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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Fußball: Michael, „Tante Käthe“ und der „Räucherhansl“

09.05.2020

Cloppenburg Der legendäre Mittelstürmer Rudi Völler, vielen Fußball-Fans auch als „Tante Käthe“ bekannt, erzielte für den SV Werder Bremen in 137 Bundesligapartien satte 97 Tore. Eine bärenstarke Bilanz. Doch Völler hatte auch Phasen in seiner Bremer Zeit (1982 bis 1987) gehabt, in denen er kein Scheunentor traf. Dann setzte sein Coach Otto Rehhagel ein Sondertraining an, damit der Stürmerstar wieder Selbstvertrauen bekam.

Training mit Völler

Das Training sah wie folgt aus: Jeweils ein Spieler auf dem linken und dem rechten Flügel. Diese versorgten Völler mit Flanken, der die Bälle dann nur noch einnicken brauchte. Im Kasten stand ein gewisser Michael Scheibel von den Werder-Amateuren, dessen Bewegungsradius von Rehhagel genauestens beobachtet wurde. „Ich durfte nicht herauskommen, oder die Flanken vom Himmel pflücken. Schließlich musste Rudi ja Tore schießen, um wieder in Form zu kommen“, erinnert sich Scheibel und lacht.

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Rückte Scheibel dem Liebling der Werder-Fans auf die Pelle, wurde er von Rehhagel zurückgepfiffen. „Junger Mann, verletzten sie Herrn Völler nicht“, rief Rehhagel zu Scheibel hinüber. Scheibel hielt sich dran. Es ist nur eine von vielen Anekdoten, die Scheibel während seiner aktiven Laufbahn als Torhüter erlebte. Schon früh war klar, dass der Junge, der das Fußball-ABC in der Jugend des TuS Emstekerfeld erlernte, neben Talent auch viel Ehrgeiz und Trainingsfleiß besaß. Bereits im Dress des TuS schaffte es Scheibel in die Niedersachsen-Auswahl und spielte unter anderem mit dem Kneheimer Martin Sommer zusammen.

Scheibel trainierte bei der Niedersachsen-Auswahl auch unter Coach Horst Stockhausen. Unter seiner Ägide gewannen Scheibel & Co. 1981 den Länderpokal. An den damaligen Coach hat Scheibel gute Erinnerungen: „Horst Stockhausen hat es sehr gut verstanden, mich zu motivieren.“ Vom TuS ging es für Scheibel Anfang der 80er-Jahre zum BVC, wo er als B-Jugendlicher bereits bei den A-Junioren die Kiste hütete.

Auch jene Truppe machte schnell mit starken Leistungen von sich reden. Unter Trainer Rolf Bornemann gelang sogar der Aufstieg in die niedersächsische Verbandsjugendliga. Dort spielten die Cloppenburger unter anderem gegen Traditionsvereine wie den VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig. Auch in der damaligen BVC-Mannschaft und Liga fand sich Scheibel zurecht. Er hielt famos, spielte zudem weiter in der NFV-Auswahl und geriet so schnell in das Visier des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Damaliger Trainer der B-Junioren-Nationalmannschaft war der ehemalige Nationalspieler Hans-Hubert „Berti“ Vogts.

DFB-Berufung

Scheibel bekam Anfang November 1982 auch eine Einladung vom DFB zum B-Jugendländerspiel Deutschland gegen die damalige Tschechoslowakei ins Haus. Diese Einladung liegt der NWZ vor. Darin heißt es unter anderem: „Lieber Michael, wir können Dir heute die erfreuliche Mitteilung machen, daß Dich der verantwortliche DFB-Trainer Berti Vogts aufgrund Deiner guten Leistungen im Verein und Verband in das Aufgebot für das oben genannte Jugendländerspiel berufen hat. (...) Wir hoffen, daß Du gesund und in bester körperlicher Verfassung zu unserem Treffpunkt nach Landshut anreisen kannst und verbleiben mit freundlichen Grüßen Deutscher Fußball-Bund (...).

