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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Holocaust: „Wer befreit ist, will keine Rache“

18.09.2017

Cloppenburg „Jede jüdische Schule, jede Synagoge wird in Deutschland Tag und Nacht bewacht. Solange sich das nicht ändert, ist etwas nicht in Ordnung.“ Mit diesen Worten schloss der Cloppenburger Autor Alwin Meyer (67) am Sonntagmorgen die Eröffnungsrede zu seiner auch international beachteten Ausstellung „Die Kinder von Auschwitz“. Diese wurde vor rund 200 Gästen in der Aula der Katholischen Akademie Stapelfeld (KAS) eröffnet.

700 Kinder überlebten

Der gebürtige Cloppenburger Meyer ist seit 1972 in vielen Ländern auf Spurensuche nach den „Kindern von Auschwitz“. Nur wenige (knapp 700) der rund 232 000 nach Auschwitz verschleppten Mädchen und Jungen zwischen einem und 17 Jahren haben überlebt. Viele erzählten zum ersten Mal vom Lagerleben, von einer Kindheit, in der der Tod immer präsent und nie natürlich war. Als Zeitzeugen waren Jack Mandelbaum und Dagmar Lieblová, die zum vierten Mal bei einer Ausstellungseröffnung von Meyer sprach, nach Stapelfeld gekommen.

Leben in der Shoah

„Es war das erste Mal, dass ich jemandem so ausführlich über mein Leben erzählt habe, und es war auch das erste Mal, dass sich jemand so ausführlich für mein Leben in der Shoah interessiert hat“, so Lieblová, die als Dagmar Fantlová 1929 in Kutná Hora in der Tschechoslowakei geboren wurde und dort aufwuchs. Im Juni 1942 wurde die Familie Fantl nach Theresienstadt deportiert. Im Dezember 1943 wurde Dagmar gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer elfjährigen Schwester nach Auschwitz verbracht. Dagmar war 14 Jahre. Sie bekam die Häftlingsnummer 70788 eintätowiert. Eindrucksvoll erzählte die inzwischen 88-Jährige von den Grausamkeiten in Auschwitz, vom Kinderblock, der eingerichtet wurde, damit die Eltern tagsüber arbeiten konnten. „Es ist absurd. Alles, was unter den Umständen möglich war, wurde für die Kinder getan – und nur wenige Monate später wurden alle ermordet.“

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3791 jüdische Kinder, Frauen und Männer, die im September 1943 von Theresienstadt nach Auschwitz transportiert worden waren, wurden in der Nacht vom 8. auf den 9. März 1944 in den Krematorien II und III vergast. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte jeder der Eingesperrten gehofft, auch Dagmar, dass er es „irgendwie aushalten“. Nach dem 9. März änderte sich das schlagartig.

Nie wieder etwas gehört

Nun war jedem klar, dass Birkenau ein Vernichtungslager war, aus dem es wohl kein Entrinnen gab. Dagmar, die wenige Monate vor Ende des Krieges nach Neugraben – einem Außenlager von Neuengamme (Hamburg) – überstellt wurde und später nach Bergen-Belsen kam – hier war sie nur wenige Tage – wurde am 15. April 1945 im KZ Bergen-Belsen befreit. Nie wieder sollte Dagmar etwas von ihren Eltern und ihrer Schwester hören.

Im Februar 1948 kam Dagmar wieder nach Kutná Hora. Sie musste sich noch schonen, viel liegen, sich langsam an das „normale Leben“ gewöhnen. Dagmar fing wieder an, Klavier zu spielen, wollte ihre Englischkenntnisse verbessern, zur Schule gehen. Mit 20 hatte sie es geschafft und zwei Jahre später sogar das Abitur. Sie begann ein fünfjähriges Germanistik- und Tschechisch-Studium an der Universität in Prag. Mehr als 20 Jahre war Dagmar Lieblová Professorin für Germanistik an der Karls-Universität.

„Zehn Jahre habe ich nicht über den Holocaust gesprochen. Niemand hat mich gefragt“, erzählt auch Janek (Jack) Mandelbaum (inzwischen 91 Jahre alt), der seit 1946 in Amerika lebt. Sein Vater Majloch Mandelbaum war Mitinhaber einer Fischkonservenfabrik. Er hatte „so eine Vorahnung“, dass Gdingen zu „einem ersten militärischen Ziel“ von Nazi-Deutschland werden würde. Er wollte sichergehen, dass seiner Frau Cyrla und seinen Kindern nichts passierte. „Es wurde beschlossen: Wir machen uns auf den Weg in den Süden Polens.“ Dort wohnten sie zunächst bei seinem Großvater in Działoszyce, später in Sławków beim älteren Bruder seiner Mutter. Zwei Wochen später überfiel Nazi-Deutschland Polen. Von Janeks Vater erreicht die Familie eine Karte aus dem Konzentrationslager Stutthof. Sinngemäß hatte er schreiben dürfen: „Ich bin in Stutthof. Macht Euch keine Sorgen. Mir geht es gut.“ Janek sah seinen Vater nie wieder.

Trennung das Schlimmste

Am 10. Juni 1942 wurden die Mandelbaums „abgeholt“. Janek kam zu den arbeitsfähigen Männern. „Diese Trennung von der Familie war das Schlimmste“, sagt er. Insgesamt war er in sieben Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern. „Jedes Lager war anders. Aber alle waren überfüllt. Das Essen war miserabel. Überall war es schmutzig. An jedem Ort gab es Läuse. Die Morgen- und Abendappelle bei jedem Wetter dauerten häufig Stunden. Immer galten die gleichen schlimmen Regeln der SS“, erzählt Jack Mandelbaum.

Janek wusste immer: Das Unerwartete konnte trotzdem passieren. Ein Kapo konnte ihn ohne jeden Grund so hart mit dem Knüppel schlagen, dass er liegenblieb. Oder: Er konnte krank werden. Hungerdurchfall, Tuberkulose, Lungenentzündungen grassierten im Lager. Eine ärztliche Versorgung, die den Namen verdient hätte, gab es nicht. Der Tod hatte viele Gesichter im Lager.

Im Mai 1945 befreit

Mandelbaum wurde im Mai 1945 in einem Außenlager von Groß Rosen befreit. „Wir planten immer, an den Nazis Rache zu nehmen, wenn wir befreit sind. Aber: Wer befreit ist, will keine Rache. Hass, Rache und Ausgrenzung sind zerstörerisch. Ich stehe jetzt hier, damit Menschen die Bedeutung von Freiheit, Toleranz oder Familie verstehen. Nur ein beständiges Wissen über die schrecklichen Ereignisse kann dafür sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht“, so Mandelbaum am Sonntag.

Die Ausstellung „Die Kinder von Auschwitz“ ist in der KAS bis zum 29. Oktober zu sehen.

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