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Lindenstraße stirbt den Serientod
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Lindenstraße stirbt den Serientod

NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

„Sie sagten,           es sei sicher“

15.04.2015

Friesoythe An der Schwaneburger Straße steht ein Kreuz. „Wie lange schon, das weiß ich nicht“, sagt Änne Köllen, 80 Jahre alt. „Solange ich denken kann steht es dort.“ Seit wann der kleine Stein neben dem Kreuz steht, weiß Köllen aber genau. „Hier ruht unser liebes Kind Gertrud Sprock“ steht darauf, darunter zwei Daten. Änne Köllens Schwester war gerade einmal fünf Jahre alt, als sie in ihren Armen starb. „Ich habe immer dieses Bild vor Augen.“

Lange habe sie nicht darüber sprechen können, sagt Änne Köllen heute. Noch sieben Jahrzehnte später zittert ihre Stimme, wenn sie vom 15. April 1945 erzählt. Seit mehr als 50 Jahren lebt Köllen in Steinfurt, weit weg von der Schwaneburger Straße. Ihr Bruder Heinz Sprock wohnt noch immer dort.

Auf dem Weg zum Onkel

Er war noch nicht geboren, als die Familie vor 70 Jahren zurück in die Stadt kam. Einige Tage hatten die sieben Mädchen und ihre Eltern mit anderen Friesoythern in Stallungen in Schlingshöhe verbracht, während sich kanadische und deutsche Truppen heftige Kämpfe lieferten. Als am 14. April die Stadt brannte, konnten die Schwestern die Flammen und den Rauch aus der Ferne beobachten. „Viel haben wir von den Kämpfen nicht gesehen“, sagt Köllen. Einen Tag später ging es zurück nach Hause an die Schwaneburger Straße.

„Sie sagten uns, die Gefahr sei vorbei, es sei sicher“, erinnert sich die 80-Jährige. Als sie ankamen, stand der Hof in Flammen. „Alles brannte lichterloh.“ Köllen, damals neun Jahre alt, machte sich mit ihrer kleine Schwester Gertrud auf den Weg zu ihrem Onkel. Dessen Haus nebenan stand noch. Auf der Straße fuhren kanadische Panzer, plötzlich fielen Schüsse. „Das waren wohl Deutsche, die meinten, noch irgendetwas erreichen zu können“, vermutet Köllen.

„Die Kanadier gaben uns von ihrem Panzer aus Zeichen, dass wir uns hinlegen sollen“, sagt Änne Köllen. Die Kinder gingen in Deckung. „Die wollten uns nichts tun.“

Grab neben Straße

Die kanadischen Soldaten vermuteten in einer Hecke neben der Straße fälschlicherweise deutsche Kämpfer, die noch Widerstand leisteten. Die Soldaten schossen – und ein Querschläger traf Gertrud in den Kopf. „Sie war sofort tot“, erinnert sich Änne Köllen. „Ich lag auf dem Boden und hatte meine tote Schwester im Arm.“

Nur wenige Meter entfernt wurde Gertrud später begraben, direkt neben dem Straßenkreuz. „Wir konnten nicht auf den Friedhof“, sagt ihre Schwester. „Der Kaplan erlaubte uns, sie neben der Straße zu begraben.“ Und dort liegt ihr Grab noch heute. „Meine Schwägerin pflegt es immer noch – auch 70 Jahre danach“, sagt Köllen. Dafür sei sie sehr dankbar.

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