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Einblicke: Fritz Walter, die Ohrfeige und Klinglers Geigenkasten

04.05.2021

Cloppenburg In seinem Buch „Unter Bombern – Fritz Walter, der Krieg und die Macht des Fußballs“ aus dem Riva Verlag hat sich der Autor Stefan Mayr eine der spannendsten und zugleich dunkelsten Kapitel des Deutschen Fußballs angenommen. Mayr durchleuchtet die Fußball-Zeiten des Zweiten Weltkriegs anhand der Lebensläufe von Fritz Walter und August Klingler.

Letzterer war auch ein begnadeter Fußballer und spielte für den FV Daxlanden. Er hatte aber das Glück in jenen Jahren – im Gegensatz zu Walter – nicht auf seiner Seite gehabt. Während Walter später aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte, fiel Klingler Ende November 1944.

Soldatenklau

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Mayr schreibt auch, wie der damalige Reichstrainer Sepp Herberger alle Hebel in Bewegung setzte, um seine Nationalspieler von der Front wegzubekommen. Mayr hat intensiv recherchiert, und so finden sich zahlreiche Geschichten über Herberger, in denen er bei entscheidenden Stellen der Wehrmacht versuchte, seine „Operation Soldatenklau“ durchzuführen.

Herberger war bestens vernetzt. Zudem gab es in der Wehrmacht zahlreiche fußballbegeisterte Offiziere, die an ihren Standorten bereits die besten Fußballer des Reiches zusammenzogen, um sich eine sogenannte Soldaten-Elf zusammenzustellen. Deren Teams waren ungemein populär bei den Fußball-Fans. Davon schreibt auch Mayr in seinem Buch. Eindrucksvoll schildert Mayr auch, wie Fritz Walter und Klingler bereits in jungen Jahren ihre Fußball-Leidenschaft auslebten. So berichtet Mayr, dass Klingler von seinen Eltern eine Geige bekommen hatte.

Geigenkasten

Doch Klingler hasste das Geigespielen, und machte sich nach Schulschluss lieber auf, um mit seinen Freunden zu bolzen. Den Geigenkasten hat er mit im Gepäck. Doch diesen nutzte er als Torpfosten. Seiner Mutter gesteht er später, dass er die Geigenstunde geschwänzt habe, um lieber dem runden Leder hinterherzurennen. Für dieses „Geständnis“ fing er sich von seiner Mutter eine Ohrfeige ein.

Doch in Person seiner Mutter hatte er einen Verbündeten, und später ist auch sein Vater schwer angetan von den Fußball-Leistungen seines Sohnes.

Der junge Fritz Walter ist auch Feuer und Flamme für König Fußball. Schnell spricht sich herum, dass es in Kaiserslautern einen Fußballer gibt, der seine Gegenspieler in Grund und Boden spielt. Aus dem seinerzeit schmächtigen sollte ein Idol werden.

Mayr, der für die Süddeutsche Zeitung schreibt, zieht den Leser sofort in die damalige Zeit hinein. Er beschreibt auch, welche Kraft der Fußball im Zweiten Weltkrieg besaß. Wer sich für diese Zeiten interessiert – ob Fußball-Fan oder nicht – für den ist dieses Buch der perfekte Doppelpass.  Eckdaten über das Buch: Hardcover; 240 Seiten; Preis 19,99 Euro; Erschienen im Riva Verlag; ISBN: 978-3-7423-1444-4

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