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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Und wieder brennt ein Haus...

21.03.2015

Bollingen Noch gut kann sich Conrad Niemeyer aus Bollingen an den 7. Januar 1945 erinnern. Zwei Flugzeuge griffen an dem Tag einen Zug beim Strücklinger Bahnhof an, der aus Friesoythe kam. Zu dem Zeitpunkt war der heute 80-Jährige noch Schüler. „Wir waren in der Bollinger Schule. Wir mussten schon 1944 damit anfangen, einen Schützengraben zu bauen“, sagt er. Als der Luftangriff erfolgte, hätten alle aus dem Klassenraum raus und in den Graben gemusst.

Schweif abgeschnitten

„Ich kann mich noch daran erinnern, wie die Flugzeuge einen Kreis gezogen und einen erneuten Angriff versucht haben“, sagt der 80-Jährige. Sein Lehrer hätte ihn nach Hause geschickt. Jedoch, neugierig, wie die Schüler waren, hätten sie sich den Zug angeschaut. In dem Zug war auch Niemeyers zwei Jahre älterer Bruder Joseph. Er ging in Friesoythe zur Mittelschule und hatte Glück. Er kam mit Abschürfungen am Bein davon.

Gerade unterwegs gewesen sei auch ein Bäckerwagen, erinnert sich Niemeyer. In der Nähe der Warengenossenschaft sei dieser beschossen worden. Das Pferd, was den Wagen zog, kam dabei um. Später am Tag habe der Fahrer dann den Schweif des Pferdes angeschnitten. Niemeyer: „Das war wertvolles Material zu der Zeit.“ Französische Gefangene, die in der Schule Wittensand einquartiert waren, hätten das Pferd abgeholt und vermutlich geschlachtet.

Fotos gesucht

Die Nordwest-Zeitung ist auf der Suche nach Geschichten, Dokumenten und vor allem alten Fotos, die das Geschehen im Frühjahr 1945 in Friesoythe, Barßel, Bösel und im Saterland widerspiegeln. Wer etwas dazu beitragen möchte, kann sich gerne an die NWZ -Redaktion Friesoythe, Am Alten Hafen 12, Telefon   04491/99882900, red.friesoythe@nordwest-zeitung.de, wenden.

Damals wohnte Niemeyer mit seinen Eltern und Geschwistern – er hatte neun – näher am Ortskern in Nähe der Warengenossenschaft und etwa 200 Meter von der damals einzigen befestigten Straße, die durch den Ort Richtung Barßel ging.

„Als der Krieg näher kam, haben sich fast alle Bewohner, die in Dorfnähe waren, zurückgezogen ins Moor. Wir auch. Dort haben wir uns sicherer gefühlt“, erinnert sich der Bollinger. Dort versteckten sie sich in einem Bunker. Etwa eine Woche sei die Familie dort geblieben. „Es war ganz schrecklich für die untergebrachten Leute, die mit ansehen mussten, dass wieder ein Haus brennt“, sagt Niemeyer. Dann kam die Angst. Ist es unser Haus oder nicht? Das Haus der Niemeyers ist jedoch nicht zerstört worden. Bis zu 60 Häuser seien in der ehemaligen Gemeinde Strücklingen total oder teilweise zerstört worden.

Durch Granatensplitter wären im Frühjahr ’45 viele Tiere auf den Weiden zu Tode gekommen. Darunter zwei der vier Kühe der Familie, die einen landwirtschaftlichen Betrieb hatte. „Bei den Kampfangriffen wurde gewaltig geschossen. Wir schliefen im Bunker oder auf Stroh in einer Scheune. Man durfte nicht frei laufen“, so der 80-Jährige.

Wieder zurückgekehrt

Als der Krieg vorbei war, sei jeder wieder in sein Haus zurückgekehrt. Das Haus einer Nachbarsfamilie war zerstört worden. Die Niemeyers legten in ihrer Küche Strohsäcke aus, auf denen die Familie schlafen konnte. „Jeder war zufrieden mit dem, was er noch hatte.“ Auch habe es fast kein Material zu kaufen gegeben. Als Kinder hätten Niemeyer und seine Geschwister helfen müssen, die Steine der kaputten Häuser zu reinigen.

Seine Eltern sind 1949 gestorben. „Mit 15 war ich selbstständiger Bauer“, sagt Niemeyer. „Mein Vater hatte es testamentarisch festgelegt.“ Sein Elternhaus wurde später abgerissen. Niemeyers jüngerer Bruder hat dort ein neues Haus errichtet.

Tanja Mikulski
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2902

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