. Damit belegte der Barßeler in der Gesamtwertung unter den rund 3400 Einzelstartern aus 71 Nationen den 1154. Platz (1088. der Männerkonkurrenz, Rang 21 in der Altersklasse 55).

Gigantische Eindrücke

„Für mich war es der schönste Moment in meiner Triathlon-Karriere“, betont der Hobby-Athlet und Technische Angestellte im Vertrieb (Spezialkabel), der diesem Sport in seiner Freizeit nun schon seit mehr als 15 Jahren nachgeht. Mit seinem Sohn Hendrik und seiner Frau Angelika war er vor knapp 20 Jahren in den STV Barßel eingetreten und zunächst als (Marathon)-Läufer aktiv.
Für diese außergewöhnliche Triathlon-Herausforderung in Roth hatte er sich eine Zielzeit unter zwölf Stunden vorgenommen.

Zum ersten Mal nahm Heinz-Hermann Thelken am „Challenge Roth“ teil. Es sei nicht leicht, einen Startplatz zu ergattern für den laut einer Umfrage unter Athleten schon länger beliebtesten Langdistanz-Triathlon in Europa. Per Online-Verfahren hatte er sich eingeschrieben. Begleitet wurde er von seiner Frau.

Die Eindrücke vor Ort in und um Roth beschreibt der 55-Jährige als „gigantisch“. Mehr als 260 000 Zuschauer feuerten die Triathleten inmitten der malerischen Kulisse frenetisch an. Um 7.35 Uhr morgens fiel für seine Startgruppe am Sonntag, 9. Juli, der Startschuss für die 226 Kilometer lange Tagesdistanz, oder wie die Triathleten sagen: „der längste Tag“. Aus dem Wasser des Main-Donau-Kanals stieg Heinz-Hermann Thelken nach 3,8 Kilometern mit einer Zeit von 1:27:35 Stunde.

Die anspruchsvolle Radstrecke über 180 Kilometer erstreckt sich über eine abwechslungsreiche und idyllische Landschaft. Sie führt am Rothsee vorbei, durch waldreiches Gebiet über Eckersmühlen und das mittelalterliche Heideck sowie über den Selingstädter und den Solarer Berg. „Man wird von den Zuschauern förmlich hochgetragen“, zeigt sich der Barßeler tief beeindruckt von der außergewöhnlichen Atmosphäre an letzterem Berg. 20 000 bis 30 000 Menschen sollen es gewesen sein. „Man fährt durch eine Menschengasse, die ungefähr einen Meter breit ist“, weckt Heinz-Hermann Thelken Erinnerungen an legendäre Aufstiege bei der Tour de France.

Toten Punkt überwunden

Zwischendurch stärkte sich der Barßeler, der bei diesem Wettkampf für den Edewechter Schwimmverein startete, unter anderem mit Power-Gels, Bananen und natürlich viel Flüssigkeit. „Ich hatte eine Trinkflasche am Lenker und eine am Rahmen, in der sich eine Apfelschorle-Salzlösung befand“, verrät der 55-Jährige, der sich sehr bewusst ernährt, keinen Alkohol trinkt und seit mehr als 15 Jahren auf Fleisch und Fisch verzichtet. „Ich habe meinen persönlichen Weg gefunden.“

Auch von einem Defekt am Rad bei einer Steigung am Berg – die Kette war abgesprungen – ließ sich der 55-Jährige nicht aus der Bahn werfen. Nach 5:41:57 Stunden und viel Seitenwind wechselte er auf die 42,2 Kilometer lange, neue Laufstrecke, die als zweimal zu durchlaufende Wendepunkt-Route durch die Altstadt von Roth bis nach Büchenbach und zurück führt, ehe man in das im Rother Stadtpark gelegene Triathlon-Stadion einläuft. Die Streckenbeläge seien ganz unterschiedlich gewesen, von Kopfstein über Basalt und Asphalt bis hin zur Sandschotterpiste.

Zwei Anstiege galt es zu meistern. Der Richtung Büchenbach ist fast einen Kilometer lang. Die Hitze – 30/31 Grad – habe den Athleten zu schaffen gemacht, so Thelken. Einige Läuferinnen und Läufer mussten das Rennen dehydriert bzw. mit Kreislaufproblemen abbrechen. Bei Kilometer 22/23 habe er einen toten Punkt gehabt, erzählt der 55-Jährige. „In so einer Situation muss man mental bereit sein und sich sagen: Ich schaffe das“, betont der durchtrainierte Barßeler. „Ich habe dann in kürzeren Abschnitten von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation gedacht.“

Um Kilometer 30 habe er dann wieder „gut Pace aufnehmen können“. Die Unterstützung der Zuschauer habe ihn zudem erneut extrem motiviert. „Heinz-Hermann, du siehst gut aus“, „Heinz-Hermann, da geht noch was“, hätten sie ihm zugerufen.

Als einer von rund 2470 Finishern lief Heinz-Hermann Thelken unter dem tosenden Jubel der Zuschauer ins Ziel. Über Lautsprecher wurde sein Name verkündet. 3:57:45 Stunden brauchte er für die Marathon-Distanz. „Es war gigantisch“, beschreibt der 55-Jährige die Gänsehautatmosphäre im Stadion. „Man wird hineingetragen.“

Im Ziel verspüre man pures Adrenalin. „Ich habe erst vor dem Duschen gemerkt, dass ich nicht in die Hocke komme, um mir die Schuhe aufzumachen“, lacht der Barßeler. Er habe sich aber bereits einen Tag später wieder relativ normal bewegen können.

Begegnung mit Vorbild

Akribisch hatte sich Heinz-Hermann Thelken seit Dezember 2016 auf den „Challenge Roth“ vorbereitet. „Ich habe mir einen Trainingsplan von einem Sportwissenschaftler aus Oldenburg schreiben lassen“, berichtet der 55-Jährige. Teilweise fünf- bis sechsmal in der Woche habe er für mehrere Stunden täglich die verschiedenen Disziplinen bei Wind und Wetter trainiert.

Neben dem sportlichen Erfolg wird Heinz-Hermann Thelken auch die Begegnung mit seinem Vorbild, dem amtierenden Ironman Hawaii-Sieger Jan Frodeno, in besonderer Erinnerung bleiben. Mit ihm absolvierte der Barßeler am Freitag vor dem Wettkampf noch einen lockeren Trainingslauf. „Er hat uns gute Tipps gegeben“, so Thelken. „Er ist ein kompletter Athlet.“

Nun freut sich der 55-Jährige ganz besonders auf den 10. Barßeler Hafenfestlauf am Freitag, 25. August, dessen erstes Rennen um 17 Uhr beginnt. Seit nunmehr zehn Jahren gibt Heinz-Hermann Thelken die Startnummern aus. „Der Lauf hat sich etabliert und eine überregionale Bekanntheit erlangt. Es ist eine super attraktive Laufstrecke, die ich gerne früh morgens oder abends nach Feierabend laufe“, schwärmt er. Die 10-Kilometer-Route sei flach, schnell und landschaftlich sehr schön. Es gebe viele positive Rückmeldungen.

Trotz seiner offiziellen Funktion lässt es sich der Triathlet nicht nehmen, hin und wieder selbst beim Hafenfestlauf mitzulaufen. „Es ist meine absolute Lieblingsstrecke“, sagt Heinz-Hermann Thelken.

Die Vorfreude steigt: „See you at the finish line“, wie die Triathleten sagen.

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2083
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.