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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

„terror“ In Der Ard: Auch General aus Garrel plädiert für Freispruch

19.10.2016

Garrel Kampfpilot Lars Koch schießt entgegen des ausdrücklichen Befehls eine von einem Terroristen entführte Passagiermaschine ab. 164 Menschen finden den Tod. Gerettet werden dagegen 70 000 Menschen in der Münchner Allianz Arena, in die der Terrorist die Maschine lenken wollte. Ein moralisches wie gesetzliches Dilemma machte die ARD am Montagabend zum Thema.

86,9 Prozent sprachen den Angeklagten frei von der Anklage des 164-fachen Mordes. Auch Karl H. Schreiner, Brigadegeneral a.D., sprach sich für Freispruch aus. Der ehemalige Offizier, der heute in Garrel lebt, hatte gemeinsam mit seiner Frau das TV-Event „Terror“, das auf einem Theaterstück des Schriftstellers und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach basiert, angesehen. Im Gespräch mit der NWZ  sagte Schreiner am Tag nach der Ausstrahlung, ihm fehle der gesetzliche Spielraum für einen angemessenen Schuldspruch. Denn der hätte lebenslängliche Freiheitsstrafe für Mord lauten müssen – „nicht angemessen“ für Schreiner, der insgesamt fast 43 Jahre in der Bundeswehr gedient hatte – zuletzt knapp acht Jahre als Direktor Lehre an der Führungsakademie. Freispruch, obwohl der Kampfpilot nicht nur gegen die Verfassung verstoßen hat, sondern auch gegen klare Befehle seiner Vorgesetzten.

Die Artikulation der persönlichen Schuld des Kampfpiloten sei ihm in dem TV-Format allerdings zu kurz gekommen, denn dass ein Mensch den Tod von 164 Menschen ohne Weiteres wegstecke, „glaube ich nicht“. Schreiner war auch lange Jahre Kommandeur beim Jagdgeschwader 71 in Wittmund.

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Eine der Tat angemessene strafrechtliche Würdigung sei in diesem Fall kaum möglich. „Verfassung und Strafrecht in der bestehenden Form können diesem Fall des übergesetzlichen Notstands kaum gerecht werden“, meint Schreiner. Entscheidend sei für ihn daher letztlich die ethisch-moralische Bewertung. Gerade vor diesem Hintergrund sei das Abstimmungsverhalten der Zuschauer im Anschluss an die Ausstrahlung zu beurteilen: „Es gibt offensichtlich im Bewusstsein der Menschen einen moralischen Standard, der sich aus der reinen strafrechtlichen Würdigung heraushebt.“

Soldaten sähen sich häufig ähnlichen Situationen ausgesetzt – wenngleich mit veränderten Rahmenbedingungen. So habe er während seiner aktiven Zeit einem Vorgesetzten einen Rat geben sollen: „relativ sicherer Erfolgsausgang einer Operation mit vielen Opfern oder unsicherer Ausgang mit wenigen Opfern“. In den 60er und 70er Jahren seien Todesopfer unter den Soldaten bei Großübungen nicht ausgeschlossen worden. „Es kann immer etwas passieren“, beschreibt Schreiner das moralische Dilemma eines Vorgesetzten bei der Bundeswehr.

Das TV-Format habe ihm ausgesprochen gut gefallen – „ein Höhepunkt der deutschen Fernsehkultur“. Auch die Diskussion im Anschluss bei „Hart aber Fair“ sei „in sich sehr schlüssig“ gewesen. Er sieht darin eine Blaupause, um auch viele andere wichtige Themen in ihrer Gesamtkomplexität behandeln zu können.

Ein Thema, das ihm ein besonderes Anliegen sei und sich gut für eine solche Diskussion eigne, sei die Verletzlichkeit kritischer Infrastruktur, zum Beispiel bei einem länger andauernden Stromausfall, weil unser Land beinahe täglich vor dem Kollaps stehe.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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