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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Eigene Belastbarkeit richtig einschätzen

17.03.2017

Altenoythe Warm machen, einige Laufeinheiten und dann endlich kicken. Das Fußballtraining des Teams des Caritas-Vereins Altenoythe ist am Donnerstagmorgen eigentlich so wie immer. Aber nur eigentlich. Denn diesmal sind alle Spieler mit einem Pulsmesser ausgestattet. Und am Spielfeldrand in der Sporthalle an der Schulstraße in Altenoythe stehen zwei Personen, die dort sonst nicht stehen – ausgestattet mit Laptop und allerhand Fragebögen.

Die eine Person ist Dr. Gerd Schmitz vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Oldenburg. Die andere ist Lisa Walden, die an der Uni Oldenburg Sportwissenschaften studiert. Beide sind mit einem Forschungsauftrag nach Altenoythe gekommen. Sie wollen bei den Menschen mit geistiger Behinderung während des Trainings das subjektive Belastungsempfinden mit der tatsächlichen Belastung, dargestellt durch die Pulskurve, vergleichen. Nach dieser Erfassung erfolgt später der Abgleich, ob es bei Menschen mit und ohne geistiger Behinderung Unterschiede in der eigenen Einschätzung der Belastbarkeit gibt.

Die Fußballer, die von Thomas Schlump und Egon Landwehr trainiert werden, müssen dafür eigentlich nicht viel machen – nur Sport treiben. Alle paar Minuten werden sie dann zu den Wissenschaftlern gerufen. Dann müssen sie angeben, ob das Training für sie gerade anstrengend, halb anstrengend oder gar nicht anstrengend ist. Diese Momentaufnahme lässt sich dann leicht mit der tatsächlichen Pulsfrequenz abgleichen. Gibt der Proband zum Beispiel an, das Laufen habe ihm nichts ausgemacht, hat aber einen Puls von 140, dann stimmt in der eigenen Wahrnehmung etwas nicht.

„Bei Menschen mit Behinderungen gibt es häufiger Abweichungen in der Selbsteinschätzung“, sagt Schmitz, der zurzeit die Professur Trainingswissenschaft am Oldenburger Institut vertritt. Die Fähigkeit, die eigene körperliche Belastung wahrzunehmen und das eigene Verhalten entsprechend zu regulieren, sei weniger ausgeprägt. Die Testreihe diene dazu, „das subjektive Belastungsempfinden besser zu verstehen und prognostizieren zu können“.

Nach dem Training wird es für die Kicker der Sozialen Arbeitsstätte dann aber doch noch etwas theoretisch. Sie müssen einen Fragebogen ausfüllen, in dem es um das Verhalten in bestimmten Alltagssituationen geht, und sie müssen zwei kleine Tests absolvieren, bei denen es um Reizverarbeitung und spontane Flexibilität geht. „Natürlich bleiben alle Daten anonym“, so Schmitz.

Was für ein Ergebnis am Ende der Testreihe herauskommt, können die beiden Wissenschaftler jetzt natürlich noch nicht sagen. Studentin Lisa Walden wird die Daten in ihrer Abschlussarbeit aufbereiten. Im Mai soll die Studie abgeschlossen sein.

Der Caritas-Verein mache bei dieser Erhebung gerne mit, sagt Ludger Rohe, Leiter der Sozialen Arbeitsstätte, als er den Jungs am Donnerstag beim Training zuschaut. „Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.“