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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Nach 60 Jahren Grab des Vaters besucht

26.07.2005

CLOPPENBURG CLOPPENBURG - Maria Mählmann aus Cloppenburg hat ihren Vater nie kennen gelernt. Bernhard Greskamp starb im Oktober 1945 als Soldat in einem Kriegsgefangenenlager in Frankreich an Hungertyphus. Seine Tochter kam im März 1945 zur Welt. Zu ihrem 60. Geburtstag machte Maria Mählmanns Tochter Hildegard das Grab des Vaters, ihres Opas, in Berneuil ausfindig. Vor kurzem besuchten Maria Mählmann und ihr Ehemann Josef sowie ihre älteren Schwestern Christa Albers-Ripken (67) aus Löningen und Erna Wohlhorn (65) aus Münster den deutschen Soldatenfriedhof zwischen La Rochelle und Bordeaux im Südwesten Frankreichs.

„Es war sehr rührend, das Grab zu sehen“, erzählt Maria Mählmann, deren Familie gebürtig aus Löningen stammt. „Für meine Geschwister noch mehr als für mich; denn sie haben meinen Vater als Kinder noch erlebt und so eine persönliche Beziehung zu ihm gehabt. Meine Schwester kann sich noch an den letzten Abschied meines Vaters erinnern, bevor er wieder in den Krieg musste. Eigentlich wollte er lieber daheim bleiben.“

Das Leben im Kriegsgefangenenlager sei sehr hart gewesen. Die Soldaten hätten kaum etwas zu essen und trinken gehabt. Deshalb seien einige geflüchtet, weil sie glaubten, so eher zu überleben. „Mein Vater wollte das nicht“, berichtet Maria Mählmann aus Erzählungen. „Er war der Ansicht, das Lager zu überstehen. Er hatte aber auch Angst, bei einer Flucht erschossen zu werden. Er dachte an seine Frau, die dann mit den Kindern alleine dastünde.“

Die Männer in dem Lager seien regelrecht verdurstet und verhungert, weil sie von den Wachen schlecht versorgt worden seien, weiß Maria Mählmann. Becher, die die deutschen Gefangenen an eine Regenrinne gestellt hätten, seien von den Wachen stets umgekippt worden. Einige hätten daher ihren Urin getrunken, um nicht zu verdursten. Die Männer hätten vor Hunger sogar die Blätter von den Bäumen gegessen.

Auf dem Soldatenfriedhof in Berneuil liegen 8295 deutsche Soldaten. 353 von ihnen sind unbekannt. Die Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert sich um den Friedhof. Über ihr Register hat auch Hildegard Mählmann das Grab ihres Opas ausfindig gemacht.

Dass Bernhard Greskamp tot ist, erfuhr die Familie Ende der 40er Jahre, als ein ehemaliger Kamerad seine Mutter in Löningen besuchte und ein Foto von der Grabstelle mitbrachte. Seine Ehefrau, also Maria Mählmanns Mutter, war bereits 1947 verstorben. Die Kinder wuchsen bei der Oma und bei ihren Tanten auf.

Der jüngste Besuch in Frankreich war auch für Josef Mählmann eine Reise in die Vergangenheit, die er schon seit vielen Jahren im Hinterkopf hatte. 1963 und 1964 weilte er als junger Soldat der Bundeswehr jeweils für 14 Tage in Nampce, rund 80 Kilometer nördlich von Paris zum Arbeitseinsatz auf einem deutschen Soldatenfriedhof. Anlass war die Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages zwischen Adenauer und de Gaulle gewesen, der die Aussöhnung beider Staaten vorantrieb.

Motiviert von dem Besuch des Ehepaares Mählmann in Frankreich, haben sich inzwischen zwei weitere Mitglieder ihres Cloppenburger Kegelclubs auf die Suche nach ihren im Zweiten Weltkrieg in Russland gestorbenen Vätern gemacht. Ihr Ziel ist es ebenfalls, die Gräber aufzuspüren, dorthin zu fahren und Abschied zu nehmen.

www.volksbund.de

Christoph Koopmeiners
Wildeshausen/Dötlingen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2705

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