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Aktualisiert vor 5 Minuten.

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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Gespräch: Vier Frauen reden über ihre Fußball-Leidenschaft

20.07.2020

Bunnen Bis zum Herbst 1970 gab es in Deutschland ein Frauen-Fußball-Verbot. Dieses Verbot hob der Deutsche Fußball-Bund erst am 31. Oktober 1970 auf. Gut 50 Jahre später wollte die NWZ-Sportredaktion Cloppenburg wissen, wie es derzeit um den Frauenfußball steht. Wir trafen uns mit Ulrike Kleyer, Juliane Dellwisch, Anna Niehaus und Jessica Müller zu einem Gespräch. Sie spielen allesamt für den aufstrebenden Landesligisten DJK Bunnen.

Stellenwert nimmt zu

Angesprochen darauf, dass der Frauenfußball in Deutschland erst seit einem halben Jahrhundert erlaubt ist, schütteln alle Vier erstmal mit dem Kopf. „Klingt wie ein schlechter Witz. Das sagt schon einiges darüber aus, dass es erst ein halbes Jahrhundert her ist. Heutzutage nur schwer vorstellbar, dass es überhaupt einmal so ein Verbot gegeben hat“, meint die 27-jährige Juliane Dellwisch. Diese Zeiten sind nun vorbei. Der Stellenwert und die Wertschätzung für den Frauen-Fußball haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen, sagt Ulrike Kleyer.

Doch ein Thema kommt stets auf, welches die Spielerinnen der DJK Bunnen nur allzu gut kennen. „Dieser ständige Vergleich mit dem Männerfußball“, kommt es bei ihnen wie aus der Pistole geschossen. „Dabei ist der Vergleich totaler Quatsch“, findet Jessica Müller. Ihre Gedanken zu diesem Thema führt Kleyer zu Ende. „Männer haben doch körperlich ganz andere Voraussetzungen. Sie spielen nun mal schneller und auch robuster“, sagt sie. Anna Niehaus kennt dieses Thema und dementsprechend auch die Diskussionen, die sie schon im privaten Umfeld deswegen geführt hat. „Ich betone dann auch immer wieder, dass sich das einfach nicht vergleichen lässt. Manche verstehen es dann, andere wiederum nicht und winken ab“, sagt Niehaus.

Ab und an irritiert dreinschauen tun auch manche Männer, wenn sie hören, dass die Mädels das Fußballspielen zu ihrem Hobby gemacht haben. „Dies ändert sich aber schnell, wenn man ihnen sagt, wie hoch man spielt“, berichtet Dellwisch.

Kein Neidgedanke

Doch damit wird zugleich ein weiteres Fass aufgemacht. Während männliche Landesliga-Fußballer zum Teil fürstlich von ihren Vereinen entlohnt werden, halten die DJK-Akteurinnen für ihre Dribblings nicht die Hand auf. Ein Neidgedanke kommt dabei aber nicht auf, betonen sie. „Mit dem Fußball Geld zu verdienen, war eh nie mein Ansinnen gewesen. Für mich spielen andere Faktoren eine Rolle“, sagte Kleyer. Müller hält die Entwicklung, dass im Männerfußball bereits in unteren Klassen viel Geld für Spieler ausgegeben wird, für sehr bedenklich. „Im Endeffekt muss es jeder Verein selbst wissen, wie er verfährt. Aber meiner Meinung nach geht es in die falsche Richtung“, sagt die 19-Jährige. Dellwisch hält es auch für falsch, dass im Amateurfußball ein Großteil der Spieler Geld bekommt.

Zugleich betonen die DJK-Spielerinnen, dass ihr Aufwand ähnlich ist, wie der eines männlichen Landesliga-Spielers. „In Spitzenzeiten haben wir viermal die Woche Training“, berichtet Anna Niehaus. Und die Leute kommen zum Training und zu den Spielen, obwohl sie im Beruf oder im Studium stark eingespannt sind. Und dies alles, ohne eine Aufwandsentschädigung zu bekommen. Dazu kommen private Abstriche, die man machen muss, wenn man auf so einer Ebene dem Ball hinterherjagt. Während die Clique Feiern geht, hält man sich eher zurück, um für das Spiel fit zu sein. „Wir machen diese privaten Abstriche aus vielen Gründen. Wir spielen Fußball aus Leidenschaft. Zudem herrscht ein guter Teamgeist. Der Sport gibt uns einen Mehrwert – zum Beispiel durch entstandene Freundschaften“, sagt Dellwisch. Neben den Trainingseinheiten stehen auch die teilweise langen Auswärtsfahrten zu den Punktspielen an.

Früher ging es mit dem Privatauto zu den Spielen. In diesen Zeiten werden Bullis eingesetzt. „Ein Bulli gehört dem Verein. Einen zweiten Bulli mieten wir dazu“, sagt Kleyer. Dafür zahle jede Spielerin pro Halbserie 20 Euro, fügt Niehaus hinzu. Über kurz oder lang hoffen sie aber, dass es gelingt, Sponsoren zu finden, um dauerhaft einen zweiten Bulli anschaffen zu können. „Das wäre top. Von daher sind Sponsoren immer herzlich willkommen“, sagt Kleyer und lacht.

Über mangelnde Unterstützung aus dem Verein können sich die Spielerinnen nicht beklagen. „Das passt alles“, sagt Kleyer. Bei der DJK Bunnen hat sich in der jüngeren Vergangenheit in Sachen Frauen-Fußball allerhand getan. Da wäre zum Beispiel die vielbeachtete Kooperationen mit dem SV Meppen, der nun in der Bundesliga spielt, zu erwähnen. Zudem gelang es dem Verein, immer wieder Talente für den eingeschlagenen Weg zu begeistern. So auch in diesem Sommer (die NWZ berichtete).

Erwartungshaltung

Dies sorgt zugleich automatisch dafür, dass die Erwartungshaltung steigt. „Das fängt schon bei uns selber an. Die erhöhte Konkurrenz sorgt dafür, dass man selber noch ein paar Prozentpunkte obendrauf legt, um ins Team zu kommen“, sagt Niehaus. Die Entwicklung der Frauen- und der Mädchen-Fußballabteilung der DJK Bunnen, die mit großen Schritten vorangeht, halten sie nicht für bedenklich. „Wir wissen, dass die handelnden Personen es auf einer gesunden Ebene mit einem gesunden Wachstum machen“, sagt Kleyer.

Zum Abschluss wirft die NWZ gemeinsam mit den Spielerinnen der DJK Bunnen einen Blick in die vielzitierte Glaskugel. Wo steht der Frauenfußball in zehn Jahren? Dellwisch hofft, dass die Anzahl der Mädchenmannschaft zunehmen wird. In einem Punkt sind sich alle einig: „Die DJK Bunnen wird es auch in zehn Jahren noch geben.“

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