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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

HISTORIE: Ohne Handschuhe alles fest im Griff

07.01.2009

CLOPPENBURG Jeder Fußball-Torwart hat eine Geschichte zu erzählen – darüber, wie er den Weg zwischen die Pfosten fand. Oftmals berichten Torhüter von einem Ereignis, das zum Ausgangspunkt ihrer Karriere wurde. So ist es auch beim Cloppenburger Hans Hochartz. Er spielte bereits beim BVC in der Schülermannschaft, als plötzlich seine Qualitäten als Fänger gefragt waren. „He, Hans“, rief ihm eines Tages ein Bekannter zu, „kannst du uns helfen? Unser Torwart ist nicht erschienen.“ Hochartz zögerte nicht lange, zog sich den Torwartpulli über und stellte sich in den Kasten. Er hinterließ einen bleibenden Eindruck – seine Mitspieler waren begeistert und wollten ihn unbedingt als Torwart behalten.

„Von da an, bin ich aus dem Tor nicht mehr herausgekommen“, erinnert sich Hochartz. Bereits in der Jugend machte er von sich reden. Ende der 1940-er-Jahre kämpften die Cloppenburger A-Junioren im Bremer Weserstadion um die Norddeutsche Meisterschaft – und um die Qualifikation für die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft in Düsseldorf. „Leider haben wir gegen den TuS Bremerhaven 1893 eine Niederlage kassiert. Aber für uns war es dennoch eine tolle Geschichte“, sagt der heute 78-Jährige.

Der Fußball in der Nachkriegszeit war für ihn als jungen Spieler eine aufregende Sache. Schon beim Beschaffen seiner Fußballausrüstung musste er sich einiges einfallen lassen. „Für meine ersten Fußballschuhe musste ich ein Kilo Speck auf den Tisch legen“, erzählt Hochartz. „Ein Trikot hatte ich auch nicht. Ich habe mir einen Pullover gekauft.“

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Auch Torwart-Handschuhe waren damals noch keine Selbstverständlichkeit. „Den Großteil der Saison habe ich ohne Handschuhe gespielt“, sagt Hochartz. Im Winter war das natürlich nicht die beste Lösung. Also zog sich der BVC-Keeper Wollhandschuhe an. „Die habe ich dann einfach nass gemacht. So haftete der Ball besser.“

In den 50-er-Jahren wuchs die Fußballbegeisterung in Cloppenburg. Der BVC spielte Anfang des neuen Jahrzehnts in der Amateuroberliga – daran erinnert sich Hochartz besonders gerne. Mit den Namen der damaligen Gegner Eintracht Nordhorn, Falke Steinfeld und VfB Oldenburg verbindet er viele Erinnerungen. Vor allem die Partien gegen die Steinfelder hatten die Fußball-Fans ein ums andere Mal fasziniert.

Nicht selten pilgerten mehr als 3000 Zuschauer ins Stadion. „Bei einem Heimspiel gegen Falke lagen wir zur Pause 0:2 hinten. Bei uns herrschte schon Trauerstimmung, während die Steinfelder Anhänger Brieftauben mit dem Ergebnis in die Heimat schickten“, berichtet Hochartz. Zu früh gefreut: Der BVC gewann am Ende mit 3:2 – auch dank Hochartz. Der hatte einen Strafstoß des späteren Nationalspielers Theo Schönhöft gehalten. „Theo hatte Pech. Er hat meine rechte Ecke anvisiert, und das war meine Schokoladenseite“, sagt Hochartz und lacht.

Und wer eine Schokoladenseite hat, kann doch auch prima für Pudding werben – dürfte sich eine Osnabrücker Puddingfirma zu jener Zeit gedacht haben – wovon Hochartz nur durch Zufall erfuhr. „Eines Tages kam ein Bekannter von mir an und fragte mich, seit wann ich denn Werbung für Pudding machen würde“, erzählt Hochartz. „Ich dachte zuerst, er würde einen Scherz machen.“ Machte er aber nicht. „Sekunden später hielt er mir ein kleines Bild, auf dem ich zu sehen war, vor die Nase.“ Das Bild zeigte Hochartz während eines Spiels im Oldenburger Stadion Donnerschwee. „Die Osnabrücker Puddingfirma hatte jeder Packung ein Bild mit Fußballern aus Norddeutschland beigelegt – für Kinder zum Sammeln. Leider habe ich das Bild nicht mehr“, bedauert er.

Was ihm geblieben ist, sind umso schönere Erinnerungen an die alte Fußball-Zeit: „Wir hatten eine tolle Kameradschaft in der Mannschaft. Und nach den Spielen haben wir immer noch mit der gegnerischen Mannschaft zusammengesessen“, berichtet Hochartz. „Das gibt es doch heute alles nicht mehr. Heute geht jeder Spieler seiner Wege.“ Damals trafen sich die BVC-Spieler auch außerhalb des Fußballfeldes – gesungen wurde auch. „Aber nur, wenn wir schon einen im Tee hatten“, sagt Hochartz lachend. Als besonders engagierter Sangesbruder entpuppte sich schnell Franz Solowski. „Franzel hat immer das schlesische Lied von Rübezahl angestimmt.“ Es wurde aber auch oft nach den Spielen im Mannschaftsbus Skat gespielt. „Wir saßen kaum im Bus, da lagen schon die Karten auf dem Tisch“, erzählt Hochartz, der auch heute noch ein leidenschaftlicher Skatspieler ist.

Wenn Hochartz an die alte Zeit denkt, kommt aber auch immer mal wieder eine unschöne Erinnerung hoch. Am 12. Oktober 1952 verletzte er sich im Spiel gegen SFN Vechta nach einem Flankenball schwer. „Ich konnte den Ball festhalten. Doch dann kam plötzlich der Linksaußen herangerauscht und trat mir mit voller Wucht gegen den Kopf“, erinnert er sich, als wäre es erst gestern gewesen. Hochartz ließ den Ball fallen, und der Vechtaer drückte ihn über die Linie. Was dann passiert ist, weiß er nur aus Erzählungen seiner Mitspieler. Der BVC-Torwart erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, und der Schiedsrichter erkannte das Tor dennoch an. „Unglaublich, das ärgert mich auch noch heute“, sagt Hochartz, der bis 1957 für den BVC spielte.

Heute ist er nicht mehr so hautnah am Cloppenburger Fußballgeschehen dran. „Ich verbringe viel Zeit mit meiner Frau. Schließlich hat sie durch meine Fußball-Leidenschaft einiges in Kauf nehmen müssen. Außerdem wandere ich gerne.“ Die Zeit beim BVC will er nicht missen: „Es war eine schöne Zeit, die mir viele unvergessene Erinnerungen beschert hat.“

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