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NWZonline.de Region Cloppenburg Politik

Weiße Fahne fast mit dem Leben bezahlt

14.03.2015

Bösel /Thüle 70 Jahre ist das Ende des Zweiten Weltkriegs nunmehr her. Elisabeth Bünnemeyer, geborene Brunemund, kann sich genau daran erinnern, wie kanadische Truppen nach Bösel kamen. Die heute 81-Jährige lebte mit ihrer Familie in Osterloh.

Schon in den Tagen, bevor die Truppen Bösel einnahmen, war der Schulweg nicht mehr sicher. Immer wieder gab es Fliegerangriffe, mussten die Schüler auf dem Fußweg zur Schule in den Gräben am Straßenrand Deckung suchen, schildert die heute in Thüle lebende Zeitzeugin im Gespräch mit der NWZ . Während der Schulzeit sollten zwei auf dem Schulhof gebaute Bunker Zuflucht bieten. „Darin war es so nass, dass der Boden mit dicken Holzbohlen ausgelegt war.“

Schikane von Soldaten

Deutsche Soldaten waren allgegenwärtig. Direkt neben dem Hof in Osterloh kampierten kurz vor dem Angriff der Alliierten Soldaten aus der gefürchteten Brigade „Großdeutschland“. Die Soldaten mussten direkt am Schlafzimmer von Elisabeth Bünnemeyer vorbei über Misthaufen und durch Matsch waten, um zu ihrem Lagerplatz zu gelangen. Der Befehlshaber schickte die Soldaten immer wieder in den Dreck, bis dem Vater von Elisabeth Bünnemeyer, Heinrich, der Kragen platzte. Er schrie dem Vorgesetzten zu: „Meint Ihr, dass Ihr damit den Krieg gewinnen könnt?“

Der Befehl, das Haus zu evakuieren, kam in der Nacht vom 11. auf den 12. April 1945. Der Pferdewagen mit den Habseligkeiten war gepackt. In der Nacht kam aber die Nachbarsfamilie und bat um Hilfe. Sie hatte eigentlich mit einem anderen Nachbarn flüchten wollen, der war aber schon weg – ohne sie. Kurzerhand wurde Platz auf dem Wagen geschaffen, einige Habseligkeiten wurden ausgepackt und eingegraben, um sie vor Plünderungen zu schützen. Die gab es auch in Bösel nicht selten.

Angst habe sie nicht gehabt, erinnert sich Elisabeth Bünnemeyer. Bedeutung erlangten für die damals Elfjährige kleine Begebenheiten. Etwa der Geburtstagskuchen für den Vater, der am nächsten Tag angeschnitten werden sollte. Bei der Flucht fiel der Kuchen vom Pferdewagen. „Ich weiß heute noch, wo das war.“ Er wurde aufgesammelt und tags darauf gegessen.

Friesoythe brannte

Die Flucht führte die Familie über die Lahe. Im Stall einer Verwandten im Moor wollte sie unterkommen. Der Stall war aber bereits überfüllt, so entschied Heinrich Brunemund, weiter in Richtung Neuland zu seiner Schwester zu ziehen.

Bei der Ankunft bemerkte Familie Brunemund, dass die Familie der Schwester bereits im Moor Schutz gesucht hatte. Stattdessen belagerten deutsche Soldaten das Haus. Nun sollte es nicht mehr lange dauern, bis die alliierten Truppen in Bösel stehen würden. In der Ferne sahen Elisabeth und ihre fünf Geschwister Friesoythe brennen. Bruder Heinrich war im Krieg, kehrte erst 1948 zurück.

Ein anderer Böseler, Jan Bley, ebenfalls in dem Haus untergebracht, sah die Vorboten. Er wollte Blutvergießen verhindern und bastelte deshalb aus einem Bettlaken eine weiße Fahne. Die wollte er vor die Tür hängen. Für die deutschen Soldaten ein Affront, fühlten sie sich doch noch immer an Pflicht und Gehorsam gebunden. Sie hoben schon die Gewehre, berichtet Elisabeth Bünnemeyer, und wollten Jan Bley erschießen. Nur das Flehen seiner beiden Töchter verhinderte letztlich, dass es einen Unschuldigen mehr gegeben hätte, der in den letzten Tagen des Weltkriegs sein Leben verloren hätte.

Reiner Kramer
stv. Redaktionsleitung Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2901

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