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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

„Die Flugzeuge waren schon über uns“

11.02.2015

Barßel Dort habe sein Elternhaus gestanden, sagt Franz-Josef Hibben. Er zeigt auf einen Parkplatz gegenüber der Pfarrkirche St. Cosmas und Damian. Er geht ein paar Schritte weiter. „Hier bin ich zur Schule gegangen“, sagt der Barßeler.

Der 11. Februar 1945 sei ein wunderschöner sonniger Wintertag gewesen, erinnert sich Franz-Josef Hibben. Das Hochamt hatte an diesem Sonntagmorgen gerade angefangen, als plötzlich die Sirene losging. „Es war ein Voralarm und in diesem Moment nichts Ungewöhnliches“, sagt er. Das Signal ertönte, wenn die Flugzeuge der Engländer von der Nordsee aus über den Ort hinweg flogen. Doch plötzlich kam der Vollalarm. „Da wussten wir, jetzt wird’s ernst.“ Pastor Beckmann brach das Hochamt ab, die Leute eilten aus der Kirche. Vermutlich hätten die Piloten vom Flugzeug aus die Menschen für Truppenbewegungen gehalten, sagt Hibben.

Schutz im Kartoffelkeller

Der damals Zehnjährige befand sich zu diesem Zeitpunkt mit seinen drei Geschwistern Marga, Günter und Fritz im Haus. Sein Vater war schon drei Jahre im Kriegseinsatz. „Meine Mutter sagte zu uns, dass wir zu Wimbergs in die Schule gehen sollten“, erinnert sich Hibben. Sie hatten dort einen Keller mit Betongewölbe. „Er war nur ein paar Schritte entfernt.“

Doch stattdessen blieb er mit seiner Mutter zurück. „Ich war einfach neugierig und wollte sehen, was passiert“, sagt Hibben. „Die Flugzeuge waren schon über uns.“ Dann fielen Bomben. Seine Mutter rannte in den Kartoffelkeller unter ihrer Tischlerei. „Meine Mutter rief: Junge komm rein.“ Doch er habe nicht auf sie gehört, sagt Hibben. Zwei Frauen, die vor dem Gottesdienst ihre Fahrräder bei ihnen abgestellt hatten, suchten ebenfalls Schutz im Kartoffelkeller der Familie Hibben.

Der Zehnjährige stand vor dem Haus und verfolgte das Geschehen. In diesem Moment flog ein Flugzeug über ihn hinweg und schoss eine Salve am Haus entlang. „Dann fiel auch schon eine Bombe mit gewaltigem Krach.“ Die Druckwelle und den Lärm habe er bis heute nicht vergessen, sagt der Barßeler. „Jetzt bekam ich Angst“, schildert Hibben. Er flüchtete zu seiner Mutter in den Keller. Dann verblasst die Erinnerung.

Erst einige Stunden später habe er Rufe über sich wahrgenommen. „Es gab kaum Luft zum Atmen“, sagt Hibben. Überall seien Schutt und Steine gewesen. Dass sie in dem Keller überhaupt überlebten, hätten sie vermutlich den Holzplatten für die Tischlerei zu verdanken, die sein Vater direkt über dem Kartoffelkeller gelagert hatte, meint Hibben.

Als erstes habe er Schlachtermeister Sobing in Feuerwehruniform und Lehrer Wimberg gesehen, erinnert er sich. Sie räumten die Bretter beiseite und zogen ihn aus dem Schutt. Hibben hatte eine kleine Verletzung am Kopf. Seine Familie kam mit dem Leben davon.

Elternhaus zerstört

Ein schreckliches Bild offenbarte sich dem damals Zehnjährigen: „In dem Moment sah ich, dass die ganze Häuserecke verschwunden war.“ Eine Fliegerbombe hatte sein Elternhaus voll getroffen. Im Ort selbst waren durch den Angriff mehrere Häuser beschädigt und Schaufenster zu Bruch gegangen. „Wir hatten alles verloren, die komplette Werkstatt und Wohnung“, sagt Hibben.

Bereits am Nachmittag rückte der Arbeitsdienst an und beseitigte die Trümmer. „Gegen Abend war nichts mehr davon zu sehen, dass hier Leute ausgebombt wurden“, meint Hibben. Die NS-Propaganda habe nicht wahrhaben wollen, dass auch auf dem Lande der Krieg Einzug gehalten hatte, sagt er. Fotos des Angriffs seien sofort beschlagnahmt worden. Hibben hält einen Bombensplitter in den Händen. Diesen hatte er im Schutt gefunden und aufbewahrt.

Meinhard Hoffmann war zwölf Jahre alt, als er den Bombenangriff auf Barßel erlebte. „Unsere Mutter hatte uns ins Schlafzimmer zusammengeholt, weil sie glaubte, dass dieses Zimmer durch die nahe stehenden Mauern des Nachbarhauses am besten geschützt sei“, erinnert er sich.

Mutter verloren

„Ich hörte die harten Einschläge der Geschosse aus den Bordkanonen. Dann ein fürchterlich heller Blitz und ein grauenhafter Donner.“ Er habe das Gefühl gehabt, unmittelbar neben der Explosion zu stehen, sagt Hoffmann. Alles sei voller Staub gewesen. „Als der Staub sich legte, sah ich, dass die Mauer zum Nachbarhaus eingestürzt war und das Nachbarhaus in Trümmern lag. Meine Mutter lag tot am Boden.“

Sein jüngerer Bruder, der bei der Mutter gestanden hatte, erlitt eine schwere Kopfverletzung. „Die Bombe war genau zwischen unserem Haus, der Volksschule und dem Wohnhaus der Familie Hibben gefallen“, schildert er. Eine weitere Bombe war südwestlich der Barßeler Kirche in einen Garten gefallen.

Melanie Jepsen
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2504

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