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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Cloppenburg

„Nichts muss neu geschrieben werden“

07.07.2017

Cloppenburg Anhand eines Steuerregisters des Amtes Cloppenburg aus dem späten 15. Jahrhundert, das Generationen von Heimatforschern als Grundlage diente, kann Peter Sieve, Archivar des Bischöflich Münsterschen Offizialates, zeigen, warum es gut ist, sich unmittelbar mit dem Original zu beschäftigen. Denn er hat jetzt herausgefunden: Das Register ist 25 Jahre jünger als gedacht.

Steuerlisten der Landesregierungen gehören zu den meistgenutzten historischen Quellen in den Archiven, weiß Sieve. Da sie vielfach in die Zeit vor Beginn der Führung der Kirchenbücher zurückreichen, sind sie insbesondere für die Familienforschung, die Sozialgeschichte und die Namenkunde von unersetzlichem Wert.

Für die Wissenschaft habe immer festgestanden, dass dieses Register 1473 erstellt worden sei, so Sieve. Georg Sello (1850 bis 1926), Leiter des Großherzoglichen Haus- und Zentralarchivs in Oldenburg, war der erste, der diese Datierung vornahm. Zahllose Veröffentlichungen, Aufsätze oder Familienstammbäume berufen sich unkontrolliert auf dieses Datum.

Selbst Peter Sieve war 1981 davon ausgegangen, als er – als 17-jähriger Schüler – eine vollständige Edition des Schatzungsregisters erstellt hatte. Im vergangenen Jahr, 35 Jahre nach seinem ersten Kontakt, hat er sich im Rahmen einer Digitalisierungsarbeit erneut intensiv mit der Quelle beschäftigt und die Handschriften sorgfältig verglichen. Dabei kam heraus, dass die bisher übliche Datierung des Schatzungsregisters von 1473 auf das Jahr 1498 korrigiert werden muss.

„Deswegen muss jetzt keine Geschichte neu geschrieben werden. Und da sich auch kein Alter eines Ortes im Landkreis Cloppenburg ändert, muss auch kein Jubiläum verschoben oder nachgefeiert werden“, beruhigt Sieve.

Aber, so meint er, seine neue Erkenntnis habe durchaus Folgen für die regionale Geschichtsschreibung. Denn viele Ortschroniken wie zum Beispiel die von Cloppenburg, Friesoythe oder Löningen berufen sich bei demografischen Aussagen auf diese falsche Zahl. Auch das vor wenigen Jahren erschienene Oldenburgische Ortslexikon, zentrales Handbuch für Heimatforscher, arbeitet damit.

Schmerzhaft, meint Sieve, mag es für viele Höfe und Familien des Landkreises Cloppenburg werden. Denn sie verlieren ihre angebliche erste Erwähnung im Jahr 1473 und müssten eigentlich ihre Stammbäume umarbeiten.

Das von Sieve jetzt bearbeitete Schatzungsregister (Schatzung=altes Wort für Steuer) gilt als das älteste des Amtes (in etwa heute der Landkreis) Cloppenburg. Die 36-seitige Kladde liegt im Landesarchiv in Oldenburg. In ihr sind 3753 Personen aufgeführt, die exakt 208,5 Gulden Steuern zu entrichten haben.

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