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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Handbiker kritisieren Weltrekordversuch

11.07.2018

Emstek Der Weltrekordversuch des Cloppenburgers Boris Guentel, mit seinem Handbike 1007 Kilometer in 42 Stunden zu fahren, ist ein zweites Mal gescheitert. Spasmen im rechten Bein sollen der Grund dafür gewesen sein. Schon am Freitag vor dem Start hatten sich einige Sportler aus der Szene im Ecopark in Emstek versammelt und das erwartet. Dass er es überhaupt schaffen könnte, stellten sie infrage.

„Das ist sehr ambitioniert“, sagte zu dem Zeitpunkt Olaf Niebisch aus Schwerin. Er ist Scout (Talentsichter) beim Behinderten-Sportverband Niedersachsen und hatte von vornerein bezweifelt, dass es der 55-jährige Guentel ins Ziel schafft. In der Szene sei Boris Guentel zunächst völlig unbekannt gewesen und wolle nun einen Weltrekord versuchen, an dem selbst Spitzensportler mit jahrelanger Erfahrung im Handbiken bereits gescheitert sind oder es sich gar nicht erst zutrauen würden – aber mit einem Training von elf Monaten?

„Das ist kaum zu leisten. Vor allem nicht ohne einen betreuenden Trainerstab“, so Niebischs Einschätzung. Diesbezüglich hätten sie ihm sogar Hilfestellung angeboten, berichtet Olaf Niebisch weiter. Die habe Guentel allerdings abgelehnt. In der kleinen und begrenzten deutschen Handbiker-Szene herrsche Verwirrung über dieses Verhalten und obendrein über den medialen Aufriss zu der Aktion.

Sie würden sich wünschen, dass Guentel sich realistische Ziele setzt, sagten die etwa zehn Handbiker am Freitag im Ecopark, die im Umkreis aus 300 Kilometern angereist waren. Dabei hätten sie es ihm gewünscht, 42 Stunden lang durchzufahren, betonen sie. „Und wenn es dann am Ende nur 600 Kilometer gewesen wären, hätten wir ihm unseren Respekt gezollt“, so Niebisch. „Aber wir verstehen nicht, was er damit bezwecken will“, war ein Kaltenkirchener ratlos. Die jahrelang erfahrenen Handbiker sorgen sich um das Ansehen des Behindertensports, befürchten, dass Sponsoren das Handbiken in Zukunft nicht mehr ernst nehmen könnten und Nachwuchssportler oder etablierte Sportler geringere Chancen auf eine Förderung hätten. „Es ist nicht einfach, mit unserem Sport wahrgenommen zu werden“, sagt Oliver Pohling, Handbiker aus Rostock. „Wenn dann jemand Rekorde aufstellen will, wo man bei dessen Verfolgung bereits nach den ersten beiden Stunden kein Rechenkünstler sein muss, um mitzubekommen, dass es nicht funktioniert, dann habe ich Angst, dass jeder Handbiker mit ambitionierten Zielen in den Topf von ,Aufschneidern’ geworfen werden und uns eine mögliche Unterstützung verwehrt werden könnte.“

Boris Guentel streitet die Vorwürfe ab: „Ich war gut vorbereitet. Ich habe ausreichend Trainingskilometer abgespult. Sonst wäre ich nicht angetreten. Für mich war es kein Spiel.“ Dass er zu wenig Erfahrung für diese Herausforderung gehabt hätte, sieht er nicht so. „Ich habe mich nicht reingelegt und bin losgefahren. Meine längste Trainingsstrecke lag bei 500 Kilometern.“ Hilfe hätte er von Mitgliedern des Behinderten-Sportverbands Niedersachsen nicht angeboten bekommen.

Die Aufgabe, die er sich gestellt hat, möchte er trotzdem zu Ende bringen. Er ist nicht der Ansicht, dass er auf diese Weise Sponsoren blockiert, wie seine Kritiker sagen: „Der größte Anteil meiner Sponsoren kommt aus der Region. Sie kennen mich jahrelang und unterstützen mich, weil es ihnen um den Weg geht und weniger um den Rekord.“

Wie die NWZ berichtete, soll der Rekordversuch laut Guentel beim Rekordinstitut für Deutschland angemeldet gewesen sein. Davon weiß der RID-Geschäftsführer, Olaf Kuchenbecker, nichts. Guentel: „Im März haben wir was hingeschickt, das ist nicht angekommen. Wir wollten im Nachgang etwas einreichen.“

Nina Janssen
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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