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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

SPORTGESCHICHTE: Kuriose Karriere endet in Kanada

16.08.2008

CLOPPENBURG Es kommt im Fußball mitunter vor, dass eine ganz bestimmte Saison in der Rückschau immer wieder mit dem Namen eines einzelnen Spielers in Verbindung gebracht wird. So verhält es sich zum Beispiel mit der Spielzeit 1948/1949, als der Aufsteiger BV Cloppenburg auf Anhieb den vierten Platz in der Landesliga belegte. Die Cloppenburger schrieben zeitgleich mit dem Sprung in die obere Tabellenregion Vereinsgeschichte: Der BVC spielte zum ersten Mal nach Kriegsende auf Landesebene.

Einer der herausragenden Spieler des BVC war Torwart Waldemar Mrusek. Bereits vor der Saison hatte er es geschafft, seinen Konkurrenten im Tor, Waldemar Boxberger, zu überflügeln. In der Spielzeit selbst zeigte er zum Teil famose Leistungen. Mrusek konnte vor allem durch seine Fang- und Reaktionsschnelligkeit überzeugen. Diese Fähigkeiten machten ihn auch in der frisch gegründeten Handballabteilung des BVC zu einem unverzichtbaren Mitglied.

Mrusek wurde am 11. Mai 1926 geboren. Seine eigentliche Heimat war Schlesien, genauer gesagt der Ort Gleiwitz. Hier spielte er beim VR Gleiwitz. Die Gleiwitzer besaßen in den 30er und 40er Jahren eine der besten Mannschaften in Deutschland. Sie sammelten Meisterschaften wie Gerd Müller einst Torjägerkanonen. Außerdem stellte der Verein mehrere Nationalspieler.

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Angekommen in Cloppenburg ahnten die BVC-Verantwortlichen schnell, welchen starken Torhüter sie da vor sich hatten. Mit Mrusek im Kasten sorgten sie auch landesweit für Furore. In mehreren Testspielen gegen bekannte Clubs wie Kickers Offenbach (3:2) und den VfR Mannheim (3:1) setzte es beachtliche Erfolge. Die Cloppenburger durften sich jedoch nicht lange an den starken Paraden ihres Fängers erfreuen. Der Oberligist VfL Osnabrück suchte händeringend einen Nachfolger für den langjährigen Stammkeeper und Nationalspieler Heinz Flotho. So kam es, wie es kommen musste: Der VfL Osnabrück lud Mrusek zu einem Probetraining ein. Dabei konnte er VfL-Trainer Herbert Widmayer überzeugen. Aber als Nachfolger Flothos hatte er einen schweren Stand. Die Skepsis war groß. Doch nach wenigen Spielen war er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

Der gebürtige Gleiwitzer schlug ein wie eine Bombe. „Torwart Mrusek, der die Tradition von Flotho hochhält, ist einer der Besten seiner Elf“, lobte die NWZ am 7. August 1949 den ehemaligen Cloppenburger Torwächter in höchsten Tönen. Kurze Zeit später gelang dem VfL Osnabrück ein 3:0-Erfolg gegen die Walter-Elf aus Kaiserslautern. Auch in dieser Partie heimste er Bestnoten ein. „Mrusek bester VfL-Akteur“, titelte das Sportmagazin am 24. August 1949. Die Spielzeit 1949/1950 wurde Mruseks Durchbruch in Deutschlands Elite-Liga. Überall dort, wo er in den Strafräumen auftauchte, erhielt er Beifall auf offener Szene.

Die Experten waren sich schnell einig: Mrusek zählt zu den besten Keepern Norddeutschlands. Die Saison beendete er mit dem VfL Osnabrück als Tabellendritter. Mrusek wurde in allen dreißig Saisonspielen eingesetzt.

Die Osnabrücker hatten sich für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifiziert. Der VfL musste in Köln gegen den favorisierten VfB Stuttgart antreten. Gegen die Schwaben setzte es eine unglückliche Niederlage. Mrusek verhinderte eine höhere Schlappe. „Die VfB-Schüsse wurden eine sichere Beute von Mrusek, der Wunderdinge an Fangsicherheit und Geistesgegenwart vollbrachte“, berichtete das Sportmagazin vom 24. Mai 1950.

