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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Stadtrat streitet über Umweltschutz und Doppelmoral?

12.12.2019

Cloppenburg Ist ein generelles Verbot von Tropenholz auf städtischen Baustellen ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz in Schwellen- und Entwicklungsländern oder entzieht man mit einer Pseudo-Moral den dort lebenden Menschen ihre Einkommensgrundlage? Darüber ist jetzt im Cloppenburger Stadtrat ordentlich gestritten worden. Am Ende wurde ein Antrag von Bündnis 90/die Grünen mit 15:15 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde der Antrag der CDU/FDP/Zentrum-Gruppe auf „größtmögliche Vermeidung“ bei fünf Gegenstimmen von Grünen und UWG angenommen.

Wie berichtet, war im September die Errichtung einer massiven Steganlage mit Bongossi-Holz aus Gabun beim Radwanderweg „Ambührener See“ in die Diskussion geraten. Der ehemalige Cloppenburger Ratsherr Fritz Thole ging irrtümlicherweise davon aus, dass der Stadtrat bereits vor mehr als 20 Jahren ein Verbot von Tropenhölzern beschlossen habe. Er wunderte sich deshalb, dass die Stadt Tropenholz für die Steganlage verwendete.

Die Stadtverwaltung reagierte prompt: Der Rat der Stadt Cloppenburg habe 1989 nicht – wie von Thole behauptet – beschlossen, auf Tropenholz zu verzichten. Vielmehr sei beschlossen worden, der Bitte des Deutschen Städtetages nachzukommen, auf die Einführung ökologisch vertretbarer Prinzipien der Forst- und Landwirtschaft in tropischen Ländern zu drängen. Zudem erfüllten alternative Holzbaustoffe, wie zum Beispiel die von Thole geforderte Akazie, nicht die gestellten Bauwerksanforderungen. Zumal beim Einkauf dieser Hölzer nicht automatisch gewährleistet sei, dass diese aus Deutschland stammten. „Nach circa zehn Jahren können Konstruktionsbauteile schon wieder erneuerungsbedürftig werden“, so die Stadt. Bongossi-Holz gelte dagegen als extrem hart und sehr widerstandsfähig.

Unter dem neuen brasilianischen Präsidenten hatten die Abholzungen und Brandrodungen im Amazonas extrem zugenommen: „Ich kann nur hoffen, dass er eines Tages, für das, was er da tut, zur Rechenschaft gezogen wird“, sagte Grünen-Fraktionschef Michael Jäger. Generell – egal, ob in Afrika oder in Südamerika – werde die Zerstörung von Urwäldern auch durch legalen Holzeinschlag betrieben. Zudem hätten Siegel wie das FSC – Zertifikat für Holz und Papier – ihre Glaubwürdigkeit verloren, inzwischen mache kein Naturschutzbund weltweit mehr dort mit, so Jäger weiter. Wenn in Cloppenburg Tropenholz verarbeitet werde, „gehen wir das Risiko ein, dass wir die Verwüstung im Regenwald mit anrichten.“

CDU-Ratsherr Professor Dr. Lucien Olivier warf Jäger daraufhin indirekt eine Doppelmoral vor. Brasilien habe mehr als 200 Millionen Einwohner und ein Durchschnittseinkommen von 9000 Dollar, Gabun – aus dem das in Cloppenburg verwendete Tropenholz komme – zwei Millionen Einwohner und 7200 Dollar Durchschnittseinkommen. Deutschland dagegen verfüge über 44 000 Dollar: „Die Leute (in Südamerika und Afrika, Anm. d. Red.) haben Anspruch auf Einkommen. Sie leiden noch heute unter der Kolonisierung. Wir haben jeden Anspruch verwirkt, ihnen Vorschriften zu machen.“

Das brachte Ratsfrau Dr. Irmtraud Kannen (Grüne) auf die Palme: „Die Urwaldbewohner verdienen gerade nicht.“ Sondern eher Großgrundbesitzer und Konzerne.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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