• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Und plötzlich kamen die Waffen

19.07.2019

Barßel Seit gut vier Jahren lebt Fatena Al Sabbagh in Barßel. Sie hegt immer noch Erinnerungen an Syrien – und an die Flucht zu Fuß mit ihrer Tochter Bayan und mit nur einem Rucksack vor fünf Jahren. „Ich bin keine Politikerin. Inzwischen bin ich aber der Überzeugung, dass die Politik ein kompliziertes Spiel ist. Man kann jetzt die Ereignisse von vor 50 Jahren kaum verstehen, und man wird noch 100 Jahre benötigen, um die Ereignisse, die jetzt in Syrien passieren, genau zu verstehen“, sagt Al Sabbagh.

Krieg noch sehr präsent

Sie erinnert sich noch sehr gut an den Krieg in Syrien. Am Anfang wollten viele nur eine Reform des Systems. Dafür demonstrierte sie im Süden Syriens. „Wir, die Bewohner anderer Städte, verfolgten diese Ereignisse begeistert, weil wir hofften, dass die Regierungsform verbessert wird. Aber wir sahen auch, dass die Polizei einen Teil der Demonstranten verhaftete. Trotzdem breiteten sich die Demonstrationen auch auf andere Städte aus. Alle Menschen haben darüber geredet, obwohl es in Syrien ein Tabu ist, über Politik zu sprechen“, so die 37-Jährige. Nach kurzer Zeit habe sich aber der Charakter der Demonstrationen geändert – gefordert wurde ein Wechsel der Regierungsform.

Plötzlich kamen Waffen

Und plötzlich hatten einige Demonstranten auch Waffen, die sie gegen die Armee richteten. Als Folge davon wurden viele Städte bombardiert, und zwar von beiden Seiten. Viel zu viele Leute wurden festgenommen, umgebracht oder ernsthaft verletzt. Die Armee der Regierung und die Rebellen kämpften gegeneinander, und es wurden viele verbotene Waffen eingesetzt, zum Beispiel Chemiewaffen und Chlorgas. „Viele Länder haben sich in diesen Krieg direkt eingemischt und eine der beiden Seiten unterstützt, beispielsweise Russland, USA, Türkei, Iran, Saudi-Arabien und Katar. Andere Länder haben sich indirekt eingemischt. Und all diese Länder schickten die unterschiedlichsten Waffen, das Blut war überall. Die unschuldigen Menschen hatten überall die Last des Krieges zu tragen“, bedauert die junge Frau.

Viele Menschen lebten in Zelten, viele Kinder verloren ihre Schulen. Alles wurde sehr teuer, und viele hatten nicht genug für den Lebensunterhalt. Die meisten jungen Leute sind geflüchtet, insbesondere die Männer. „Der Tod war überall“ erzählt die Mutter der heute 15-jährigen Bayan. Niemand konnte sagen, wann es einen selbst oder die eigene Familie treffen würde.

Land wird zerstört

„Eine Flucht aus Syrien war sehr gefährlich, und wir nannten diese Flucht die Todes-Reise. Wir fanden, dass es viel besser war, dem Tod zu begegnen als auf ihn zu warten“, so die Neu-Barßelerin. Die Flucht konnte den Tod bedeuten, aber es bestand die Hoffnung, dass man überleben und ein sicheres Land erreichen könnte. „Der Krieg dauert noch an, und ich weiß nicht, wann er endet. Aber ich weiß sehr wohl, dass mein Land immer weiter zerstört wird“, sagt Al Sabbagh. Nicht nur die Städte, sondern auch die Menschen werden „zerstört“. Sie sind traumatisiert von furchtbaren Ereignissen und Erinnerungen.

„Gott sei Dank, dass wir, meine Tochter und ich, jetzt in Deutschland in einem sicheren Land sind, wo wir die Chance haben, ein normales Leben zu führen, wo viele Menschen uns akzeptieren und immer wieder helfen“, ist Al Sabbagh froh, hier in Barßel ein neues Zuhause gefunden zu haben.

Die Suche nach Arbeit

Sie war in Syrien Apothekenhelferin und auch im Ministerium tätig. Als sie kam, sprach sie nur Englisch und Muttersprache. Mittlerweile spricht Al Sabbagh dank zahlreicher Kurse recht gut Deutsch. Sie macht derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr im Gesundheitszentrum in Barßel. Ihre Tochter geht zur Realschule und möchte nach dem Abschluss IT-Managerin studieren.

Fatena Al Sabbagh sucht Arbeit, doch ihr Kopftuch würde sie dabei nie ablegen. Sie hofft auf einen toleranten Arbeitgeber.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.