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24 Türen: 320 Tage im Jahr auf dem Wasser Zuhause

09.12.2013

Neuscharrel /Barßel Er ist auf einem Binnenschiff großgeworden und verbringt etwa 320 Tage im Jahr auf der „Saturn“ – Binnenschiffer Jörg Lüpkes gewährt der NWZ  im Rahmen der Serie „24 Türen bis zum Fest“ Einblick in die Kajüte seines Schiffs.

Dort ist es geräumiger, als es von außen den Anschein macht. Auf mehr als 60 Qua­dratmetern Wohnfläche, die über dem Maschinenraum liegen, macht es sich Lüpkes gemütlich. Auch Schiffshund Nelly wohnt hier. „Das ist unser wachhabender Offizier“, sagt Lüpkes scherzhaft. Die restliche Besatzung hat am Bug des Schiffes eigene Räume.

Eine vollmöblierte Wohnung mit Wohnzimmer, Einbauküche, Schlaf- und Gästezimmer sowie Badezimmer mit Waschmaschine und Trockner hat sich der Neuscharreler eingerichtet. „Eigentlich ist es wie Zuhause“, sagt er. „Man verbringt sein ganzes Leben hier.“ Auch ein Fernseher steht in Lüpkes schwimmendem Wohnzimmer mit Wasserausblick. Neben der Steuerung der Generatoren, über die die Stromversorgung läuft, erinnern nur eine Sprechanlage und eine Alarmtröte an ein Schiff.

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Ein Tank von vier Kubikmetern Füllmenge sorgt für ausreichend Wasser. Er wird regelmäßig bei der „Bunkerung“, der Übernahme von beispielsweise Diesel und Schmierstoffen, aufgefüllt. Eine Heizungs- und eine Klimaanlage sorgen für angenehme Raumtemperaturen.

Regelmäßig ist Lüpkes mit dem ehemaligen Schleppkahn, Baujahr 1927, auf dem Küstenkanal unterwegs. Der sei für den Familienbetrieb sehr wichtig, sagt Lüpkes. „Schade, dass er als Nebenwasserstraße abgestempelt wird.“

Seine „Saturn“ ist auf Containerladung ausgelegt und misst eine Gesamtgröße von 86 Metern Länge und 9,20 Breite. Ein fast 50-jähriger Dieselmotor treibt mit 800 Pferdestärken ein Gesamtgewicht von 1927 Tonnen an. Davon kann das Schiff 1527 Tonnen laden – insgesamt 120 Container, von denen aber nur maximal 60 auf dem Küstenkanal transportiert werden können. „Auf dem Küstenkanal liegt die Durchfahrtshöhe bei 4,80 Meter. Die ist für die wirtschaftliche Schifffahrt eigentlich zu gering“, findet der Binnenschiffer. 75 Jahre alt sei der Kanal und seit der Errichtung nie richtig ausgebaut worden.

Täglich befahren etwa 40 Binnenschiffe das Gewässer, davon 20 in jede Richtung. Ein Schiff ersetze dabei 60 Lkw, sagt Lübkes, der seinen Arbeitstag um fünf Uhr morgens mit dem Starten der Maschine beginnt. Die Strecke von Dörpen nach Oldenburg sei dabei auf dem Kanal unter guten Bedingungen in sechs Stunden zu schaffen und das wesentlich umweltfreundlicher als mit Lastwagen, so Lübkes. Autofahrer nehmen die Schiffe auf dem Wasser jedoch oftmals gar nicht wahr. „Man sieht uns nicht, man hört uns nicht, und wir fahren doch“, stellt Lüpkes die Problematik der Binnenschiffer dar.

Lüpkes ist bereits in der vierten Generation des Familienunternehmens tätig. Sein Großvater startete mit einer Torfmutte (Holzkahn). 1981 kaufte sein Vater die „Saturn“, die Lüpkes übernahm. Seit sechs Jahren ist er nun selbstständig. Doch auch die Binnenschifffahrt plagen Nachwuchsprobleme. „Es gibt einfach zu wenige, die den Beruf in Deutschland ausüben. Wir haben keine Lobby“, berichtet er.

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