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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Reichsbürger-Affäre beendet Märchen

15.01.2018

Saterland Neustadt am Rübenberge im Oktober 2013. Vor dem Amtsgericht der Kleinstadt in der Region Hannover ist ein selbst ernannter König angeklagt. Peter Fitzek, „Souverän“ und Anführer des „Königreich Deutschland“, muss sich der dortigen Gerichtsbarkeit wegen zu schnellen Fahrens ohne Führerschein stellen. Den hatte er nämlich zuvor abgegeben, da für ihn nur sein eigener Führerschein aus seinem „Königreich“ eine Gültigkeit hat und er die Bundesrepublik Deutschland als Staat nicht anerkennt. Doch die selbst ernannte „Majestät“ ist nicht alleine. Vor und im Gerichtssaal stehen ihm seine Anhänger zur Seite. Ganz unscheinbar mit längeren Haaren als heute war damals auch Fitzeks Anhänger Heinrich Müller dabei.

UWG zieht die Reißleine

Derselbe Heinrich Müller wollte am 25. Februar dieses Jahres auch parteiloser Bürgermeister mit Unterstützung der UWG im Saterland werden. Doch seine Kandidatur fand am Freitagabend auf der Mitgliederversammlung der Partei ein jähes Ende. „Heinrich Müller ist nicht mehr Bürgermeisterkandidat im Saterland. Nicht nur unsere Wähler und Mitglieder waren schockiert, es gab auch entsprechende Reaktionen aus anderen Parteilandschaften“, sagt Franz Hericks.

Erst am Abend des 10. Januars war der Sprecher der UWG von Heinrich Müller über die Recherche der NWZ informiert worden. „Die UWG hatte trotz intensiver und umfangreicher Recherche im Vorfeld der Kandidatenaufstellung keine Kenntnis von den Kontakten Herrn Müllers zu den Reichsbürgern und zum Königreich Deutschland. Die UWG distanziert sich aufs Schärfste von der Ideologie der Reichsbürger und der so genannten Gruppe Königreich Deutschland“, fügt Hericks hinzu.

Kommentar

Das Internet Vergisst Nicht   Von Heiner Elsen

Schaut man sich die zahlreichen TV-Dokumentationen über das sogenannte „Königreich Deutschland“ an, kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Was aussieht wie eine perfekt gemachte Fernseh-Satire ist aber für den selbst ernannten „König“ Peter Fitzek und seine Anhänger der pure Ernst – nicht umsonst wird das „Königreich“ vom Verfassungsschutz beobachtet.

Und immer wieder taucht Heinrich Müller im Umfeld des Königreichs auf. Wenn er selbst sagt, er habe sich seit mehr als einem Jahr von der Gruppe distanziert, ist das schlichtweg gelogen. Das belegen zahlreiche Laufveranstaltungen aus dem letzten Jahr, bei denen Müller unbedingt unter dem Titel „Königreich Deutschland“ starten wollte. Doch zum Glück vergisst das Internet nichts und zum Glück war Müller nicht sonderlich gut darin, seine Spuren zu verwischen.

Den Autor erreichen Sie unter elsen@infoautor.de

Gleichwohl ist sich der Sprecher der UWG auch bewusst, was die Vergangenheit Müllers für ein Licht auf seine Partei werfe. „Für die UWG sei ein sehr großer, kaum noch reparabler Schaden entstanden. Ein weiteres Festhalten an der Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde sei so nicht mehr von der UWG-Saterland zu verantworten“, so Hericks weiter.

Auch Müller selbst meldete sich am Samstag bei der NWZ. „Ich teile mit, dass ich mich auf das Ausdrücklichste von dem Vorwurf, ein Reichsbürger zu sein, distanziere. Das entspricht nicht der Wahrheit“, so Müller. Schon bei der ersten Konfrontation in der letzten Woche sagte Müller: „Das alles ist für mich nicht mehr relevant. Das ist seit ein, zwei Jahren abgeschlossen“.

Laufen für das Königreich

Zu diesen Aussagen passen die Ergebnislisten zahlreicher Laufveranstaltungen im vergangenen Jahr aber gar nicht. „Erst nach langer Diskussion konnten wir Herrn Müller davon überzeugen, nicht unter dem Vereinsnamen ’Königreich Deutschland’ zu starten. Er wurde vereinslos geführt“, sagt Heinz-Hermann Thelken, Mitorganisator des Barßeler Hafenfestlaufs im August 2017 – eine Veranstaltung also, die nicht einmal ein halbes Jahr zurückliegt. Dass Müller, kurz vor der Bekanntgabe seiner Kandidatur, im November also noch ein Anhänger von Fitzeks „Königreich“ war, wird aus einer anonymen Mail deutlich, die die NWZ am Sonntag erreichte. „Ich stand nach dem Hafenfestlauf bei der ausgehängten Ergebnisliste, als ein einzelner Läufer sich etwas aufregte, einen Kugelschreiber suchte und eifrig hinter den Namen eines Teilnehmers Müller „Königreich Deutschland“ schrieb“, heißt es in der Mail.

Nach mehreren Prozessen sitzt Müllers „König“ Peter Fitzek nun seit 2016 in Haft – unter anderem wegen illegaler Bankgeschäfte.

Lesen Sie mehr zum Thema:

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Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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