Die Freude bei Scheibel war riesengroß. „Auf die Einladung war ich mächtig stolz“, so Scheibel. Er tauchte seinerzeit in bester körperlicher Verfassung in Landshut beim Treffpunkt am Hauptbahnhof auf. Von dort aus erfolgte die Weiterfahrt zum Landgasthof „Räucherhansl“, wo die DFB-Talente übernachteten. Beim Länderspiel im Hammerbach-Stadion von Landshut kam Scheibel allerdings nicht zum Einsatz.

Starker Konkurrent

Vogts setzte auf Bodo Illgner vom 1. FC Hardtberg. Illgner sollte einige Jahre später Nachfolger von Harald „Toni“ Schumacher beim 1. FC Köln werden. „Bodo war schon ein Toptorhüter gewesen“, meint Scheibel.

Dass er unter Vogts nicht zum Einsatz kam, könnte auch damit zu tun gehabt haben, dass Scheibel kein Freund davon war, die Abstöße vom Boden selbst auszuführen. „Das war irgendwie nicht meine Welt. Damals gab es ja noch den Libero, der hat immer für mich die Murmel nach vorne gekloppt“, sagt Scheibel und lacht. Dies bekam auch Vogts bei einem Lehrgang zu sehen und schlug nach Erinnerung von Scheibel die Hände über dem Kopf zusammen. „Vogts konnte das nicht verstehen und lud mich irgendwann nicht mehr ein“, so Scheibel.

Werder lockt

Auf Vereinsebene waren Scheibels Fangkünste dagegen weiter schwer gefragt. Kaum eine Woche verging, in der nicht Manager Helmut Kalthoff (VfL Osnabrück) bei Scheibel anrief, um ihn für die A-Jugend des VfL zu verpflichten. Aber Scheibel ließ die Lockrufe verhallen und wechselte stattdessen 1984 als A-Jugendlicher vom BV Cloppenburg zu den Amateuren von Werder Bremen.

Eine spannende Zeit begann für Scheibel, der nebenbei seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolvierte. Bei Werder traf er auch Hartwig Gentzsch aus Emstekerfeld. Ab und an tauchte zudem Werders Trainer Otto Rehhagel auf. „Aber Rehhagel wirkte auf mich immer unnahbar. Aus unserer damaligen Truppe, haben es aber einige Spieler nach oben geschafft. Wie zum Beispiel Dieter Eilts und Gunnar Sauer“, erinnert sich Scheibel.

In Bremen fühlte sich Scheibel aber nie richtig wohl. „Trotz anderer höherklassiger Angebote bin ich am Ende meiner Bremer Zeit im Jahr 1987 nach Garrel gewechselt, um mich besser auf meinen Beruf konzentrieren zu können“, sagt Scheibel.

In Garrel war er rund vier Jahre aktiv. Wahrscheinlich hätte er länger dort gespielt, wenn er sich nicht im Frühjahr 1991 schwer am Arm verletzt hätte. „Es war beim Spiel in Freren, in dem es mich übel erwischt hatte. Aufgrund dieser Verletzung und auch auf Anraten der Ärzte habe ich meine Laufbahn beendet“, so Scheibel.

Jugendarbeit

Keine einfache Zeit für ihn. Doch er blieb dem Fußball treu, trainierte ein Jahr die erste Herren des BVG. Anschließend machte er eine Pause, um dann die zweite Mannschaft des BVC zu coachen.

Mittlerweile hat sich der 53-Jährige längst aus dem Trainerjob verabschiedet. Die Liebe zum Fußball ist aber geblieben. Sein Hauptaugenmerk gilt heute der Jugendarbeit. Er ist im Vorstand des Fördervereins Juniorenfußball des BV Cloppenburg tätig. Abseits des Fußballfeldes unternimmt Scheibel, der in Cloppenburg wohnt, viel mit seiner Ehefrau Susanne. Die Kinder heißen Xaver, Luca, Jakob und Paul.

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