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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Handball: Der einstige Hüter des TVC-Gehäuses

24.06.2020

Cloppenburg Es gibt Torhüter im Handball, die sind untrennbar mit dem Namen eines Vereins verbunden. Dafür braucht man sich nicht im Profi-Handball umschauen, sondern es reicht auch ein Blick in die spannende Handballgeschichte des TV Cloppenburg. Wer sich auf eine solche Zeitreise begibt, wird schnell mit dem Namen Heinz Sauerland konfrontiert. „Das ist eine echte TVC-Torwartlegende“, sagen alteingesessene Cloppenburger voller Respekt, wenn man sie mit diesem Namen konfrontiert.

Als Sauerland, Jahrgang 1953, beim TVC in der C-Jugend anfing, hieß sein Trainer Heribert Westerkamp. „Er war Lehrer am CAG“, erinnert sich Sauerland. Und sein Pauker und Trainer achtete auch genau darauf, dass die Jungs zum Training und zum Spiel erschienen. Wer nicht auftauchte, den besuchte der Cheftrainer höchstpersönlich.

Pauker vor der Tür

Diese Erfahrung durfte auch Sauerland machen. Er hatte mal vergessen, dass er mit seinem Team ein Spiel zu absolvieren hatte, als es bei Sauerlands zuhause an der Tür klingelte. Heinz sprang aus dem Sofa, flitzte zur Tür und staunte Bauklötze, als Westerkamp vor der Tür stand. „Er erinnerte mich daran, dass wir ein Spiel hatten. Ich packte meine Klamotten und zusammen machten wir uns zum Spiel auf“, berichtet Sauerland und muss lachen, wenn er an diesen Moment zurückdenkt. Er sei damals so baff gewesen, dass sein Pauker vor der Tür stand, dass er sich schwor, dass ihm dies kein zweites Mal passiert.

So sollte es auch sein. Bereits in jungen Jahren war Sauerland fasziniert vom Handballsport. Er wurde Torhüter mit Leib und Seele. „Ich war immer Torhüter. Außer bei den Stadtmeisterschaften, da habe ich ein paar Mal im Feld gespielt“, sagt Sauerland. Aber im Tor fühlte er sich am wohlsten. Das war seine Welt, und die Gegner merkten schnell, dass der Keeper sein Handwerk verstand.

Anfang der 70er-Jahre wechselte Sauerland in die erste TVC-Mannschaft. „Ich war ein extrem ehrgeiziger Torhüter. Ob Training oder Spiel, ich wollte jeden Ball halten“, sagt Sauerland. Wenn sich das Netz hinter ihm dennoch von einem Gegentor ausbeulte, ärgerte sich Sauerland. „Dann überlegte ich, wie ich es beim nächsten Schuss des Gegners besser machen könnte“, sagt Sauerland.

Seine Mitspieler versuchten natürlich im Training, ihren Keeper auch zu überwinden. Manch einem wollte dies Vorhaben nicht so recht gelingen, während andere wiederum mehr Erfolg hatten. „Sicherlich gab es Spieler, die mir mit ihren Schüssen Probleme bereiteten. Wie zum Beispiel Peter Grotz, Frank von Häfen und ,Keke’ Roßberg.“

Allerdings, so Sauerland, sei er kein hochemotionaler Schlussmann gewesen, der nach gehaltenen Bällen ausflippt und zugleich die Zuschauer anpeitscht. „Das gab es bei mir eigentlich nicht. Ich habe mich eher nach Spielende über Siege und gelungene Auftritte gefreut“, erzählt der 66-Jährige.

Sauerlands Zeit als Torhüter beim TVC war auch ein Wechselbad der Gefühle. Es gab bittere Niederlagen und legendäre Siege. Wie zum Beispiel in der Saison 1983/1984, als der VfL Oldenburg in Cloppenburg zu Gast war. „Es waren 1200 Zuschauer da, und die Halle platzte aus allen Nähten“, erinnert sich Sauerland. Zum Spiel: Es stand kurz vor Schluss unentschieden, als Sauerland einen VfL-Angriff entschärfte. „Dann warf ich den Ball zu Harry Keller, und der machte das Siegtor. Danach war in der Halle die Hölle los gewesen. Unsere Fans sind vor Begeisterung ausgeflippt. Das war eine bombastische Stimmung“, bekommt Sauerland noch heute Gänsehaut, wenn er von diesem Spiel spricht.

Pokalspiel in Meppen

Bei einem Pokalspiel in Meppen durfte sich Sauerland als Torschütze auszeichnen. Sauerland: „Der Gegner war frei durch, schießt mir auf´s Knie und der Ball flog von meinem Knie über den gegnerischen Torhüter hinweg ins Tor. Ein total verrückter Treffer“, sagt Sauerland und lacht.

Kurios ging es auch bei einem Auswärtsspiel der TVCer in Bramsche zu. In den Wochen zuvor hatte Sauerland mit seinem Mitspieler Frank von Häfen geflachst. „Irgendwann schieße ich Dir einen rein“, hat Frank immer zu mir gesagt“, so Sauerland. In Bramsche sollte es dann auch passieren. Die Cloppenburger spielten nicht gut und haderten zudem mit den Schiedsrichtern. „Ärger und Frust waren groß. Wir bekamen ein Gegentor, dann kam der Lange zu mir hin: ,Jetzt könnte ich Dir doch einen reinhauen, oder?’ Ich gab mein Okay, und so kam es dann auch. Anwurf, der Lange dreht sich, und wirft bei mir den Ball rein. Blankes Entsetzen bei den Mitspielern. Aber nach dem Spiel in der Kabine haben wir herzhaft darüber lachen können“, erinnert sich Sauerland.

Dies zeugt auch von einem guten Zusammenhalt in der Truppe. „Man darf halt auch nie vergessen, dass wir sehr lange nur mit Cloppenburgern in der Truppe gespielt haben. Meiner Meinung nach haben wir uns immer gut verstanden“, sagt Sauerland, der während seiner Zeit beim TVC mit vier Nationalspielern zusammenspielte. Es waren Werner Rohlfs, Harry Keller (beide Deutschland) sowie Robert Kalucki und Marius Glow (beide Polen).

Hinten herum zur Halle

Zu den eigenen Fans hatten Sauerland und seine Mitspieler eigentlich immer einen guten Draht gehabt. Sauerland erinnert sich aber an eine Ausnahme. „Nur einmal waren die Fans nicht gut auf uns zu sprechen gewesen, weil wir ein ganz wichtiges Spiel vergeigt hatten. Danach haben wir uns eine Zeit lang nicht getraut, mitten durch die Stadt zur TVC-Halle zu fahren, sondern sind dann hinten herum zur Halle gedüst“, erzählt Sauerland und lacht. Es gab Zeiten, da war Sauerland fast jeden Tag in der Halle. „Wir hatten selber Training, dann trainierte ich noch die Damen. Zudem war ich als Schiedsrichter aktiv“, so Sauerland.

Auch nach seiner Zeit in der Ersten hängte Sauerland die Handballschuhe nicht an den Nagel. Er spielte in den Reserveteams weiter, und hörte erst mit Ende 50 auf. „Irgendwann machte sich die Hüfte bemerkbar, da habe ich aufgehört“, sagt Sauerland.

Den Handball verfolgt er weiterhin. Sauerland hat sich vorgenommen, in der neuen Saison das eine oder andere Drittliga-Heimspiel des Aufsteigers TVC zu besuchen: „Ich drücke den Jungs die Daumen, und hoffe, dass sie es schaffen, sich vom Abstiegskampf fernzuhalten.“

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