Mit dieser erneuten Glanzleistung machte Mrusek in der gesamten Bundesrepublik auf sich aufmerksam. Viele Clubs wollten sich seine Dienste sichern. Ein möglicher Wechsel zum 1. FC Köln zerschlug sich aber.

Noch heute wird in seinem Lebenslauf auf dem Internetportal „weltfussball.de“ aufgeführt, dass er in der Spielzeit 1950/1951 für den 1. FC Köln gespielt haben soll. Doch das ist ein Irrtum. „Im Profikader 1950/51 standen die Torhüter Frans de Munck und Walter Butscheidt. Fakt ist: Mrusek hat nie ein Pflicht- oder Freundschaftsspiel für die erste Mannschaft des 1. FC Köln bestritten“, sagt Frederic Latz von der Medienabteilung des Bundesligisten.

Mrusek verschlug es dennoch ins Rheinland: Er wechselte zum SC Fortuna Köln. Bei der Fortuna, die damals nicht in der ersten Liga spielte, blieb er zwei Spielzeiten. Mruseks weiterer Werdegang ist nach dem Jahr 1952 nicht gesichert.

In der Geschäftsstelle der Fortuna heißt es, dass Mrusek 1952 nach Kanada ausgewandert sei. Aber in einem Internet-Spielerlexikon der Oberliga Nord (1947 bis 1963) ist nachzulesen, dass er nach seiner Zeit in Köln noch für Borussia Mönchengladbach und Viktoria Georgsmarienhütte gespielt haben soll.

Was nun der Wahrheit entspricht, bleibt unklar. Beide Vereine ließen eine diesbezügliche NWZ-Anfrage unbeantwortet. Gleichwohl scheint die zweite Version zu stimmen, deckt sie sich doch mit seinem Lebenslauf. Mitte der 50er Jahre erhielt Mrusek dann ein Angebot des kanadischen Vereins Olympic Harmony Toronto. Kurzerhand entschloss er sich, mit seiner Frau auszuwandern. In der National Soccer League (NSL) entwickelte er sich zu einem der besten Torhüter. Prompt brodelte die Gerüchteküche in Norddeutschland, Mrusek sei kanadischer Nationalspieler und nehme an den Ausscheidungsspielen zur Olympia-Qualifikation in Melbourne 1956 teil. Das Gerücht hält sich bis heute hartnäckig. Bob Koep vom kanadischen Inside Soccer Magazin weiß es besser: „Ich bezweifle stark, dass Mrusek je für die Nationalelf gespielt hat. Es wäre unmöglich für ihn gewesen, in

den Jahren 1954 bis 1956 als Auswahlspieler eingesetzt zu werden. Wäre er 1954 ausgewandert, hätte er damals mindestens fünf Jahre warten müssen, um einen Einbürgerungsantrag stellen zu dürfen.“ Colin Jose, Historiker des Kanadischen Fußballverbandes, pflichtet ihm bei. „Er war nie in der Nationalmannschaft. In meinen Unterlagen finde ich keinen Hinweis darauf, dass er für Kanada gespielt hat“, bestätigt er der NWZ.

Ob Nationalspieler oder nicht – Mrusek ist noch heute ein Begriff für Kenner des kanadischen Fußballs. „Er stand einmal in einem Allstar-Team. Außerdem ist er bei vielen ehemaligen deutschen Fußballspielern bestens bekannt“, sagt Koep über den Mann, der bis Mitte der sechziger Jahre für Toronto den Kasten hütete.

Nach seiner aktiven Zeit zog sich Mrusek, der sich neben dem Fußball ein zweites Standbein in der Lkw-Branche aufbaute, aus dem Großstadtleben Torontos zurück. „In seinen letzten Lebensjahren bewohnte er ein Haus nördlich von Orangeville“, weiß Koep zu berichten. Waldemar Mrusek, einer der besten Keeper des BV Cloppenburg, verstarb im Jahr 1979.

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