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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Gastronomie In Barßel: Nach fast 157 Jahren ist Schluss

23.02.2019

Barßel In der Barßeler Gastronomielandschaft geht eine Ära zu Ende. Nach fast 157 Jahren ununterbrochenem Gasthausbetrieb dreht der Inhaber der Gaststätte „Zum Weißen Ross“, Eilard Niehaus, auch „Boss-Eilard“ genannt, zum letzten Mal den Schlüssel um und schließt die Traditionskneipe mit Saalbetrieb an der Lange Straße in Barßel. Seit sieben Generationen ist der Betrieb im Familienbesitz und wird seit 1978 von Eilard und Anneliese Niehaus geführt. Zuvor führte die mittlerweile verstorbene Mutter Maria Niehaus die Gaststätte. Austrinken ist am letzten Tag, kommenden Donnerstag, 28. Februar, angesagt, die Bierfässer müssen geleert werden. Viele Stammgäste, Freunde und Sympathisanten werden kommen.

Mit der letzten „Kranführung“ verabschiedet sich der Wirt von seinen Gästen. „Ich bin jetzt 71 Jahre alt und einmal muss es gut gewesen sein. Nun möchte ich den Ruhestand genießen“, so Niehaus. Doch ganz zur Ruhe setzt sich der Wirtsmann nicht. Zusammen mit seiner Ehefrau Anneliese führt er das Hotel „Zum Weißen Roß“ weiter.

Die meisten Gäste können es aber immer noch nicht fassen, dass Schluss sein soll. Vom Verlust einer Institution war die Rede. Könnten die Mauern der „Kneipe“ sprechen, ein ganzes Buch könnte damit gefüllt werden. Hier trafen sich die Geschäftsleute, und so mancher großer Abschluss wurde bei Bier und Schluck getätigt. Auch Barßels Jäger fühlten sich hier zu Hause. So manches kräftiges „Horrido“ schalte durch die Räume. Und da Niehaus Kneipe unter dem Kirchturm stand, wurde nach dem „Hochamt“ so mancher zünftiger Frühschoppen genossen. Die Wirtschaft war Treffpunkt der Seeleute, besonders wenn sie mit ihrem Schiff an der Kaje am Hafen, direkt vor der Kneipe anlegten.

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Auch der ehemalige Leichenwagen, der von einem Pferdegespann gezogen wurde, war hier stationiert. Dem früheren Betrieb war ein Bierverlag der Bremer-Union-Brauerei angegliedert. Im Winter wurden durch viele freiwillige Helfer große Mengen Eis aus dem gefrorenen Fluss geschlagen und in einem großen Eiskeller aufbewahrt. Auch die Bierfässer wurden im Keller gelagert und dann mit einem Rollwagen an die umliegenden Gaststätten bis nach Strücklingen, Elisabethfehn, Harkebrügge, Godensholt und Ocholt ausgeliefert. Im Saal gab es zahlreiche Theateraufführungen, und dort wurden viele Feste gefeiert. Auch Filme flimmerten über die Leinwand, denn der Saal beherbergte ein Kino. Die ältere Generation dürfte sich sicherlich noch an die Westernfilme „Fuzzy“ erinnern.

Die Gaststätte Niehaus war ein Zuhause vieler Barßeler Vereine. Ob Schützen-, Fischerei-, Landfrauen-, Bürger- und Heimatverein oder Schifferverein. Sie alle müssen sich nun ein neues Zuhause suchen. Kapitän Volker Aden kann sich noch gut an die früheren zünftigen Montagabende des Barßeler Marktes erinnern. „Da spielte noch eine Livekapelle bei Niehaus zur Musik auf und der Ober bediente noch in einer weißen Kellnerjacke. Die Theke war rappelvoll. Es war kaum ein Durchkommen. Das waren noch lustige Zeiten“, so Aden. Nun werden die letzten Getränke in der Traditionskneipe ausgeschenkt.

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