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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Ein Urgestein als Fels in der Brandung

06.02.2018

Cloppenburg Horst Wevering hat einfach keine Zeit. Keine Zeit für Langeweile oder seine „Scheiß-Krankheit“ Parkinson. Schließlich ist der 57-jährige Frührentner eher selten auf dem Sofa anzutreffen, dafür umso öfter auf den Fußballplätzen an der Friesoyther Straße. Seit 18 Jahren ist der aus Werlte stammende Fan Borussia Mönchengladbachs die gute Seele des BV Cloppenburg. Dank seiner großen Hilfsbereitschaft ist das Vereins-Urgestein beim BVC nicht mehr wegzudenken und bekannt wie ein bunter Hund. Und wenn es richtig hoch hergeht, ist Wevering mit seiner ruhigen, geduldigen Art der Fels in der Brandung.

Große Ruhe und Geduld sind auch nötig: Ist der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes doch Trainer der Drei- bis Fünfjährigen. Da geht es schon mal wild zu. „Einige Eltern haben mir mal gesagt, dass sie bewundern, wie ruhig ich bleibe“, erzählt Wevering. „Aber ab und zu muss ich dann doch mal laut werden.“

Laut war es auch an Weverings früherem Arbeitsplatz. Der gelernte Schriftsetzer war zuletzt als Drucker tätig, bis er im Januar 2012 auf dem Weg von der Arbeit nach Hause mit dem Fahrrad schwer stürzte und sich an der Schulter verletzte. Anschließend konnte er seinem Beruf nicht mehr nachgehen, seit April 2013 ist Wevering Frührentner – und doch andauernd unterwegs. „Ich möchte mich nach Kräften gemeinnützig einbringen und anderen an Parkinson Erkrankten Mut machen.“

Keine Frage, wie positiv Wevering sein Leben trotz Parkinson und lädierter Schulter gestaltet, ist bewundernswert. Er ist als Vorbild gut geeignet. Der ehemalige Fußballer, der bei Sparta Werlte in der Jugendabteilung und dann in der zweiten Herren-Mannschaft gespielt hat, kommt mit seiner positiven Art gut an. Was ihm auch bei einer weiteren Leidenschaft hilft. Der Fußballfan liebt das Fotografieren. Und wer selbst gute Laune verbreitet, bringt auch eher diejenigen zum Lächeln, die er fotografieren will.

Wobei Wevering nicht nur Mannschaftsfotos ehrenamtlich für den BVC macht. Wenn es auf dem Platz richtig rundgeht, ist der 57-Jährige an der Seitenlinie im Einsatz. Seine sehenswerten Fotos sind dann auf Facebook unter „Sportfotografie Wevering“ zu bewundern.

Bewunderung ist auch im Blick seiner Frau Irene zu sehen, wenn sie ihren Horst anschaut. Sie unterstützt ihn, wo es geht und freut sich über den Spaß, den ihr Mann an seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten hat. Sie kennt ihn schließlich nicht anders. „In der Zeit nach dem Kennenlernen hatte er wegen seines großen Engagements erst einmal nur einen Tag in der Woche für mich Zeit“, sagt sie und lacht.

Schließlich war Wevering schon 13 Jahre Jugend-Trainer bei Sparta Werlte, bevor er aus beruflichen Gründen nach Cloppenburg zog. Zudem engagierte er sich in der freiwilligen Feuerwehr, was seine spätere Frau schnell merken sollte: „Während unseres ersten Rendezvous musste er plötzlich zu einem Einsatz“, erinnert sich Irene Wevering schmunzelnd. „Er hat mir die Autoschlüssel in die Hand gedrückt und gesagt, ich solle mich in den Wagen setzen.“

Die Feuerwehr gehört schließlich auch zu Horst Weverings Leidenschaften. „Meine Eltern hatten früher die Feuermeldestelle, und die Feuerwehr selbst war direkt hinter unserem Haus. Wenn die roten Autos draußen waren, war auch ich draußen“, berichtet Wevering. Zwar kann er seit seinem Unfall nicht mehr im Feuerwehrdienst aktiv sein, aber er betreut immer noch Schulklassen-Führungen und übernimmt die Verkehrserziehung für Jugendliche. Und Lukas, Sohn des Paares, ist natürlich auch längst bei der freiwilligen Feuerwehr.

Nein, über zu viel Zeit kann sich Horst Wevering wirklich nicht beschweren. Nachmittags ist er fast immer beim BVC zu finden. Und im Sommer geht’s schon wieder mit den Vorbereitungen für den Ergo-Cup los, die beliebte Hallen-Jugendfußball-Turnierserie, die Horst Wevering mit aufgebaut hat. Inzwischen halten aber andere wie Michael Wewer und Dieter Becker die Fäden in der Hand. „Die machen das sehr gut. Und ich bin froh, vor allem als Fotograf weiter dabei zu sein.“

Zumal seine Frau ihn öfter mal etwas bremsen muss, damit er sich mit seinem Engagement für seine „BVC-Familie“ nicht übernimmt. „Die Parkinson-Krankheit schlaucht doch sehr“, sagt Horst Wevering. „Und meine Frau merkt eher als ich, wenn es für mich zu viel wird.“

Und seine Frau möchte schließlich auch etwas von ihm haben. Gemeinsam unternehmen sie Kurzreisen mit dem Bus oder sind mit dem Fahrrad rund um Cloppenburg unterwegs. Womit wir auch bei einem der Markenzeichen des Horst Wevering wären. Auf seinem Liege-Fahrrad kurvt er immer wieder durch die Stadt. „Ich kann kein normales Fahrrad mehr fahren, wollte das Fahrradfahren aber nicht aufgeben“, sagt der 57-Jährige. Und wo ein Wille ist, da ist in diesem Fall auch ein Weg.

Oder besser noch: Wo ein Wevering ist, da ist auch ein Weg – und zwar dank einer positiven Lebenseinstellung. Schließlich war es auch nicht einfach, einen Weg zu finden, mit den Schicksalsschlägen umzugehen. Aber wer das schafft, wird sicher auch irgendwann seine Mönchengladbacher Borussia bei einem Heimspiel anfeuern. Hat der engagierte Ehrenamtliche sein Team doch schon oft im Bremer Weserstadion, aber noch nie in der heimischen Arena erlebt. Und das, obwohl er seit den 70er-Jahren Fan des derzeitigen Tabellenachten ist.

Horst Wevering hat eben einfach keine Zeit. Vor allem keine Zeit dafür, mit dem Schicksal zu hadern . . .

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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