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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

Rote Jäger gehen erfolgreich auf Torejagd

09.02.2013

Cloppenburg Luftwaffen-SV Hamburg, VfB Königsberg, VR Gleiwitz – es sind Vereinsnamen aus einer anderen Zeit. Der Zweite Weltkrieg tobte im März 1944 und in Deutschland suchte die leidgeplagte Bevölkerung ein wenig Ablenkung durch den Fußballsport.

So auch in Cloppenburg, wo am 4. März 1944 eine der bekanntesten Fußballmannschaften jener Zeit zu Gast war, nämlich die Soldatenelf Rote Jäger. Die Elf „Rote Jäger“ traf auf dem Gelände am Rennplatz nicht auf den BV Cloppenburg, sondern auf eine Kombination aus den Mannschaften LSV Ahlhorn und Reichsbahn Cloppenburg.

Die Elf „Rote Jäger“ war gespickt mit zahlreichen Nationalspielern. Sie setzte sich zusammen aus Mitgliedern des Geschwaders der Roten Jäger, welches in Jever stationiert war. Darunter war unter anderem der spätere 54er-Weltmeister Fritz Walter. Walters Heimatverein war eigentlich der 1. FC Kaiserslautern. Doch seinerzeit war es kein Problem, dass die Spieler für mehrere Vereine gleichzeitig spielberechtigt waren, wenn sie als Soldaten versetzt wurden.

Auch für die Vereine in der Nähe ihres Standortes durften sie als Gastspieler auflaufen. Jedoch mussten hier einige Formalitäten erledigt werden, bevor sie als Gastspieler mitwirken konnten.

Die Mannschaft Rote Jäger hatte damals einen Ruf wie Donnerhall. Von der Popularität her stand sie auf einer Stufe mit den damaligen Top-Teams FC Schalke 04 und dem Dresdner SC, sowie der Pariser Soldatenelf, die allerdings im Jahr 1943 ihr letztes Spiel bestritt. Macher der Mannschaft war der Luftwaffenoffizier Hermann Graf. Ein damaliger Kriegsheld, der 1942 von Adolf Hitler das Eichenlaub mit Schwertern und Brillianten zum Ritterkreuz des Eisenernen Kreuzes verliehen bekommen hatte.

Graf, selbst ein sehr guter Torhüter, kam mit einer namhaften Mannschaft nach Cloppenburg. Neben Walter standen mit Franz Hanreiter und Alfons Moog noch zwei weitere Nationalspieler im Team. Die Aufstellung der Soldatenelf ließt sich wie ein „Who is Who“ der Fußballgarde der 40er-Jahre. Die Aufstellung im Überblick: Karl Flinner (Wilhelmshaven 05) – Siegfried Klagges (SG Wattenscheid 09), Hermann Koch (Schwaben Augsburg), Werner Humpert (Sportfreunde Dresden), Moog (VfL Köln 1899), Bruno Klaffke (Duisburger FV 08), Karl-Heinz Höger (Hamburger SV/SV Dessau 05), Franz Hanreiter (SK Admira Wien), Walter Bammes (SpVgg Fürth), Fritz Walter (1. FC Kaiserslautern), Richard Leonhardt (Planitzer SC).

Bei den Spielern der Auswahl LSV Ahlhorn/Reichsbahn Cloppenburg handelte es sich ebenfalls zum überwiegenden Teil um Soldaten der Wehrmacht. Auf Seiten der Gastgeber spielten: Lindgreen – Kraus, Swobotta, Streubel, Karl Vetter, Kurch, Barlot, Werner Strauch, Janetzki, Knuß, Stander (Anmerkung der Redaktion: Die Vornamen der Spieler ließen sich leider nur noch in zwei Fällen ermitteln).

Trainiert wurde die Mannschaft von Karl Vetter, der auch noch selber mitspielte. Vetters Stammverein war der VfR Mannheim. Mit den Mannheimern spielte er mehrfach um die Deutsche Meisterschaft mit.

Ebenfalls ein bekanntes Gesicht in der Elf war Werner Strauch. Strauchs Verein war eigentlich der Dresdner SC. Dort spielte er mit dem späteren Bundestrainer Helmut Schön zusammen. Er gehörte auch zum Kader der Meistermannschaft von 1944.

Bereits im Vorverkauf wurden in Cloppenburg zahlreiche Eintrittskarten abgesetzt, so dass am Spieltag laut einem Zeitungsbericht mehrere tausend Zuschauer anwesend waren. Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten, denn die Roten Jäger legten von Beginn an los wie die Feuerwehr.

Allerdings hielten die Gastgeber bis zur Mitte der zweiten Halbzeit ihren Kasten sauber. Walter offenbarte dabei große Probleme im Duell mit seinem Gegenspieler Streubel. Die Hausherren hätten sogar noch in Führung gehen können. Allerdings fehlte ihnen die letzte Entschlossenheit vor dem gegnerischen Tor.

Dann drehte die Soldaten-Elf auf. Allen voran Walter, der mit drei Toren den 3:0-Pausenstand markierte. Nach dem Seitenwechsel knüpften die Gäste nahtlos an ihre Leistungen an. Sie erzielten noch drei weitere Tore. Die Torschützen ließen sich nicht mehr ermitteln. Der kombinierten Auswahl LSV Ahlhorn/Reichsbahn Cloppenburg brachte keinen Ehrentreffer mehr zustande.

Für beide Mannschaften war es eines der letzten Spiele überhaupt. Denn aufgrund der Entwicklungen an den Fronten, war danach an einen regulären Spielbetrieb nicht mehr zu denken. Somit konnten die Teams des LSV Ahlhorn und der Reichsbahn Cloppenburg in der folgenden Saison 1944/1945 keine Mannschaft mehr auf die Beine stellen. Das Geschwader der Roten Jäger wurde an die Ostfront verlegt.

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