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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Ii. Weltkrieg: Ungewissheit quälte besonders

08.10.2015

Strücklingen Es war ein ganz besonderer Tag im Jahr 1943. Maria Pahlke, heute Tameling, war zehn Jahre alt. Sie putzte ihre drei kleinen Brüder Willi, August und Karl-Heinz – damals acht, vier und drei Jahre alt – hübsch heraus. Dann ging es zu Fuß zum Strücklinger Bahnhof. Mit Spannung erwarteten sie die Ankunft ihres Vaters Gerhard, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg Dienst tat und auf Heimaturlaub war. Es sollte das letzte Mal sein, dass die Kinder ihren Vater sahen.

Vater kaum gekannt

Ein Jahr später erreichte ein Feldpostbrief von Pahlkes Kompanieführer die Saterländer Familie: „Ich habe die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, daß Ihr Ehemann Gerhard Pahlke seit dem im heldenhaften Einsatz geführten Kämpfen auf der Krim vermißt wird. Er wurde zuletzt am 19. Mai 1944 bei Sewastopol gesehen.“ Als Kinder hätten sie den Brief zur Kenntnis genommen, sich damit abgefunden. Kein Wunder, denn sie kannten ihren Vater ja kaum.

Doch mit den Jahren, so erzählen die Geschwister, habe die Ungewissheit über das Schicksal ihres Vaters doch einige Spuren hinterlassen. „Er fehlte uns, wir haben ihn sehr vermisst“, sagte Karl-Heinz Pahlke (75), als er gemeinsam mit seiner Schwester Maria (82) bei Bruder August (76) in Sedelsberg der NWZ  das Familienarchiv öffnete – Bruder Willi (80) war an diesem Tag verhindert. Zusammen erzählten sie, dass sie oft an ihren Vater denken würden. Und die Frage, was mit ihm wo geschehen sei, habe sie sehr gequält. Da half auch ein Brief des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes nicht, der 1970 bei Mutter Helene, die 2007 im Alter von 92 Jahren starb, ins Haus flatterte. Denn darin stand nur vage beschrieben, dass „Gerhard Pahlke mit hoher Wahrscheinlichkeit bei den Kämpfen um Sewastopol gefallen ist.“ Die Ungewissheit blieb.

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Dann – aus heiterem Himmel – gab es 1996 erneut Post vom DRK-Suchdienst. Darin wurde beschrieben, dass aus Archivbeständen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) hervorgehe, dass Gerhard Pahlke als Kriegsgefangener im Gebiet Tschkalow in der früheren Sowjetunion am 25. November 1944 verstorben sei. Angaben zur Todesursache und der Grablage könnten nicht gemacht werden. „Jetzt hatten wir ja eine gewisse Sicherheit. Bis dahin war es aber eine schreckliche Zeit“, sagte August Pahlke.

Tod durch Herzschwäche

Doch Monika Lehmkuhl, die Tochter von Maria Tameling, wollte sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden geben. Die sehr an Familiengeschichte interessierte Frau aus Tange stellte im vergangenen Jahr eine konkrete Anfrage an den Suchdienst mit Sitz in München. Und siehe da, jetzt bekam die Familie ein umfassendes Schreiben mit detaillierten Angaben zurück.

Am 12. Mai 1944 kam Gerhard Pahlke bei Sewastopol (auf der heutigen Halbinsel Krim) in russische Gefangenschaft. Am 16. Juli 1944 wurde er ins Lager in Orsk gebracht und am 20. Oktober 1944 ins Lazarett in Akbulak eingeliefert. Dort ist der 34-Jährige am 25. November 1944 an Herzschwäche infolge einer chronischen Dysenterie – bakterieller Darminfekt – verstorben. Er wurde auf dem zugehörigen Friedhof in Akbulak in der südrussischen Region Orenburg bestattet. Ob sich dort eine Grabstätte für deutsche Gefangene befindet, kann nicht gesagt werden.

Die Pahlke-Geschwister sind froh, dass die ständige Ungewissheit ein Ende hat und sie nun genau wissen, was mit ihrem Vater geschehen ist. Das ersetze natürlich nicht die Tatsache, ohne Vater aufgewachsen zu sein.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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