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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Sportart Vor Dem Aussterben: Auf der Kegelbahn geht das Licht aus

17.02.2018

Bösel Franz Sommer erinnert sich gut noch an seine Kindheit: Am Ende der 19,50 Meter langen Bohlenspur warteten Kegeljungen darauf, die Holzpins für ein Taschengeld wieder aufzustellen. Es wurde geraucht und Bier getrunken, stundenlang. Zeiten ändern sich. Jetzt hat Franz Sommer die Bahn stillgelegt.

Als Josef und Lisbeth Sommer 1953 den alten Gasthof übernahmen, gab es schon eine Kegelbahn. Ohne Schnick-Schnack, Handbetrieb. 1930 war das Gebäude in nur drei Monaten erbaut worden. Pfarrer Franz Sommer wollte ein Jugendheim haben. Auch eine Sportkegelbahn gehörte zum am 22. Juni 1930 eingeweihten Gebäude, das die Katholische Jugend aber Mitte der 30er Jahre wieder verkaufte.

Sportkegler jetzt bei Hempen-Hagen

Der Sportkegelclub Bösel hat bis Januar auf den Bohlebahnen bei Sommer trainiert. Nun seien die Sportkegler zur Gaststätte Hempen-Hagen umgezogen, informiert Karl Albers, Vorsitzender der Sportkegler. Dort stehen ihnen Doppel-Bohle- und Doppel-Scherenbahnen zur Verfügung.

Trainiert wird einmal die Woche. Die 1. Herren spielt in der Verbandsoberliga, die 2. Herren in der Bezirksoberliga. Aber auch die Böseler Sportkegler haben unter Mitgliederschwund zu leiden. Vor allem die Jugend fehle, sagt Karl Albers. Aushängeschild des Vereins ist Nadine Lapke, die sogar in den Bundeskader berufen worden ist.

Nach dem Krieg übernahm Otto Ganseforth die Gastwirtschaft, hinter der Kegelbahn betrieb er noch eine Bäckerei. Dann kamen die Sommers; Sie waren zuvor in Lorup Gastwirte gewesen. Sie bauten das Gebäude um und erweiterten, zogen 1955 ein. Bis 1968, erinnert sich Franz Sommer, blieb die einzige Kegelbahn in Betrieb. Dann wurden zwei moderne Bahnen gebaut, die 1981 um drei weitere Bahnen ergänzt wurden.

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„Die Kegler werden immer älter“, beklagt Franz Sommer. Und das Interesse lässt nach. Wie vielerorts auch. „Die Jungen kommen nicht nach“, stellt nicht nur der Böseler Gastwirt fest.

1885 wurde der Deutsche Kegler- und Bowlingbund (DKB) gegründet, 15 Jahre vor dem Deutschen Fußball-Bund. Kegeln, das war immer ein Stück Kulturgut wie die Schützenvereine. Mittlerweile hat sich die Zahl der organisierten Kegler von 200 000 auf rund 80 000 reduziert. Und nur noch jeder zehnte der organisierten Kegler ist jünger als 18 Jahre, der Altersdurchschnitt liegt bei weit über 50 Jahren, Tendenz steigend. Die Zahlen lügen nicht: Das Kegeln liegt im Sterben.

Die einst mehr als 5000 Kegelvereine und -klubs in Deutschland mieteten – anders als Volleyballer oder Tischtennisspieler, die stets in öffentlichen Sporthallen trainieren und spielen – ihre Bahnen von Gastwirten und mussten den Sport aus eigener Tasche bezahlen. Aber die Gastwirte verdienten damals prächtig, wenn sie Wettkämpfe ausrichten durften.

Einst standen in Bösel die Interessenten Schlange. „120 Klubs hatten wir und eine lange Warteliste mit bis zu acht Klubs“, erinnert sich Franz Sommer. Jung und Alt vertrieben sich die Feierabende, die Belegpläne waren teilweise auf Wochen ausgebucht. Kegeln und alles, was damit zu tun hatte, boomte.

Und heute: „Wir haben nur noch 50 Klubs, mit abnehmender Tendenz“, sagt Sommer. Statt einmal in der Woche werde oft nur noch einmal im Monat gekegelt. Manche Senioren kegeln überhaupt nicht mehr, sondern trafen sich nur zum Klönen auf der Bahn.

In der Regel wird auf Anlagen gespielt, die während des 70er-Jahre-Booms entstanden. Holzvertäfelte Wände, grüner Filz auf dem Boden. Die alten Tafeln, auf denen die Ergebnisse mit Kreide eingetragen wurden, hingen auch bei Sommer noch.

Erneuern? Bei Kosten von rund 15 000 Euro pro Bahn? Lohne sich nicht mehr, berichtet Franz Sommer. Jetzt wird das Gebäude umgebaut.

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