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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Friesoyther Urnen prall gefüllt

14.08.2019

Friesoythe /Bonn Als die Wahlhelfer am Sonntagabend, 14. August 1949, ihre Urnen in den Friesoyther Wahllokalen auskippten, kamen wohl nicht nur Stimmzettel aus den Behältern. Irgendwie muss an diesem Tag wohl auch ein Hauch der Geschichte in den Urnen gesteckt haben. Vier Jahre nach Kriegsende fanden zum ersten Mal wieder freie Wahlen in den westdeutschen Bundesländern statt – das erste Parlament der Bundesrepublik Deutschland war geboren.

1949 waren natürlich auch Friesoyther an die Wahlurne gerufen – insgesamt 2604 Bürger der Stadt. Das sind im Vergleich zu heute ziemlich wenig Wahlberechtigte, aber damals war die politische Gemeinde Friesoythe auch noch deutlich kleiner. Von der Wahlbeteiligung in der Stadt darf man heute trotzdem träumen – insgesamt machten 83,7 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bei 2126 gültigen Stimmen konnte die CDU mit 1172 das beste Ergebnis erreichen. Auf den zweiten Platz kam die Deutsche Zentrumspartei (DZP) mit 448 Stimmen, gefolgt von der SPD mit 214 Stimmen und der rechtskonservativen Deutschen Reichspartei mit 89 Stimmen.

Auch damals schon gehörte die Stadt Friesoythe zum Wahlkreis Cloppenburg-Vechta. Anders als heute hatte jeder Bürger 1949 aber nur eine Stimme – die für den Direktkandidaten. Gewählt wurde damals im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta der Kandidat der CDU, Bauer Georg Kühling aus Rechterfeld. Für die andere Parteien standen Anton Multhaupt (SPD), Adolf Kahlen (FDP), Heinrich Schoone (KPD), Dr. Otto Krapp (DZP), Heinz Heuchling (DRP), Wilhelm Pape (RSF: Radikal-Soziale Freiheitspartei) und der unabhängige Kandidat Arthur Ullmann auf dem Stimmzettel des Wahlkreises Cloppenburg-Vechta. Insgesamt wurden im Wahlkreis 86 447 gültige Stimmen abgegeben. Die Deutsche Partei (DP), die im Anschluss an die Bundestagswahl zusammen mit FDP und CDU/CSU die erste Bundesregierung gestellt hatte, war im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta nicht angetreten.

Interessant ist: Obwohl die CDU auch heute noch als Nachfolger der Zentrumspartei gilt, konnten sich viele Wählerinnen und Wähler in Friesoythe noch nicht ganz von ihr trennen. Auch wahlkreisweit kam die DZP auf das zweitbeste Ergebnis. Bis in die 50er Jahre spielte sie noch eine Rolle – heute ist sie nicht mehr als eine Kleinpartei.

Dokumentation

5 besondere Fakten zur Wahl 1949

Die erste Bundestagswahl 1949 war in vielerlei Hinsicht besonders:

1. Vier Jahre nach Kriegsende liegt Deutschland noch am Boden. Aber die Basis für einen Aufschwung ist im Westen mit Marshallplan und Währungsreform bereits gelegt.

2. Der beginnende Kalte Krieg hat die Ost-West-Spaltung jedoch vertieft, die Angst vor „den Russen“ ist groß. Nach einem harten Wahlkampf setzt sich Konrad Adenauer (CDU), der Spitzenkandidat der neu gegründeten Unionsparteien, 1949 mit knapper Mehrheit durch. Der erste Bundeskanzler prägt Westdeutschland bis 1963.

3. Die SPD sieht sich bereits als führende Kraft des Neuaufbaus. Doch ihr Vorsitzender Kurt Schumacher unterschätzt die Konkurrenten und ihr Aushängeschild Adenauer. Der rückt die SPD in die Nähe der Kommunisten.

4. Wahllokomotive der Unionsparteien ist Wirtschaftsexperte Ludwig Erhard. Mit ihm setzt die Union auf das Modell einer sozialen Marktwirtschaft und eine Anbindung an den Westen. Die SPD will eine regulierte Planwirtschaft und hält an der Gestaltung Deutschlands als Gesamtstaat fest.

5. Wahlergebnis am 14. August 1949 (keine bundesweite Fünf-Prozent-Hürde): CDU/CSU 31,0 Prozent; SPD 29,2; FDP 11,9; KPD 5,7; BP 4,2; DP 4,0; WAV 2,9; Sonstige 11,1; Mandate der CDU/CSU/FDP/DP-Koalition: 208 von 402 (ohne Berliner und saarländische Abgeordnete).

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Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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