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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Multiresistente Keime lassen die Behörde kalt

08.05.2018

Kreis Cloppenburg Der Landkreis Cloppenburg sieht nach dem Nachweis von multiresistenten Keimen in seinen Gewässern keinen Handlungsbedarf. Das geht aus der Antwort von Landrat Johann Wimberg (CDU) auf eine Anfrage des Kreistagsabgeordneten Michael von Klitzing hervor. Beim Baden beispielsweise in der Talsperre besteht für gesunde Menschen kein erhöhtes Gesundheitsrisiko, sofern danach die persönliche Hygiene beispielsweise durch das Duschen eingehalten wird.

Belastung untersuchen?

Der Linken-Politiker hatte einige Fragen an den Landkreis formuliert, dessen Angelegenheit die Keime in Soeste, Talsperre und den betreffenden Gewässern in Markhausen und Bösel sind. Er fragte nach der Notwendigkeit eines Überblicks über die Belastung der Oberflächengewässer, der Beprobung von Sedimenten und Böden und der Untersuchung von Abluft von Ställen.

Der Landkreis will keine weitergehenden Maßnahmen zu diesen Punkten einleiten: „Keime (Viren, Bakterien, Parasiten) sind in unserer Umwelt stets präsent. Meist – wie auch hier – handelt es sich um sogenannte fakultativ pathogene Keime. Dies sind Erreger, die einen geschwächten Immunstatus oder andere Defizite des Wirts – hier den Menschen – voraussetzen, um Krankheiten zu verursachen. Sie gehören teilweise auch zur Normalflora jedes Menschen, befinden sich auf der Haut oder im Darm. Für gesunde Menschen sind sie ungefährlich.“

Gleiches gilt nach Aussage des Landkreises für Multiresistente Erreger (MRE). Sie seien auch nur „normale“ Keime, die Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben und deswegen schlechter therapierbar seien. Sie sind laut Kreis ebenfalls für gesunde Menschen ungefährlich, können bei gesundheitlich stark beeinträchtigen Menschen von Bedeutung sein.

MRE sind anfällig gegenüber Desinfektion und gegenüber Hitze. Wenn die persönliche Hygiene und die Küchenhygiene eingehalten wird, ist laut Schreiben des Kreises keine wesentliche Gefährdung des Menschen, auch beim Verzehr von Fisch, zu befürchten.

Standards erarbeiten

Auch wenn der Kreis nicht isoliert handelt, sei es nötig, bundesweite Standards zu schaffen. Dafür sind laut Wimberg die wissenschaftlichen Ergebnisse auf Bundes- und Landesebene abzuwarten. Denn das Problem der multiresistenten Erreger ist seit Jahren bekannt. Auf Bundesebene wurde unter Beteiligung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein Verbundprojekt gestartet. Hier soll die Ausbreitung resistenter Erreger über Abwässer aus Krankenhäusern, kommunalen Bereichen, Tiermast- und Schlachtbetrieben untersucht werden und geeignete Gegenstrategien geprüft werden.

Bakterien begrenzen

Und auch in Niedersachsen findet das Thema der Keime Beachtung. 2016 gab es nach Angaben des Landkreises einen Arbeitskreise bei der Landesregierung, der 2016 eine Strategie gegen Antibiotikaresistenz beschlossen hatte und 2017 einen Abschlussbericht vorlegte. Festgelegt wurde: „Die gemeinsame niedersächsische Strategie gegen Antibiotikaresistenz hat als übergeordnetes Ziel: Die Wirksamkeit von Antibiotika für die Behandlung bakterieller Infektionserkrankungen bei Mensch und Tier muss erhalten bleiben. Hierfür muss der Anteil antibiotikaresistenter Bakterien begrenzt oder noch besser zurückgeführt werden.“

Um dieses Ziel zu erreichen, werden insgesamt neun Handlungsfelder definiert, darunter auch Hygiene, Umwelt und Forschung.

Offene Fragen klären

Vor allem bei der Entstehung und Verbreitung von Resistenzen sind viele Fragen offen. Erst wenn diese beantwort sind, können Strategien entwickelt werden, heißt es vom Landkreis. „Das Land Niedersachsen wird durch eine Arbeitsgruppe die nächsten Schritte einleiten. Parallel hat Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies eine Beprobung von Gewässern in Niedersachsen angekündigt. Insgesamt sollen an die 200 Proben genommen werden. Die Ergebnisse sollen bis zum Sommer vorliegen.“

Keine Grenzwerte

Auch weist Landrat Wimberg darauf hin, dass es derzeit weder nationale noch internationale Kriterien oder Grenzwerte zur Bewertung von multiresistenten Keimen gibt. Die Eindämmung von Multiresistenzen hängt eng mit den Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin zusammen. Hier weist der Landkreis darauf hin, dass sich der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung seit 2011 um mehr als 50 Prozent reduziert hat. „Der Landkreis wartet die wissenschaftlichen Ergebnisse auf Bundes- und Landesebene ab. Versäumnisse unsererseits sind nicht erkennbar“, heißt es abschließend.

Mareike Wübben
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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