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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Kirchturm in Schutt und Asche

29.04.2015

Barßel Die letzten Tage des Zweites Weltkrieges trafen Barßel mit voller Wucht. Der traurige Höhepunkt: Am 29. April 1945 – vor genau 70 Jahren – sprengten deutsche Soldaten mit Seeminen den Kirchturm der katholischen Kirche in Barßel. Die Wehrmacht wollte mit der Sprengung verhindern, dass feindliche Truppen den Turm als Markierung für Flakbeschuss auf den Ort nutzen.

Der Barßeler Heimatforscher Heino Weyland hat der NWZ  sein Archiv geöffnet, dessen Dokumente von diesem Ereignis erzählen. Kurz vor dem Kriegsende lag die Barßeler Kirche in Trümmern, zerstört durch die Wehrmacht.

So brachte Florenz Beckmann, damaliger Barßeler Pfarrer der katholischen Kirche, seine Erinnerungen an den Tag der Kirchturmsprengung folgendermaßen zu Papier: „Ohne mein Wissen hatten Soldaten von den sogenannten Fallschirmjägern, die sehr fanatisch waren, mehrere Seeminen in den Turm gelegt und dieselben am 29. April abends zum Sprengen gebracht. Der 36 Meter hohe Turm mit dem Zwiebelhelm und mit Mauern von anderthalb Metern Dicke war von Grund auf radikal weggesprengt. Die Giebelwand, an der der Turm stand, war vollständig weggerissen. Das Dach und das Gewölbe war zu Zweidrittel zerstört und weggerissen.“

Weiterhin schreibt der Pfarrer: „Die Kirche bot einen Anblick, so dass man meinen musste, dass sie nie wieder aufgebaut werden könne. Die kleine Straße zwischen Kirchplatz und Bäcker Nehus war mehrere Meter hoch aufgetürmt mit mächtigen Blöcken von dem gesprengten Turm.“

Zeitzeuge kehrt zurück

Mit Grauen erinnert sich auch Zeitzeuge Curt Müller an den 29. April 1945. Der Karlsruher hatte in den letzten Kriegstagen als Soldat in Barßel gekämpft. Müller besuchte im August 1984 als Tourist Barßel und die katholische Kirche St. Cosmas und Damian. An einer Pinnwand im Kirchturm hinterließ er folgende Nachricht: „Den Kirchturm des wuchtigen Gotteshauses sprengten Pioniere unserer Nachbar-Einheit. Ich bin fassungslos. Ich glaube es nicht.“

Nach der Sprengung wurde der Gottesdienst zunächst im Krankenhaus und später im Saal Niehaus abgehalten, bevor eine Notkirche errichtet wurde. Pfarrer Beckmann hätte sich mit großer Energie für die Wiederherstellung der Barßeler Kirche eingesetzt, erinnert sich Heino Weyland. Mit Unterstützung der Bevölkerung konnte die Kirchengemeinde die Baumaterialien für eine neue Kirche beschaffen.

Bevölkerung hilft

Barßeler Frauen und Männer räumten gemeinsam auf und reinigten Steine. Jeden Tag arbeiteten Bürger auf der Baustelle, um beim Wiederaufbau zu helfen. Zügig schritt die Renovierung des Gotteshauses voran. Bereits am 9. September 1946 konnte die Bevölkerung das Richtfest der Kirche feiern.

Nach der Fertigstellung der Kirche am 27. Juni 1947 wurde noch bis 1954 mit dem Bau des Turmes gewartet. Architekt Ludger Sunder-Plasmann rekonstruierte ihn nach alten Fotografien.

Durch die Sprengung des Kirchturmes wurde auch die Kirchenorgel zerstört, die erst wenige Jahre zuvor (1938) eingebaut worden war. Später habe die Kirche eine gebrauchte Orgel erhalten, sagt Weyland.

Melanie Jepsen
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2504

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Wehrmacht | Krankenhaus | Kirchengemeinde

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