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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Feiern, bis „Heidi“ aus den Boxen tönte

08.09.2018

Garrel Ab 20 Uhr warteten sie schon in Schlangen vor der Tür, die jungen Wilden. „Sie haben gemeinsam mit uns die Stühle von den Tischen gestellt“, berichtet Hedwig Kulgemeyer. Die „goldenen Zeiten“ des „Onkel Wenzel“ in den 70er, 80er, 90er Jahren. Fast 30 Jahre „Wenzel“-Geschichte haben Kalle und Hedwig Kulgemeyer miterlebt und mitgeprägt – wenn auch die meiste Zeit mit dem Blick auf Arbeiter- und Biergläser.

Häufig war derart viel los, dass „wir den Kopf den ganzen Abend nicht hochbekommen haben“, erinnern sich Hedwig (62) und Kalle Kulgemeyer (64), die in Halen leben, im Gespräch mit der NWZ. Die Eintrittsbons kauften die Besucher schon im Voraus, um später ja hineingelassen zu werden. Einlasssperre trotz eines halb leeren Saals – das stieß bei denjenigen, die auf Einlass warteten, natürlich nicht immer auf Wohlwollen.

Die Geschichte

In diesem Jahr würde das „Wenzel“ 60-jähriges Bestehen feiern. Eröffnet wurde das Lokal von Olga Tieben im Jahr 1958 – zunächst unter dem Namen „Zum Tannenkrug“. Irgendwann wurde daraus „Onkel Wenzel“ – benannt nach dem Gatten von Olga. Anfang der 70er Jahre wurde der Saal angebaut, später die Kegelbahn und der Klubraum. Kegelverein, Kaninchen- und Taubenzüchter, Reservisten und Schützen der Kompanie IV oder Motorradfahrer – allesamt trafen sich im „Onkel Wenzel“. Nach Wenzel und Olga Tieben, die 1975 beziehungsweise 1980 starben, übernahm Josef Tieben die Gaststätte.

Einmal drängten sich rund 1200 Besucher in der Kultdisco. Wie die Sardinen standen sie. Platz für einen Kübel oder einen Meter „Arbeiter“ blieb trotzdem.

Gepachtet hatten sie das „Wenzel“ nie. Trotzdem waren sie Institution an der langen Theke am Eingang der Disco. Die hatten sie vom Ehepaar Westermann übernommen, als das ausgestiegen war. 30 Jahre: Viele Paare fanden sich im „Wenzel“, heirateten, gründeten eine Familie, und auch die Kinder machten ihre „Wenzel“-Erfahrungen. „Wir sind mit den jungen Menschen gewachsen“, sagt Hedwig Kulgemeyer. Sie erlebten mit, wie sich Beziehungen langsam anbahnten, wie andere auseinandergingen oder Paare wieder zueinanderfanden. Wo lässt sich besser über Lust, Leid und Liebe sprechen, als an der Theke. Und so schütteten frisch oder unglücklich Verliebte Kalle und Hedwig ihr Herz aus. Und wer kein Mädchen fand, das mit ihm tanzen wollte, der griff halt zum Barhocker. „Auch kein Problem.“

Überhaupt: „Es wurde viel gesabbelt“, sagt Kalle, schließlich waren Handys und WhatsApp damals noch Zukunftsmusik.

Als sie bei Josef „Job“ Thieben anfingen, hatte das „Wenzel“ auch sonntags geöffnet. Fußballmannschaften aus der gesamten Gemeinde und darüber hinaus kehrten nach ihren Spielen ein und diskutierten die Ergebnisse. Da ging es auch mal hitziger her, erinnert sich Kalle Kulgemeyer an ausgeprägte Dorfrivalitäten.

Irgendwann blieb sonntags geschlossen, dann auch den Sommer über. Mehr Zeit auch für Kalle und Hedwig. „Wir haben viel Zeit im ,Wenzel’ gelassen“, sagen sie rückblickend. Eine schöne Zeit, aber auch sehr anstrengend.

Onkel Wenzel Revival-Party

Anlässlich des Garreler Freimarkts am 15. und 16. September wird eine „Onkel-Wenzel-Revival-Party“ veranstaltet. Sechs ehemalige Wenzel-DJs legen auf der Bühne vor der Kirche St. Peter und Paul auf.

Eröffnung ist am Samstag um 20 Uhr. Eine Stunde lang werden Timo Gehlenborg (Musik der 2010er) und Martin „Nitzie“ Niehaus am Plattenteller stehen. Von 21 bis 22 Uhr übernimmt Günther Deeken mit Musik der 70er Jahre, von 22 bis 23 Uhr: „Kalle“ Knutzen (80er), von 23 bis 0 Uhr: Markus Ziegler (90er) und von 0 bis 1 Uhr Heiner Berkemeyer (2000er).

„Vollblut-Gastwirt“ (O-Ton Hedwig) Job saß in der Kneipe, anfangs seine Mutter Olga noch neben ihm an der Kühltruhe. Ein Platz, den später Job übernahm. „Er war immer da“, sagt Hedwig Kulgemeyer. In der Kneipe verkaufte er auch Frikadellen oder Koteletts – manchmal sogar den Sonntagsbraten. „Löpp“ hieß es dann für Job.

Alkohol ist jede Menge geflossen. Kübelweise. Doch im „Wenzel“ sei es immer gesittet zugegangen, versichert Kalle. Draußen nicht immer. Einmal versperrte ein schwerer Blumenkübel das Garagentor eines Nachbarn. Auch Beschwerden der Anwohner über Lärm habe Job ernstgenommen und sich mit ihnen zusammengesetzt, um nach Lösungen zu suchen. „Er hat sich viel für die Jugend gefallen lassen.“

Unverwechselbar: die Musik. „Wenzel“-Musik wurde zum Inbegriff, AC/DC, Bon Jovi, Led Zeppelin dröhnten aus den Boxen. Und die Titelmelodie aus „Heidi“ oder „Er hat ein knallrotes Gummiboot“. Dann wussten die Besucher: Jetzt gehen die Lichter an.

Vergangene Zeiten. „Heidi“ klingt schon seit Jahren nicht mehr aus den Boxen.

Reiner Kramer
stv. Redaktionsleitung Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2901

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