• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Hebammen-Mangel hat viele Gründe

10.11.2018

Bühren Es gibt zu wenig Hebammen, und „im ländlichen Raum kommen die langen Fahrtstrecken zu den Schwangeren und den jungen Müttern dazu.“ Auf diese Problematik hat die Friesoyther Hebamme Regina Peters-Trippner die Mitglieder des Fachausschusses „Landwirtschaft und ländlicher Raum“ des Landfrauenverbands Weser-Ems im Gasthof Frieling in Bühren hingewiesen.

„Viele junge Kollegen wollen nicht immer rufbereit sein, weil sie Familie haben oder ein Privatleben möchten. Auch Halbtagsarbeit ist mit einer Hebammentätigkeit nicht besonders gut zu vereinbaren, weil das Kind sich nicht an Arbeitszeiten hält“, nannte Peters-Trippner Gründe für den Mangel an Hebammen. Auch die Bezahlung sei nicht ausreichend. „Es muss die Zeit bezahlt werden, die ich bei den jungen Müttern aufwende. Eine Fallpauschale ist da nicht der richtige Weg. Hebammen sind Idealisten mit ganz viel Empathie. Sie wollen eigentlich der Mutter das Gefühl geben: Ich bin bei dir, solange du mich brauchst. Dieser Idealismus wird nicht honoriert“, so die 43-Jährige.

Bei den Frauen habe außerdem eine Veränderung stattgefunden. Die Technik mache nicht sicherer, die Angst vor der Geburt nehme eher zu. „Frauen brauchen das Gefühl, dass der Körper das kann. Hier habe ich ganz viel von Aussiedler- und Flüchtlingsfrauen gelernt. Für sie war eine Geburt etwas Natürliches. Sie sind dabei viel unverkrampfter. Dadurch gibt es weniger Komplikationen“, so Peters-Trippner, die Frauen mehr Vertrauen zu ihrem Körper vermitteln möchte. „Frauen geben manchmal die Verantwortung ab: Das Krankenhaus muss mein Kind kriegen!“

Außerdem müsse eine Hebamme Müttern oft vermitteln, dass ein Kind das Leben durchaus durcheinanderbringen könne. Der Besuch oder die Party müssten dann schon mal abgesagt werden, weil das Kind fiebere oder nicht untergebracht werden könne. Deshalb lehnte Peters-Trippner Schwangerschaftsambulanzen, in denen Mütter vor und nach der Geburt betreut werden, ab, „Wir kommen in jedes Haus und in jedes Zimmer. Da können wir schon mal erkennen, wo es Probleme gibt und sie zu lösen helfen, bevor das Jugendamt gerufen werden muss,“ hat die freiberufliche Hebamme erfahren.

Da es zu wenige Hebammen gebe und da eine Geburt nicht genau geplant werden kann, könne es sein, dass ein Krankenhaus keine Kapazitäten frei hat. Sie rät, vor der Fahrt dorthin anzurufen. „Ich sage den Frauen: Stellt euch auf zwei Krankenhäuser ein. Und ruft nicht den Krankenwagen. Den ruft niemand wegen Wehen.“

„Ich könnte fünf Frauen mehr betreuen, wenn ich nicht so weite Strecken fahren müsste.“ Das Problem der fehlenden Hebammen sei aber nicht auf den ländlichen Raum beschränkt. Eine freiberufliche Hebamme habe im Jahr 7000 Euro € Haftpflichtkosten. Dazu seien Sozialabgaben zu zahlen. Da könne man sich leicht ausrechnen, dass, wenn es für einen Hausbesuch 38,50 € gebe, nicht so ganz viel bleibe. Denn ein Hausbesuch könne auch mal länger dauern, als es die Fallpauschale vorsehe.

Die im Kreis Cloppenburg angedachte Hebammenzentrale, in der Termine koordiniert und freie Kapazitäten abrufbar gemacht werden sollen, begrüßte Peters-Trippner. „Durch fest angestellte Hebammen im Krankenhaus haben wir eine regelmäßige Arbeitszeit gewonnen. Verloren gegangen ist die idealistische Arbeit der Hebamme.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.