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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Im steten Kampf gegen Barrieren

17.02.2018

Nikolausdorf /Garrel „Inklusion – das ist doch mehr als Schule“, sagt Franz Koddenberg. „Das umfasst das gesamte gesellschaftliche Leben.“ Die selbstverständliche Teilhabe an der Gesellschaft von Menschen mit und ohne Handicap – oft gefordert, doch in den Köpfen häufig noch nicht verankert, weiß Franz Koddenberg.

Der Nikolausdorfer ist seit 44 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Mit 19 Jahren erhielt er die Diagnose: progressive Muskeldystrophie vom Typ Gliedergürtel, unheilbar. „Ich habe nichts gemerkt“, berichtet Franz Koddenberg. Ein Arzt bei der Bundeswehr aber schon. Mut machen, anderen Menschen zeigen, dass trotz einer Behinderung oder Erkrankung ein erfüllendes Leben möglich ist – das sei für ihn Antrieb seines vielfältigen Engagements, erzählt Franz Koddenberg.

Seit 2001 ist er als Kontaktperson für die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) Ansprechpartner für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen. Im Beirat für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Cloppenburg ist er seit 2013 aktiv und übernahm dort Anfang 2017 den Vorsitz. Seit Dezember ist Koddenberg nun auch Behindertenbeauftragter der Gemeinde Garrel.

 Hier lief es gut

Schon bevor er zum Behindertenbeauftragten ernannt worden war, hatte er für die Perspektive von Menschen mit Behinderten gesorgt – etwa bei der Errichtung der neuen Bushaltestellen in Varrelbusch und Falkenberg. Und auch beim Neubau des Nikolausdorfer Pfarrheims oder der Neugestaltung des Friedhofs in Garrel und der Friedhofskapelle wurde seine Stimme gehört. Seinerzeit bei der Erweiterung der Grundschule in Nikolausdorf hatte er sich ebenfalls eingebracht.

Weitere positive Beispiele in Garrel: In der Schwimmhalle sind Umkleiden und Lifte für Rollstuhlfahrer installiert. Die Geschäfte in Garrel seien für Menschen mit Handicap gut zu erreichen. Auch öffentliche Toiletten gebe es im Gegensatz zu anderen Gemeinden in Garrel ausreichend.

Dinge, die Koddenberg positiv stimmen: Langsam finde ein Umdenken statt. Doch der Weg, weiß er, ist noch lang.

 Hier mangelt es

  Bezogen auf die Hauptstraße in Garrel fehlen Koddenberg Querungshilfen. Gerade in Höhe der Kaiforter Straße sieht er großes Gefahrenpotenzial – nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern auch für ältere Menschen. Der Verkehr auf der Hauptstraße lasse gerade zu Stoßzeiten kaum eine Lücke, um langsameren Schrittes die Fahrbahn etwa zum Optiker Otto Behrens oder zum Bäcker und Café Behrens-Meyer zu überqueren.   Ein Ärgernis nicht nur für ihn als Rollstuhlfahrer sind oberirdisch verlegte Versorgungsleitungen beim Freimarkt in Garrel – sei es auf der Hauptstraße oder auf dem Busparkplatz. Im vergangenen Jahr musste er mit seinem Rollstuhl teils weite Wege in Kauf nehmen – auch, um von der Festmeile wieder herunterzukommen. Die abgesenkten Bordsteine des Gehweges waren mit Buden verstellt. Deshalb lautet sein Appell bei der geplanten Neugestaltung des Dorfplatzes und des Busbahnhofs im Zuge des Städtebauförderprogramms: Versorgungsleitungen unterirdisch verlegen. Entsprechende Vorschläge seien dem Gremium für die Städtebauförderung, in dem er vertreten ist, unterbreitet worden.
  Vereins- oder Gruppenfahrten mit Busunternehmen? Häufig werde nicht an Rollstuhlfahrer gedacht, schildert Koddenberg eigene Erfahrungen. Andere Rollstuhlfahrer meldeten sich möglicherweise gar nicht erst an zu gemeinsamen Ausflügen. Unternehmen führten zudem – falls überhaupt – nur wenige rollstuhlgerechte Busse. „Immer wieder auf die Füße treten“ – so versucht der 63-Jährige in den Köpfen etwas zu ändern. Vorbild seien die skandinavischen Länder, die in puncto Barrierefreiheit deutlich weiter seien. „Deutschland hat Nachholbedarf.“

 Überregionale Themen

Vertreten ist Franz Koddenberg auch in der Regio­gruppe, in der Behindertenbeauftragte oder Vertreter von Beiräten aus den Landkreisen Emsland, Osnabrück, Vechta, Cloppenburg sowie der Grafschaft Bentheim zusammengeschlossen sind. Und zweimal im Jahr trifft sich der niedersachsenweite Inklusionsrat, in dem Koddenberg die Stimme Garrels und des Landkreises vertritt. Themen hier: die Niedersächsische Bauordnung etwa, in der barrierefreies Bauen im öffentlichen wie privaten Raum rechtsverbindlich geregelt werden soll. Oder die Unterbringung von jungen Menschen mit Behinderung in Fällen, in denen die Angehörigen die Pflege nicht alleine erledigen können.

Die sprichwörtliche „Brechstange“ bemüht Franz Koddenberg in seiner Arbeit nicht. Sein Weg: „Mit Geduld kann man etwas erreichen.“ Das habe die Vergangenheit bewiesen.

Sein vielfältiges Engagement sei aber nur möglich, weil er von seiner Frau Maria und der Tochter unterstützt werde. Auch der Freundeskreis in Nikolausdorf ist zur Stelle, wenn er Unterstützung benötigt.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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