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NWZonline.de Region Cloppenburg Lokalsport

HISTORIE: Schalker Knappen patzen im Kartoffelspiel

09.02.2008

CLOPPENBURG In der Nachkriegszeit herrschte in Deutschland in vielen Bereichen des täglichen Lebens Mangel. Es fehlte unter anderem an Nahrung, Heizmaterial und Kleidung. Wichtige Lebensmittel waren rationiert und nur noch gegen den Eintausch von Marken zu haben. Wem das nicht reichte, der begab sich auf Hamsterfahrten in umliegende Dörfer und tauschte dort Wertsachen wie Uhren oder Schmuck gegen Butter, Eier und Speck. Die berühmtesten deutschen Fußballmannschaften zog es aus diesen Gründen ebenfalls auf das Land. Dort traten sie dann zu den so genannten Kartoffelspielen an.

Im Norden bereiste der Hamburger SV sein südliches und nördliches Hinterland und spielte für Butter, Kartoffeln, Kohlen oder Zigarren. Die legendären Teams und Vorkriegsmeister FC Schalke 04 und 1. FC Nürnberg reisten ebenfalls regelmäßig in die Provinz. Zwei Spiele in der Woche waren üblich. Die Schalker kamen sogar nach Cloppenburg. Am 22. September 1946 spielten sie im Stadion an der Friesoyther Straße gegen den BVC.

Mehr als 10 000 Zuschauer pilgerten ins Stadion, um die berühmten Schalker Spieler wie Fritz Szepan oder Ernst Kuzorra spielen zu sehen. Die Schalker Mannschaft war gespickt mit erstklassigen Akteuren. Die mitgereisten zwölf Schalker Spieler hatten insgesamt 34 Meistertitel gesammelt und 66 Länderspiele auf dem Buckel. Mit ihrem „Schalker Kreisel“ zählte die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet in den 30er und 40er Jahren zu den besten Europas. Dementsprechend waren die Rollen klar verteilt. Keiner setzte einen Pfifferling auf die Cloppenburger Mannschaft.

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Aber beim krassen Außenseiter herrschte Zuversicht. Auch der damals 17-jährige Mittelläufer Alfons Schnittker war optimistisch: „Ich habe überhaupt gar nicht daran gedacht, dass wir haushoch verlieren würden“, erzählt er.

Schnittker war damals der jüngste Spieler in der Elf von Trainer Arthur Gruber. Und die elf Cloppenburger machten das Spiel ihres Lebens. Die Zuschauer trauten ihren Augen kaum, als Werner Kluge in der siebten Minute das 1:0 für den BVC erzielte. Er ließ dem vierzehnfachen Nationalspieler Hans Klodt, der zwischen den Pfosten des Schalker Tores stand, keine Chance.

Die Schalker ließen sich aber von der frühen Führung nicht ins Bockshorn jagen. Kein Geringerer als Fritz Szepan schoss den Ausgleich. Kurz vor der Pause erzielte Nationalspieler Paul Winkler sogar die Führung der Gäste.

In der Halbzeitpause diskutierten die ersten Zuschauer bereits über die Höhe des Schalker Erfolges. Doch es sollte ganz anders kommen. Denn urplötzlich erzielte Cloppenburgs Josef Hornauer den 2:2-Ausgleich. Das Tor warf die Schalker aus der Bahn und setzte beim BVC ungeahnte Kräfte frei. Die Schalker setzten dann laut NWZ vom 24. September 1946 alles auf eine Karte und fuhren wütende Angriffe.

Allerdings bissen sie sich an der kampfstarken BVC-Elf die Zähne aus. Die torgefährlichen Schalker Spieler wie Szepan und Kuzorra scheiterten aber immer wieder am glänzend aufgelegten BVC-Fänger Hans Engeser. „Hans war ein bärenstarker Torwart. Er hat damals ein tolles Spiel gemacht“, erinnert sich Schnittker. Alle Schalker Angriffsbemühungen blieben umsonst. Am Ende hieß es 2:2. Die Zuschauer spendeten tosenden Beifall. „Wir haben in dieser Partie alles gegeben und bis zum Umfallen gekämpft“, sagt Schnittker und lacht.

Aber kaum war die Partie zu Ende, tauchten erste Gerüchte auf, dass die Schalker das Spiel zu Gunsten des BV Cloppenburg verschaukelt hätten. Diese Vorwürfe ärgern den heute 79 Jahre alten Schnittker immer noch. „Das ist doch totaler Blödsinn. Warum hätten die Schalker das tun sollen?“ Er lässt sich die Leistung seiner Mannschaft nicht kaputtreden. „Wir haben eine starke Partie abgeliefert. Da konnten die Leute damals erzählen, was sie wollten.“

Und wirklich: Die Schalker waren mit dem Endergebnis keineswegs zufrieden – Freundschaftsspiel hin oder her. Das bestätigt auch der ehemalige Cloppenburger B-Nationalspieler Adolf Scheidt, der das Spiel als 16-jähriger verfolgte. Die Schalker schossen sich in den folgenden Spielen gegen BW Lohne (12:0) und in Quakenbrück (9:0) ihren Frust von der Seele. Auch für diese Partien erhielten sie Naturalien als Antrittsgage.

Die Kartoffelspiele blieben den Schalker Spielern in guter Erinnerung. „Der Fußball war in der Nachkriegszeit unsere große Leidenschaft. Es ging in den Spielen immer sehr freundschaftlich und schon fast familiär zu“, erinnerte sich Schalkes 2005 verstorbener linker Läufer Willi Dargaschewski noch Jahrzehnte später.

Dribblings und Flanken Für Marmelade und Zigarren

Spieler beim SG FC Schalke 04 konnten sich in den ersten Nachkriegsjahren einigermaßen gut über Wasser halten. Neben einigen hundert Reichsmark pro Spiel bekamen sie Butter, Speck oder Tabakwaren, die auf dem Schwarzmarkt eine besonders harte Währung waren.

Allerdings wares in der Schalker Mannschaft üblich, dass die eingespielten Waren je nach Stellung des Spielers im Team unterschiedlich verteilt wurden. Die erste Kategorie bildeten Fritz Szepan und Ernst Kuzorra.

In jedem Ort gab es unterschiedliche Gagen. In Bünde erhielt jeder Spieler eine Kiste Zigarren. Nichtraucher bekamen eine Kanne Milch. In Bielefeld gab es Hemdenstoff, in Bremerhaven eine Kiste Fisch und in Glehn zwei Eimer Marmelade. Ein Eimer Marmelade konnte damals für rund 600 Reichsmark auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.

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