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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Diskussion zur Organspende spaltet die Gemüter

26.06.2019

Stapelfeld Vor dem Hintergrund der politischen Diskussion über die Entscheidungs- oder Widerspruchslösung zur Organspende im Deutschen Bundestag hatte die Katholische Akademie Stapelfeld (KAS) zu einer öffentlichen Diskussionsrunde eingeladen. Moderiert wurde sie vom geistlichen KAS-Direktor, Pfarrer Dr. Marc Röbel, und der Leiterin des Stapelfelder Umweltzentrums, Dr. Franziska Zumbrägel.

Die Diskussionsrunde sei keine Werbeveranstaltung für eine Partei beziehungsweise für oder gegen eine Organspende, betonte Röbel. Die wichtigste Frage sei, unter welchen Voraussetzungen ein Mensch eine begründete Entscheidung darüber treffen könne, ob er seine Organe für eine Transplantation zur Verfügung stellen wolle, erklärte Zumbrägel.

Politische Situation

Eingeladen waren die CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher (Löningen), Prof. Dr. med. Andreas Ziegler (Facharzt für Neurochirurgie aus Oldenburg) und die Medizin- und Kulturhistorikerin Prof. Dr. Anna Bergmann aus Frankfurt.

Breher berichtete über die aktuelle politische Diskussion zum Thema Organspende und stellte die beiden fraktionsübergreifenden Anträge der Widerspruchslösung und der Erklärungslösung dar. Dabei betonte sie die Bedeutung der Organspende für diejenigen Menschen, die dringend auf eine Spenderorgan angewiesen seien. Sie machte aber auch deutlich, dass bei der Abstimmung über die beiden Vorschläge jeder Abgeordnete frei nach seinem Gewissen – ohne Fraktionszwang – abstimmen werde.

Ziegler betonte, dass eine Organverpflanzung für den Organempfänger trotz aller Nebenwirkungen und lebenslanger Medikamenteneinnahme durchaus eine segensreiche medizinische Technik sei. Er forderte aber in erster Linie eine verstärkte Bekämpfung der chronischen Krankheiten, die eine Organspende erst notwendig machten. Ziegler kritisierte scharf die fehlende Aufklärung über die Diagnose Hirntod, die Voraussetzung für eine Organentnahme ist. Ein als hirntot diagnostizierter Mensch sei medizinisch betrachtet ein lebender Mensch im Sterbeprozess mit einer irreversiblen Hirnschädigung – kein Toter. Er werde durch intensivmedizinische Maßnahmen weiter am Leben gehalten, um Organe entnehmen zu können.

Kultur des Sterbens

Die Einführung der „Widerspruchslösung“ käme einem erheblichen Umbruch unserer Kultur im Umgang mit Sterben und Tod gleich, kritisierte Ziegler weiter und forderte eine intensive Aufklärung der Bevölkerung. Den Menschen müsse klar sein, dass sie sich bei einer Organspende von einem lebenden Menschen verabschiedeten und somit nicht am natürlichen Sterbeprozess teilhaben könnten. Merklich überrascht reagierte das Publikum auf seine Schilderung der Organentnahme, bei der – wie bei einer Stressreaktion – unvermittelte Körperbewegungen, Erhöhung des Blutdrucks und Rötungen der Haut auftreten könnten. Aus diesem Grund würde in etwa der Hälfte der Transplantationen sicherheitshalber ein Narkosemittel gegeben.

Die Medizin- und Kulturhistorikerin Prof. Dr. Anna Bergmann hatte einen offenen Brief verfasst, in dem sie das Hirntodkriterium als zweckorientierte Todesvereinbarung kritisierte und eine umfassende öffentliche Diskussion zum Thema Organspende forderte. Sie kritisierte, dass die Transplantationsmedizin die Kultur des Sterbens völlig außer Acht lasse. Die Begleitung des Sterbenden durch seine Angehörigen sei aber ein wichtiger Aspekt in der Trauerarbeit, so Bergmann. Nach der Hirntoddiagnose werde der Sterbende entmenschlicht und als „Organangebot“ instrumentalisiert, der nur noch zum Zwecke der Organentnahme am Leben erhalten werde. In drastischen Worten schilderte sie die Maßnahmen zur Feststellung des Hirntods und den Prozess der Organentnahme. Darüber müsse die Bevölkerung informiert werden.

Viele Diskussionen

Bereits in der Pause erfolgte eine intensive Diskussion unter den gut 60 Gästen, die sich anschließend im Forum fortsetzte. Der Transplantationsbeauftragte des St. Marien Hospitals in Vechta, Dr. Michael Homann, gehörte ebenfalls zu den Zuhörern und hob hervor, wie beglückend eine Organspende für einen Schwerkranken sei. Diesem werde auf diese Weise die Chance auf ein neues Leben ermöglicht, so Homann. Er betonte, dass es für die Angehörigen auch im Falle einer Organspende eine Möglichkeit des würdevollen Abschiednehmens gäbe.

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