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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Tägliche Wanderung zwischen den Welten

17.01.2015

Cloppenburg Tradition und Moderne, doppelte Staatsbürgerschaft, Arbeitsplatz und Familie: Der 26-jährige Cloppenburger Ferdi Celik ist ein Wanderer zwischen den Welten – und das fast täglich.

Wer an diesem Freitag das freundliche, helle und große Haus der Familie Celik in Cloppenburg betritt, bekommt es schnell mit der kurdischen Gastfreundschaft zu tun. Man hat die Jacke noch nicht ganz ausgezogen, schon wird man mit einem heißen Tee begrüßt, bevor dann wenig später vier verschiedene kalte Getränke, türkische Süßspeisen und alle Arten von Nüssen und Keksen folgen.

Im Moment hat Ferdi Celik Zeit, in den Wintermonaten ist er von seinem Job als Bauingenieur in einer Huder Betonfirma freigestellt. Nichtstun ist aber nicht sein Ding. So gibt er zurzeit am Bildungswerk Cloppenburg einen Türkisch-Kursus für Deutsche und zwei Deutsch-Seminare für Migranten. Außerdem hat Ferdi Celik vor einem Monat ein Gewerbe angemeldet – er repariert defekte Handys.

Zeit nimmt er sich an diesem Freitagnachmittag, um auf Bitten der NWZ  über sein Leben als Muslim in Deutschland zu sprechen. „Ich sehe mich an der Schnittstelle zwischen Integration und Assimilation“, sagt er bedeutungsschwer. Worte, die fast wie auswendig gelernt klingen – und in seinem Falle doch so wahrhaftig sind.

Im Alter von vier Jahren nach Deutschland gekommen, besuchte er schnell einen Kindergarten. Und nachdem die sprachlichen Probleme überwunden waren, ging’s auch in der Schule voran. Nach der Grundschule und Orientierungsstufe in Bösel macht Ferdi Celik an der Cloppenburger Schule an der Lehar­straße seinen Realschulabschluss. Es folgen das Fachabitur an der BBS Technik und ein Wirtschaftsingenieurstudium an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven.

Integration bedeutet für Ferdi Celik aber auch Fußball: Unter anderem hat er für den SC Sternbusch und die DJK Stapelfeld die Schuhe geschnürt. Nach einer Fuß-Operation ist er jedoch zurzeit außer Gefecht gesetzt.

Aber nicht nur im Fußball-Verein, sondern auch in der Nachbarschaft fühlt sich Ferdi Celik, der mit seiner Frau Remziye in der Oberwohnung seines Elternhauses lebt, gut aufgehoben. „Auch unsere deutschen Nachbarn kommen zu unseren hohen Feiertagen, beispielsweise zum Zuckerfest im Oktober.“

Das Zuckerfest schließt sich an den Ramadan an: Nicht nur Ferdi, sondern auch andere Familienmitglieder essen während des Fastenmonats zwischen Sonnenauf- und -untergang nichts. „Religion ist mir sehr wichtig. Wir sind aber nie von unserem Vater dazu gezwungen worden.“

Apropos Vater: Auch Mehmet-Hadi Celik, der seit 13 Jahren in einer Cloppenburger Schlachterei arbeitet, fühlt sich in Deutschland gut integriert und von den Einheimischen gut aufgenommen. Er vergisst dabei aber nie seine Wurzeln, die auch durch regelmäßige Fahrten in die alte Heimat gepflegt werden.

„In Deutschland bin ich ein Ausländer und in der Türkei der Deutsche“, fasst Ferdi Celik sein Leben trefflich zusammen. Ein Wanderer zwischen den Welten eben.

Carsten Mensing
Cloppenburg
Redaktion Münsterland
Tel:
04471 9988 2801

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