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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Auch Gogericht für Mindestlohn

01.07.2013

Emstek Mehr als 150 Besucher haben am Sonnabend dem nasskalten Wetter getrotzt und die Verhandlung des Gogerichts auf dem Desum in Emstek verfolgt. Jedes Jahr verhandelt die Interessengemeinschaft Altes Gogericht zwei Fälle. Neben einem historischen Fall gibt es auch einen aktuellen.

Bevor das Gogericht unter der Leitung des Gografen Heinrich Siefer zusammentrat, begrüßte der Vorsitzende Georg Meyer-Nutteln die Vertreter der Kommunen und Ortschaften. Anschließend betraten nach Aufforderung des Gerichtsschreibers Ludger Brokamp 24 Schöffen in historischer Kleidung den Ort.

Anders als in den Vorjahren stand zunächst der aktuelle Fall auf der Tagesordnung: Clemens Olberding, Landesvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) beschrieb die aktuelle Situation im Bereich der Leiharbeit, der Werkverträge und der Unterkunft der Werkvertragsarbeiter.

Das Gogericht unterstützte das Anliegen der KAB. Gefordert wurde ein gesetzlicher und tarifvertraglicher Mindestlohn, den Einsatz von Leiharbeit zu minimieren und den Einsatz von Werkverträgen zu begrenzen und zu kontrollieren. Auch Mindeststandards für Wohnungen von Werksvertragsarbeitern wurden gefordert.

Anschließend trug Gerichtsschreiber Brokamp eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1615 vor. Es ging um eine Forderung von 20 Reichstalern des damaligen Cloppenburger Bürgermeisters Berndt Düvell, dargestellt von Heinz Georg Berg, der dem Colonus Schepers (Hubert Kulgemeyer) in einer Notlage geholfen hatte.

Da Scheper das Geld nicht zurückzahlen konnte, forderte Düvell den Betrag vom Inhaber des Pachthofs, Dodo von Innhausen und zu Kniphausen (Heinz Dieter Grein). Dieser machte dem Gericht deutlich, dass ein Kolonist nicht ohne Erlaubnis eine Darlehnsverpflichtung eingehen darf. „Recht muss Recht bleiben“, forderte Dodo unter dem lautstarken Protest der anwesenden Bürger aus Cloppenburg. Er forderte, dass Schepers den Hof verlassen muss. Auch das Auftreten des Kolonisten Schepers im Beisein von vier seiner zehn Kinder brachte keine entscheidende Wendung. Das Volk forderte ein Einsehen mit dem armen Bauern.

Als weiterer Zeuge trat Pastor Jodokus Meyerringk (Herbert Frye) auf. Er beschrieb den Kolonisten als einen Bürger, der dem Teufel Alkohol und dem Würfelspiel nicht abgeneigt ist. Es sei jedoch nicht christlich und katholisch, Schepers und seine Kinderschar zu vertreiben.

Die Geschworenen kamen zu einem Urteil. Der Kolon hat nicht das Recht, den Hof ohne Bewilligung des Gutsherrn zu beschweren. Der Kolon muss mit seiner Familie den Hof verlassen. Der Gograf bestätigte das Urteil.

Am Ende dankte der Gograf besonders der Bläsergruppe der Hegeringe Cappeln und Emstek, die mit jagdlichen Signalen die Veranstaltung begleiteten. Mit herzhaften Broten, einer heißen Suppe und dem „Heil dir o Oldenburg“ endete die Veranstaltung am Gogericht.

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